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Julia Bauer Headshot

Julia in Action - Stäffele EXTREM. Oder: Bergauf, bergab durch Stuttgarts Innenstadt

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16.479 Schritte verteilt auf 12,4 Kilometer - so lautet die Bilanz der letzten drei Stunden in meiner Heimatstadt Stuttgart. Meine Knochen sind müde, der Sauerstoffhaushalt gedeckt und ich freue mich auf schon aufs Bett. Wer mir jetzt vorwirft, wohl nicht mehr richtig fit zu sein, hat jedoch weit gefehlt. Denn den wohl wichtigsten Wert, den mir mein Smartphone nach getaner Arbeit ausspuckt, habe ich noch nicht erwähnt: 88 Stockwerke. Sprachlos? Dann setzen Sie sich ruhig auch gemütlich hin.

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Meine Fotografin Anna Baach und ich kommen nämlich gerade von der Städtetour „Stäffele EXTREM" - eine Stadtführung der aktiven Art. Ulrich Burkhardt, unser Guide, stattet unsere Gruppe dabei mit Köpfhörern aus und platziert schwäbisch charmant durchs Mikrofon historische sowie bauliche Fakten und unterhaltsame Anekdoten an den für mich schönsten Orten der Stadt. Die rund 3.000 Treppenstufen des Programms sprechend zu bestreiten ohne uns dabei allzu offensichtlich durchs Mikrofon in unsere Ohren zu schnaufen - dafür zolle ich ihm als Bühnenprofi ehrlichen Respekt.

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Doch wer aus Stuttgart kommt, ist Treppensteigen schließlich auch gewohnt: Bedingt durch die Lage im Talkessel, ist es in Stuttgart nicht nur generell ein bisschen wärmer als im Umland. Es gibt in der schwäbischen Hauptstadt auch so viele Freilufttreppen (also Stäffele; gesprochen: SCHDÄFFFFÄLÄ) wie in kaum einer anderen Stadt. Viele stammen aus Zeiten, in denen die Weinbauer die Hänge des Nesenbachtals bewirtschafteten. Fitness inmitten wahrer Stadtgeschichte also. Eine einzigartige Kombination.

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Unsere Tour führt von der S-Bahn Haltestelle Schwabstraße bis zur Staatsgalerie. Die Hofbräu-Brauerei, der parkähnliche Fangelsbachfriedhof, prächtige Villenviertel, die Karlshöhe, Weinberge, bodenständiges Cityflair oder der freie Blick Richtung Fernsehturm: der Querschnitt ist gelungen. Zugegeben, das ein oder andere Mal müssen Anna und ich die Gruppe joggend wieder einholenden, weil wir ein wenig beim Fotografieren getrödelt haben. Aber auch ohne Zusatz-Sprints ist die Führung nur etwas für sportliche Gemüter. Allein die folgende Aufzählung der zu bewältigenden, teilweise urig schrägen Staffeln sollte dies deutlich machen:

Taubenstaffel (abw.)
Helene-Schöttle-Staffel (aufw.)  
Adler-Staffel  (abw.)
Oskar-Heiler-Staffel   (aufw.)   
Willy-Reichert-Staffel  (abw.)
Oskar-Schindler-Staffel (aufw.)  
Bopserstaffel (abw.)
Schickstaffel (aufw.)  
Wächterstaffel (abw.)
Lorenzstaffel  (aufw.)  
Dobelstaffel  (aufw.)  
Mohlstaffel (abw.)
Olgastaffel (abw.)
Sünderstaffel (aufw.)  
Georg-Eisner-Staffel (aufw.)  
Hillerstaffel (abw.)
Gerokstaffel (abw.)
Eugensstaffel (abw.)
Staatsgalerie (abw.)

Dass unser anstrengendster Aufstieg nach etwa zweieinhalb Stunden in Bewegung in der prallen Sonne liegt und auch noch Sünderstaffel heißt, schreit schon fast nach Ironie. Zum Glück befindet sich unweit des Ziels jedoch Stuttgarts legendärste Eisdiele, auf die der ortskundige Stadtführer zielsicher zusteuert. Eine süße Erfrischung, der er selbst jedoch problemlos widersteht. Früher hat er wohl auch Stadttouren im Joggen gegeben. Wir können eben alles außer hochdeutsch.
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