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Julia Bauer Headshot

Julia in Action - Schwitzkur im Heilstollen. Oder: Sauna ist ein Klacks dagegen.

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In einem engen, gelben Zug fahre ich tief in den Berg hinein. Mit jedem zurückgelegten Meter wird es spürbar wärmer; und schon nach rund zehn Minuten ist die Hitze im Bademantel kaum noch auszuhalten. Als wir nach einer starken Viertelstunde an unserem Ziel, der Zone I ankommen, habe ich bereits eine halbe Flasche Wasser getrunken. Und das ist erst der Anfang des Experiments „Heilstollen".

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Dieses führt mich ins österreichische Bad Gastein. Hier wurde einst tief im Berg nach Gold gegraben - und etwas viel besseres gefunden: Gesundheit. So wurden im Laufe der Zeit Geschichten übertragen, laut derer die Stollen-Arbeiter langfristig von dem Klima im Berg profitierten und dieser somit erforscht. Das Ergebnis:

Das weltweit einzigartige Radonklima im Heilstollen stimuliert laut Studien den körpereigenen Zellstoffwechsel. So werden Botenstoffe aktiviert und das Immunsystem angeregt. Konkret bedeutet das, dass freie Radikale, die schädliche Stoffwechselprodukte sind, unschädlich gemacht werden und der Reparaturmechanismus des Körpers angeregt wird. Vor allem bei Erkrankungen des Bewegungsapparates, der Atemwege und der Haut wird diese alternative Behandlung verschrieben. Die Erfolgsrate liegt laut Experten bei fast 90 Prozent. Auch Allergie-Patienten sollen hier durch regelmäßige Einfahrten in den Berg Linderung erfahren.

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Einer Bergeinfahrt geht immer ein kurzer Check-Up beim Arzt voraus. Im Stollen herrschen extreme Bedingungen, die man nur verträgt, wenn man beispielsweise weder Fieber noch Verdauungsprobleme hat. Ich bekomme also grünes Licht, soll noch einen halben Liter Wasser trinken, und steige ein.

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Im Damen-Bereich des Stollens angekommen, lege ich mich im Dunkeln auf eine der Liegen. Etwa eine halbe Stunde verharre ich hier bei zwischen 37 und 41,5 Grad Celsius und 70 bis 100 Prozent Luftfeuchtigkeit. Was sich einfach liest, ist jedoch alles andere als das. Ich schwitze wie noch nie zuvor, meine Allergie-Symptome verschlimmern sich für den Moment und anders als in der Sauna weiß ich, dass ich jetzt nicht einfach wieder gehen kann.

Regelmäßig erkundigt sich ein Mitarbeiter, ob es allen gut geht und ich sehne das Ende der etwa 30 Minuten langen Kureinheit herbei. Dieses kündigt sich durch die ratternde Ankunft des Zuges an und ich atme - so gut es eben im Stollen geht - auf.

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Auf der Rückfahrt blicke ich ausnahmslos in rote, müde Gesichter. Den anderen ist es also ähnlich ergangen. Doch je weiter wir aus dem Stollen ausfahren, desto besser bekomme ich wieder Luft. Es steigt das wohlige Gefühl in mir auf, dass ich hier viele Schadstoffe ausgeschwitzt habe. Und das soll auch so weitergehen: Noch einen kompletten weiteren Tag lang schwitzen die Besucher des Stollens oft nach.

Für einen langzeitigen Effekt ist ein einziger Aufenthalt sicherlich zu wenig. Dennoch habe ich den Eindruck, meinem Körper trotz aller Anstrengung etwas Gutes getan zu haben. Mit Wellness hat das allerdings nichts zu tun: Das hier ist wirklich eine Kur. Aber dafür liegt schließlich auch die Erfolgsquote bei circa 90 Prozent.

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TIPP: Die Hotels „Impulshotel Tirol" (http://www.hotel-tirol.at/de) und „Verwöhnhotel Bismarck" (http://www.hotel-bismarck.com) im unweit gelegenen Bad Hofgastein beherbergen gerne Kurgäste und stellen sich mit ihrer ganzheitlichen Küche auf sie ein. Auch Bäder im Radon-haltigen Wasser werden dort angeboten.

FOTOS: Anna Baach