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Julia in Action - Oldtimerfahren beim Solitude Revival. Oder: Im Dreirad für Erwachsene

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Foto: Studio Dino Eisele

Laute Motoren, allgegenwärtiger Benzingeruch und funkelnde Autos im strahlenden Sonnenschein: Oldtimer-Liebhaber kamen am Wochenende beim Rennsport-Festival Solitude Revival voll auf ihre Kosten. Auf einer 11,5 Kilometer langen abgesperrten Strecke zwischen Stuttgart und Leonberg zeigten 300 internationale Fahrer den rund 10.000 Zuschauern pro Tag ihre automobilen Schätze.

Ein Event mit langer Tradition: Bereits im Jahre 1903 fand in Baden-Württemberg ein Bergsprint für Motorräder vom Stuttgarter Westbahnhof zum Schloss Solitude statt. Ab 1922 durften auch Sport- und Rennwagen an der Attraktion teilnehmen, die mittlerweile ihren Startpunkt verlegt hatte. Nach und nach wurde das Rennen zu einem echten Publikumsmagnet: über 400.000 Besucher wurden zu Hochzeiten verzeichnet; rauschende Feste fanden rund um Rennsportlegenden wie Stirling Moss, Hans Herrmann, Jim Clark oder Graham Hill statt. Sie wurden als Helden bejubelt, ihre Fahrzeuge als Wunderwerke der Technik bestaunt. Kaum eine Marke oder ein Fahrer waren nicht auf der Solitude vertreten, bis hin zu den Grand Prix-Rennwagen der Formel 1. 1965 endete die Ära Solitude - zumindest bis zum Jahr 2001. Seitdem nimmt sich ein Verein der Wiederbelebung der Rennstrecke mit Oldtimerveranstaltungen an. So also auch in diesem Jahr.

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Foto: Anna Baach

Grund genug für mich als Automobilenthusiast an dem charmanten Corso teilzunehmen. Hans Hermann, Solitude-Sieger von 1956, hier nochmal auf der Strecke erleben zu dürfen, war dabei nur eines der zahlreichen Highlights vor Ort. „Julia in Action" stand am Samstag um 17 Uhr beim Corso Classico an: als krönender Tagesabschluss reihten sich hier über 100 Oldtimer ein, um sich dem winkenden Publikum am Rande der Rennstrecke zu präsentieren.

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Foto: Anna Baach

Säuberlich bringe ich also mit Simeon Schad, dem Besitzer des Morgan Threewheeler mit dem ich auf die Strecke ziehe, unsere Startnummer am Fahrzeug an. Wir reihen uns in die Startaufstellung ein, atmen den Benzingeruch des Vordermannes und dann geht's los.

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Auf 45 Kurven geht es auf der Strecke unter anderem am Leonberger Frauenkreuz und am Stuttgarter Mahdental an der Glemseckbrücke vorbei. Die Hindernisse sind bestens angezeigt, ich umkurve Strohballen gekonnt auch ohne Servolenkung und winke den Zuschauern und ehrenamtlichen Sreckenposten zu, die sich bis auf die Hausdächer am Streckenrand verteilt haben. Selten habe ich ein Publikum erlebt, das so viel positive Energie ausstrahlt, sich so mit den Fahrern freut.

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Das Dreirad selbst begeistert durch seinen unprätentiösen und dabei urigen Auftritt. Eingestiegen wird von oben, Türen wären bei der flachen Form auch überflüssig. Der Zündvorgang wird von den Briten auch gerne als „bomb release" bezeichnet: Schutzdeckelchen hoch und Start drücken.

Der Morgan Threewheeler hat seinen Ursprung round about zur selben Zeit wie das Solitude Rennen: Der ursprünglich 1909 konstruierte Wagen sollte eigentlich ein Motorrad werden. Doch dann entschied sich Henry Frederick Stanley Morgan um. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Threewheeler-Produktion im Familienbetrieb zwar fortgesetzt, Anfang 1953 lief sie jedoch nach 30.000 Exemplaren aus. Zum hundertsten Geburtstag des Urmodells wurde dann eine limitierte Auflage von 500 Stück nachproduziert und traditionell im englischen Malvern gefertigt. Morgan-typisch ist das Kraft/Gewichts Verhältnis durch konsequenten Leichtbau und eine "Verkleinerung" der Originalgröße.

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Kein Vergleich also zum Windschott-Cabriofahren von heute: Fahrer und Beifahrer bekommen hinter den kleinen Frontscheiben die warme Juliluft zu sprüren. Zusammen mit dem knatternden Motor originärer Genuss pur. Die zwei Runden können für mich gar nicht lange genug andauern - und das ist auch völlig legitim. Schließlich werden beim Solitude Revival keine Rennen mehr gefahren, sondern friedlich an die Rennsportzeiten des zwanzigsten Jahrhunderts erinnert.
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Foto: Studio Dino Eisele

TIPP: Wer Stuttgarts automobilen Flair ganzjährig erleben möchte, dem stehen nicht nur Porsche- und Mercedes Museum offen. Zudem befindet sich in der Region das weltweit einzigartige V8 Hotel, in dem man auch nachts nicht ohne Vierrad auskommen muss. Eindrücke der individuell gestalteten Themenzimmer finden Sie in der Bildergalerie.
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Das V8 Hotel - Automobile Traumwelt bei Stuttgart
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