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Julia Bauer Headshot

Julia in Action - mein erster Fallschirmsprung. Oder: Ein Geschenk mit Suchtfaktor

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Sie sind einfach weg; so als hätten sie es gar nicht erst in mein Gedächtnis geschafft: Die ersten drei Sekunden meines ersten Fallschirmsprungs. Einfach nicht mehr da. Und so kann ich mit Anfang dreißig sagen, auch endlich einen Blackout gehabt zu haben. Allerdings nicht durch übermäßigen Alkoholkonsum, sondern durch einen Salto rückwärts aus einem Flugzeug in 4.000 Metern Höhe.

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Was ich noch weiß ist, dass mir ganz schön mulmig ist, als Tandem-Master Steve mich durch die offene Tür unseres kleinen, aus Tansania stammenden Flugzeuges schiebt. Ich bin mit einem Gurtsystem an seinem Equipment festgeschnallt, sodass ich schon aus dem Flugzeug baumele, als er noch Schwung holt....und dann....fange ich wieder an zu denken, als wir waagerecht im freien Fall sind. Wow - was für eine Sicht über die Welt. Zugegeben, es ist nicht ganze Welt, sondern nur der Westerwald. Aber es fühlt sich viel,viel größer an. Ich bin kein Achterbahn-Kreischer, aber hier schreie ich vor Glück.

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Wer vor seinem ersten Tandemsprung Angst hat, stellt sich meistens vor, wie eine Rakete steil nach unten zu schießen. So ging es mir auch, als mein Freund mich mit der Einladung zum Sprung überraschte. Aber das tatsächliche Gefühl in der Horizontalen und mit durchgedrücktem Hohlkreuz durch den blauen Herbsthimmel zu sausen gleicht eher dem Fliegen: Schnell und doch gleitend, unendlich frei und doch überraschenderweise sicher. Vielleicht, weil ich durch Anzug, Mütze und Brille gut gegen den Wind geschützt bin. Oder weil der Kick einfach viel größer ist als die Furcht.

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Es dauert 55 Sekunden, bis Steve den Fallschirm zieht. Gefühlt sind wir noch nicht mal halb so lange unterwegs; eigentlich will ich mehr. Der Ruck ist kaum spürbar, und schon hängen wir wie Paraglider mit den Füßen nach unten in den Seilen und lachen. Wäre der Schirm nicht aufgegangen, hätten wir noch einen zweiten dabei gehabt. Und hätte Steve ihn nicht öffnen können, hätte ein Automat das auf einer bestimmten Höhe für uns übernommen. Doppelte Sicherungen also, die die Entscheidung zu springen ein wenig leichter gemacht haben.

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Während der letzten drei Minuten des Ereignisses bekomme ich eine kleine Einführung ins Gliden: Ich halte die Lenkseile in den Händen und ziehe sie abwechselnd links und rechts gen Kniehöhe. Ich brauche recht viel Kraft, aber schaffe es uns zu lenken. Wir entdecken mein Auto von oben und ich freue mich, kreisend drüber hinweg durch den Himmel du tanzen.

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Dann sprechen wir die Landesituation nochmals durch: Beine rechtwinklig von mir strecken und mit den Händen unter die Knie greifen. Es klappt auf anhieb, sodass Steve im Stehen aufkommen kann und ich schnell meine Füße auf den Boden bekomme. Die Landung auf dem mit Gras bedeckten Flugfeld ist perfekt und somit ist es Zeit, sich zu umarmen und ein letztes Foto zu schießen. Das Lachen spricht für sich: Diese Mischung aus Freiheit, Glück und Adrenalin kennt nur, wer auch schonmal gesprungen ist. Denn obwohl der anfänglich beschriebene Blackout nicht durch Alkohol verursacht wurde - Suchtgefahr besteht hier trotzdem.

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