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Julia Bauer Headshot

Julia in Action - Makrelenfischen. Oder: DIY vom Meer bis in die Küche.

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Die nordirische Kleinstadt Portrush liegt verschlafen am Rande des Meeres als wir aufbrechen. Kein Wunder - denn morgens um fünf sind hier fast nur die Fischer wach; bereit in den Tiefen des Meeres ihren Fang des Tages zu machen. Und genau dabei wollen meine Reisegruppe und ich heute teilhaben. Der frühe Tourist fängt die Makrele, sozusagen.

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Denn genau diese Fischsorte soll heute unser Frühstück werden. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. „Do it yourself" in Perfektion also. Und so verlassen wir mit unserem Fischkutter den Hafen, bekommen Kaffe und Tee serviert und genießen die Aussicht. Nach etwa einer Dreiviertelstunde und überdurchschnittlich viel frischer Luft für diese Uhrzeit stellt unser Kapitän die Maschinen ab. Jetzt heißt es: Dümpeln und Angeln auswerfen.

Diese haben einen Klick-Mechanismus, der bei der gewünschten Tiefe die Angelschnur feststellt. Ich spule etwa fünf, sechs Meter davon ab und beschließe, es auf diese Weise zu versuchen. Ohne große Hoffnung halte ich meine Angel in der Hand und beobachte die anderen Teilnehmer. Hätte ich wetten müssen - ich hätte gedacht, einer der Herren hat heute den ersten Fisch am Haken.

So schaue ich müde in die schöne Felslandschaft an der Küste als plötzlich...meine Angel zuckt. Obwohl ich noch nie gefischt habe, weiß ich sofort: Da hängt einer dran. Die Crew motiviert mich, aus meiner Schockstarre über den unerwarteten Erfolg zu erwachen und den Fisch per Winde nach oben zu ziehen. Tatsächlich: Eine Makrele. Dank der Ortungsgeräte an Bord war diese überraschend schnell gefunden.

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Nach und nach haben auch meine Fischerkameraden Erfolg und wir fangen circa zwanzig Exemplare. Die Möwen umkreisen unser Boot. Da aber glücklicherweise nur Makrelen gefangen werden, bleibt für die Vögel nicht viel übrig. Der nächste Schritt in Richtung Frühstück ist aber, das muss ich an dieser Stelle gestehen, doch nichts für mich. So überlasse ich den Herren an Bord den Vortritt beim filetieren. Nicht, weil mich ekelt, sondern eher, weil ich ein bisschen Mitleid empfinde. Klar, die Fische wurden sofort nach dem Fang fachgerecht getötet und ohne Entfernen von Gräten gibt es nun mal keine Filets. Und trotzdem möchte ich an diesem Prozess nicht teilhaben.

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Wie das dann aber doch so ist, freue ich mich, als ich den Eisbehälter voller Fischfilets in die Kombüse tragen darf. Naja - fast jedenfalls. Die Küche befindet sich nämlich nicht auf unserem Kutter, sondern in einem kleinen, am Strand von Portrush gelegenen Cafe. Dort lege ich mit den Köchen unseren Fang auf den Herd, wende ihn in Öl und Gewürzen und beobachte, wie die Fischfiles allmählich gräulich werden und lecker duften.

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Ein typisch irisches Rezept ist warmes Toastbrot mit Makrele, Ei und gerauchtem Pfeffer. Klingt deftig für ein Frühstück - nach drei Stunden Frischluft und Kochen aber genau das Richtige. Somit ist das Experiment DIY-Fishing erfolgreich geglückt. Und ich weiß nun, dass ich lieber Boot fahre und koche, anstatt zu angeln, weil ich keine Tiere töten mag. Als Nicht-Vegetarier vielleicht nicht konsequent genug. Aber es gibt ja noch genug andere Themen, denen ich mich widmen kann. Salat-Ernte hatten wir ja schon...

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Fotos by MM.