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Julia in Action - Ein Floßfahrt, die ist lustig. Oder: Mit 2 km/h zum Elch.

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Schon während meiner Schulzeit hat sich herausgestellt: So gut ich im Sport sein mag, so untalentiert bin ich, wenn es ans Basteln und Werken geht. Einige Kunst-Noten habe ich auch eher den Fähigkeiten meines Vaters zu verdanken - aber lassen wir das... Klar ist schnell: Mein Julia in Action Bericht aus dem schwedischen Värmland stellt eine ganz besondere Herausforderung dar. Es soll nämlich nicht nur auf einem Floß gefahren werden, nein, gemeinsam mit einigen Kolleginnen sollen wir uns dieses zunächst selber bauen. Auf also ins Abenteuer und nach Vildpark!

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Zum Glück weist uns die freundliche Ingmarie zuerst auf dem Trockenen in die Kunst des Handwerks ein. Wahrscheinlich hat sie mir die Skepsis gegenüber den eigenen Fähigkeiten angesehen und so greift sie mich auch prompt aus der Gruppe für ihre Demonstration heraus. Die ungewollte Aufmerksamkeit erweist sich aber als gar nicht so schlecht - unter dem leichten sozialen Druck lerne ich schnell, die einzelnen Baumstämme, aus denen das Floß nachher bestehen soll, mit einer festen Leine und vielen doppelten Halbschlägen zu verbinden. Wenn ich ehrlich bin, ist dies einfacher als gedacht. Und so dürfen wir den Bau auch schnell ins Wasser verlagern.

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Insgesamt benötigen wir für das Floß drei Schichten aus je 12 bis 15 Fichtenstämmen, plus einer Hand voll Stämme, aus denen wir dann unsere Sitzbänke bauen. Wenn man überlegt, mit wie viel Hightech heutige Sportboote und Yachten gefertigt werden, so überrascht es schon fast, wie simpel eine perfekt funktionierende Konstruktion aus Holz und einigen Metern Leine doch sein kann.

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Wir teilen uns in zwei Gruppen auf: Die eine, und dazu gehöre ich, bewegt die Fichtenstämme durch Tragen, Rollen und Schieben von ihren Stapeln zum Fluss, die andere baut sie im kniehohen Wasser zusammen. Es wird viel gelacht und gerufen, geknipst und gespritzt. Nach etwa zwei Stunden bestaunen wir unser fertiges Gefährt und können kaum glauben, dass wir dieses geschaffen haben.

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Ingmarie belohnt unseren Einsatz mit Schwimmwesten, Kaffe und einem gesunden Salat, den wir bei unserer etwa viertsündigen Floßfahrt mit 2 km/h verspeisen werden. Dass Schweden gerne Fika (also eine Kaffeepause) machen, war mir bereits bewusst. So viel Kaffee und Entschleunigung war aber selbst für unsere Mädelsgruppe neu, sodass wir unsere Reise das ein oder andere Mal unbeholfen unterbrechen, um ans Ufer zu gelangen und Platz für wieder neuen Kaffee zu schaffen. Outdoor pur.

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Nur selten müssen wir mit unseren Paddeln eingreifen, um die Kurven des mäandernden Flusses sauber zu durchsteuern. Doch wer nun denkt, der Einsatz sei getan, hat weit gefehlt. Denn wie früher, wenn man nach dem Spielen sein Zimmer aufräumen musste, so müssen wir nach unserer Ankunft an der Endstation unser Floß wieder selbst zerlegen. Die Stämme werden nämlich bis zu zehnmal wiederverwendet. Ein bisschen wehmütig zerstören wir also unser Werk (was übrigens sehr viel schneller ging als es zu fertigen) und blicken den ins Auffangbecken treibenden Einzelteilen hinterher. Wie ein Mandala ist also auch dieses Erlebnis vergänglich.

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Ein nicht zu kleiner Trost ist jedoch das folgende Highlight: Denn zu einem typischen Schwedenbesuch gehört ja auch ein echter Elch. Und so einen dürfen wir im nahe der Endstation gelegenen Värmland Moose Park selber füttern. Action, die in ihrer Gesamtheit für alle Altersklassen machbar ist - und dennoch auch Sportler ordentlich müde macht.

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Text - Julia Bauer
Fotos - Annika Müller