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Julia in Action - Bridgewalking. Oder: Über den Dächern Dänemarks

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Die Fotografie „Lunch atop a Skyscraper" von Charles C. Ebbets kennt jeder: 1932 entstanden, dokumentiert sie elf Bauarbeiter, die auf einem Stahlträger des Rockefeller Centers Mittagspause machen: 250 Meter über dem Boden. Die Aufnahme fasziniert wohl so sehr, da kaum jemand so lange in schwindelerregender Höhe auf Stahlträgern umher marschiert, um sich dort sicher genug für ein Päuschen zu fühlen.

Doch der Mensch wäre nicht der Mensch, wenn er nicht auch dieses Gefühl zum Freizeiterlebnis machen würde: In Neuseeland und Australien können Abenteuerlustige schon seit ein paar Jahren auf den Stahlträgern verschiedener Brücken umherwandern. Doch warum in die Ferne schweifen... seit 2015 gibt es dieses Erlebnis auch einmalig in Europa. Nämlich auf der dänischen Insel Fünen. Zeit also für einen Testlauf!

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Die in Middelfart gebaute Lillebælt Brücke führt auf 1.178 Metern Länge und bis zu 60 Metern Höhe übers Meer. Im Jahre 1935 eröffnet, dient sie nun seit über achtzig Jahren als Transportweg für Züge und Autos zwischen dem dänischen Festland nördlich von Deutschland und der Insel Fünen. Und die Stahlkonstruktion mit ihren über 2 Millionen Nieten soll nun auch unser Fussweg werden.

Guide Erik ist Rentner, spricht deutsch und begleitet Actionliebende schon seit der Geburtsstunde des Erlebnisses in die schwindelerregende Höhe. Mit väterlicher Fürsorge weist er uns in die Thematik ein, stattet uns mit kleinen Kopfhörern, einem Klettergurt und einem grauen Anzug aus. Letzterer soll dafür sorgen, dass die Fussgänger Ton in Ton erscheinen und auf der Brücke den unter ihnen durchrauschenden Verkehr nicht unnötig ablenken.

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Über eine Wendeltreppe aus Metall besteigen wir das Bauwerk, haken unseren Sicherungsgurt ein und ziehen los. Es ist windig, sodass Erik in ein Mikrofon spricht und wir ihn dank Kopfhörern gut verstehen können. Unser Weg führt über ein schmales Gitter, durch das man unentwegt den Meeresgrund betrachten kann. Wer Höhenangst hat, sollte also lieber unten bleiben. Ansonsten ist die größte Anstrengung nach dem Aufstieg geschafft und es gilt, die Aussicht beim gemütlichen Spaziergang zu genießen.

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Unter uns zieht eine Gruppe Wale vorbei, ein Fischer zieht einen Fisch in sein Boot und wir winken Seglern zu. Um das beschauliche Treiben zu betrachten, machen auch wir hin und wieder eine Pause und lauschen Eriks Geschichten über die Region. Zwar haben wir kein Lunchpaket dabei und sind zu keiner Zeit ungesichert; trotzdem fühlen wir uns ein bisschen so wagemutig wie die Bauarbeiter damals in New York. Vor allem, wenn unter uns ein Zug durchrauscht und die Brücke mehr als uns selbst zum zittern bringt.

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60 km/h sind auf der Brücke erlaubt, die auch auf dem 100 Kronen-Schein zu sehen ist.

Fotos: Bridgewalking / Fam. von Hollen

PS: Wer den Weg nach Fünen auf sich genommen hat, sollte die Gelegenheit nutzen, die Insel auch abseits des Bridgewalking zu erkunden. Ein paar Tipps dazu finden Sie in der Bildergalerie:

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Die Insel erlben - Reisetipps
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