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Was Liebe ist, und was nicht

28/07/2017 16:22 CEST | Aktualisiert 28/07/2017 17:05 CEST
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Was ist Liebe? Könnte man diese Frage so einfach beantworten, gäbe es nicht unzählige Bücher zu diesem Thema. In den meisten Beziehung wird erst am Ende klar, dass es eben keine Liebe war. Woran erkennt man die Liebe? Und woran nicht?

Sucht man nach einer Definition für die Liebe, spuckt das Internet eine Menge Informationen aus.

Liebe (über mhd. liep, „Gutes, Angenehmes, Wertes" von idg. *leubh- gern, lieb haben, begehren[1]) ist im Allgemeinen die Bezeichnung für die stärkste Zuneigung und Wertschätzung, die ein Mensch einem anderen entgegenzubringen in der Lage ist.

Aha, gut zu wissen, oder? Aber was ist Liebe? Trotz dieser schönen Worte, bleiben Fragen offen. "Stärkste Zuneigung"? Woher soll ich bitte wissen, wie stark meine Zuneigung sein kann? Es geht schließlich immer noch doller.

Über die Intensität eines Gefühls kann man Liebe also nicht definieren. Würde man das tun, interpretierte der ein oder andere vielleicht sogar schon ein verknallt sein als Liebe, die zwar wundervoll ist, aber nur im Ansatz etwas mit der Verbindung zwischen zwei Menschen zu tun hat, über die wir hier sprechen.

Ist Liebe körperliche Anziehung?

Liebe wird gerne als sexuelle Anziehung bezeichnet. Gerade in jungen Jahren kommt es oft vor, dass Pärchen "Ich liebe dich" zueinander sagen, nur weil sie sich körperlich zueinander hingezogen fühlen.

Auch in meiner Jugend wurde mir eine Liebeserklärung an den Kopf geknallt, obwohl ich mit dem Jungen damals gerade einmal wenige Tage zusammen war. Das erschien mir zu früh. Stünde Liebe in Korrelation mit sexueller Anziehung, wäre die Scheidungsrate wohl um einiges höher.

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Das körperliche Begehren verliert sich in Beziehungen mit der Zeit. Was für viele Paare einem Alarmzeichen gleichkommt, ist übrigens ganz normal.

Der Hormonhaushalt pegelt sich nach der ersten Verliebtheit innerhalb eines Jahres wieder ein und unser Körper stellt fest, dass unser Herzblatt zwar wunderschön ist, aber das körperliche Verlangen flacht ein wenig ab.

Verliebtheit erzeugt ein Ungleichgewicht im Hormonhaushalt

Wo wir schon beim nächsten Irrtum in puncto Liebe wären. Liebe ist nur die Verwirrung unseres Hormonhaushaltes. Ganz falsch ist das nicht, aber es stimmt nur in Teilen.

Hat sich ein Paar frisch kennengelernt, herrscht im Körper Ausnahmezustand. Die Konzentration geht gegen Null, die Gedanken sind nur bei der neuen Eroberung.

Das ist gut so! Denn es bewirkt, dass wir uns intensiv mit unserem Herzblatt beschäftigen. Nur so können wir erkennen, ob wir eine Person vor uns haben, mit der wir eine langfristige Beziehung eingehen wollen.

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Verliebtheit erzeugt dieses Ungleichgewicht unserer Hormone, legt sich aber schnell wieder. Ganz in den "Normalzustand" kommt unser Hormonhaushalt allerdings nicht, wenn wir uns in einer Beziehung befinden.

Das sogenannte Kuschelhormon Oxytocin wird bei körperlicher Nähe der Liebenden ausgeschüttet und bewirkt, dass wir uns nicht für andere potenzielle Partner interessieren. Es wird darum auch gerne "Treue-Hormon" genannt.

Mit genug Oxytocin im Blut steht einer lebenslangen Beziehung also nichts im Wege, oder? Nicht ganz. Denn in der Liebe können wir uns leider nicht darauf verlassen, dass unser Körper schon das Richtige tun wird.

Ihm im Weg ist nämlich der Kopf. Ja, der schleicht sich gerne dazwischen, dieser große runde Ball auf unseren Schultern. Orientieren wir uns nur an unseren Emotionen, würden wir uns innerhalb von wenigen Jahren von jedem Partner trennen.

Der Mensch ist nicht für Beziehungen geschaffen, die ein Leben lang halten

Unromantisch, aber in der Biologie zählt einzig und allein: Nachwuchs zeugen, großziehen und dann wieder von vorn, bestenfalls in einer neuen Gen-Kombination, ergo mit einem neuen Partner.

Hätten wir nicht unser wunderbar funktionierendes Gehirn, welches uns den freien Willen ermöglicht, wären alle Beziehungen zum Scheitern verurteilt.

Wille, das ist der Schlüssel zur Liebe. Liebe ist der Wille, einen Menschen an seiner Seite zu haben, für ihn da zu sein und dafür zu sorgen, dass es ihm gut geht. Das klingt banal, ist es auch. Aber es zeigt, dass Liebe keineswegs nur zwischen Mann und Frau existiert.

Sie ist überall. Zwischen Paaren, der Familie, den Freunden, sogar gegenüber Haustieren lässt sich Liebe empfinden. Wenn du dich einmal fragst, ob du liebst, dann frage dich, wie wichtig es dir ist, dass die auserwählte Person Glück empfindet.

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Da wir uns natürlich für jeden Menschen Glück wünschen, kommt noch ein zweiter Aspekt hinzu: Frage dich, ob du bereit bist dieser Person zu ihrem Glück zu verhelfen. Wunderst du dich, dass du nach dieser Definition die halbe Welt lieben würdest? Glückwunsch!

Denn so sollte es sein. Versuche den Begriff der Liebe von Partnerschaften zu trennen und schon lässt sie sich viel besser erklären.

Liebe ist die Bewunderung füreinander. Liebe ist der Stolz, den man empfindet, wenn die geliebte Person über sich hinaus wächst. Liebe ist ein unsichtbares Band, welches erst so richtig spürbar wird, wenn man daran zerrt. Egal wann, egal wo, und egal zwischen wem.

Dieser Text ist erstmals erschienen auf juleblogt.de

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