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Sind Sie auch in der blauen Phase? Die Lösung liegt in uns selbst

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SWIMMING
Rachel Lewis via Getty Images
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Als ich neulich in meinem Fitnesscenter wie gewohnt meine Bahnen schwimmen wollte, bemerkte ich, dass ich meine Schwimmbrille zu Hause vergessen hatte. Anstatt mich darüber aufzuregen, entschied ich, mal ohne Brille zu schwimmen.

Beim Brustschwimmen hebe ich nach jedem Zug den Kopf, die Augen loten automatisch die Distanz vom Körper zur Länge und Breite der Bahn aus und ermöglichen, dass ich geradeaus schwimme. Das mit Chlor angereicherte Wasser ließ aber nicht zu, dass ich die Augen öffnete, zu stark brannte das Chlor. So probierte ich es mit geschlossen Augen, quasi blind.

Eine mehr als lehrreiche Erfahrung, wie sich herausstellen sollte. Mein Blindflug-Schlingerkurs schubste mich nach wenigen Zügen an die Trennleinen, die das Becken in Bahnen einteilen.
Wie diese Herausforderung meistern?

Zuerst probierte ich einfach ein paar Mal drauflos. Das kann doch nicht so schwierig sein, dachte ich, kollidierte erneut mit der Plastikgrenze und berührte eine Schwimmerin in der Nachbarbahn, die erschrocken aufblickte.

Ich entschuldigte mich, hielt inne und beruhigte mich. Dann kitzelte mich folgende Idee: Nimm das Ende der Bahn ins Visier und schwimm ganz ruhig viel los, konzentriere Dich auf Deinen Körper und gleichzeitig auf das Ziel am Ende der Bahn. Gedacht, geschwommen, ich kam ungefähr bis zur Mitte. Schon ganz gut, meinte ich, richtete mich aus und legte wieder beherzt los. Drei Züge und wieder fast bei der Nachbarin gelandet. Usw.Usw.

Ich verrate jetzt schon das Ende vom Lied. Ohne Sicht und geradeaus zu schwimmen, gelang mir erst nach mehreren Versuchen. Ruhig atmend und geistig fokussiert auf die unsichtbare Linie, das Ziel vor meinem inneren Auge, konnte ich das „blinde" Schwimmen richtig genießen.
Die Erfahrung machte mich an diesem Montagmorgen ein bisschen glücklicher, ein guter Start in die Woche. Mehr noch, sie gab mir wichtige Hinweise darauf, wie ich herausfinden könnte, worum es denn in meiner neuen Lebensphase gehen könnte. Ich stecke nämlich mitten in der blauen Phase, das heißt, am Flughafen, beim Arbeiten, Aufwachen, Einkaufen oder im Schwimmbad taucht sie auf, die Frage: Sag mal, worum geht es hier eigentlich?

Ich hatte bis jetzt ein tolles und sehr bewegtes Leben, habe tausend Sachen an verschiedensten Orten der Welt ausprobiert, privat und beruflich. Habe fast immer meine kühnsten Träume realisieren können, Preise gewonnen, in Anerkennung gebadet. Und was jetzt?

Und, wie ich es schon oft erlebt habe, kommen meine Kunden mit denselben Fragen auf mich zu. In diesem Fall ein Unternehmer, dessen Organisation erfolgreich in die Jahre gekommen ist und jetzt neue Orientierung braucht.

Die Lösung liegt nicht im Schwimmbad, sondern in uns selbst. Vielleicht müssen wir einfach nur die uns aufgesetzten und oder selbst gewählten Brillen, mit denen wir die Welt sehen, einmal weglassen? Was würden wir dann sehen? Welche neuen Horizonte auftauchen?

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