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Vorschläge für eine Feminismusdebatte bei „Hart, aber fair"

06/09/2015 17:49 CEST | Aktualisiert 06/09/2016 11:12 CEST
dpa

„Nieder mit den Ampelmännchen" war der Titel der „Hart aber fair" Sendung vom 2. März diesen Jahres zum Thema Gleichberechtigung. Es gab viel Gegenwind. Selbst der WDR war unzufrieden, Rundfunkrat Dieter Horky sagte: „Es war eine schlechte Sendung, einfach misslungen."

Die Frauenbewegung zählt ohne Zweifel zu den größten Kulturrevolutionen der Menschheit. Frank Plasberg jedoch hatte das brisante Thema auf ein Ampelmännchen-Niveau reduziert und so die Anliegen der Frauen lächerlich gemacht.

Unzufriedenheit wurde nicht nur von Frauenverbänden geäußert, wie aus den Gästebucheintragungen zu ersehen ist. Auch Herr Kubicki, Teilnehmer der Diskussionsrunde, täte gut daran, Frauen politisch ernster zu nehmen, und sie nicht leichtfertig als Gender-Bewegte abzustempeln, die nerven. Es gibt heute viele Frauen, die sehr wohl merken, dass sie überall benachteiligt werden. Sie schweigen nicht mehr, auch wenn sie keine aktiven Feministinnen sind.

Alle Frauen heute, die wirtschaftliche Unabhängigkeit vom Mann wünschen, haben weit größere Sorgen, als die abgebildeten Figuren auf Verkehrsampeln Deshalb einige Vorschläge zu den brennendsten Themen:

1. Das neue Unterhaltsrecht: Die Versorgungsehe wurde aufgrund der hohen Lebenserwartung und der hohen Scheidungsraten abgeschafft, Vorrang beim Unterhalt haben die Kinder. Frauen heute sind nach einer Scheidung eigenverantwortlich für ihren Unterhalt, ob sofort, nach drei oder mehr Jahren bestimmt der Einzelfall.

2. Die wirtschaftliche Situation der Frauen heute: 25% der Frauen haben keinerlei Einkommen und sind voll vom Einkommen des Manns abhängig, 50 % arbeiten Teilzeit und können im Fall einer Scheidung nicht auf eigenen Füßen stehen. 70 % der Sozialhilfeempfänger sind Frauen. 80% der Frauen heute können von ihrer Rente nicht leben, weil sie Teilzeit gearbeitet haben oder unbezahlte Hausarbeit geleistet haben. Die Mehrheit der Frauen ist nicht fit für das neue Unterhaltsgesetz.

3. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Die Verantwortung für Kinder wird nach wie vor auf die Schultern der Frauen geladen. Ganztägige Kinderbetreuung in Kitas und Kindergärten ist unerlässlich, aber auch flächendeckend Ganztagsschulen zur Vermeidung der unzähligen Schlüsselkinder. Sollten die Länder das nicht schultern können, muss der Bund die Aufgabe übernehmen.

4. Die ungleiche Aufteilung der Familienarbeit: Die klassische Rollenverteilung in der Haus- und Familienarbeit hat sich als resistentes Hindernis auf dem Weg zur wahren Gleichstellung der Geschlechter erwiesen, sie verhindert, dass Frauen voll berufstätig sein können. Frauen, die verheiratet sein wollen, nehmen in Kauf, abends die zweite Schicht zu arbeiten. Natürlich unbezahlt. Frauen, die weiter Teilzeit arbeiten, tragen ein hohes Altersarmutsrisiko.

5. Die frauen- und familienfeindliche Arbeitswelt: Kinder sind für Frauen Karriere-Killer, Schwangere und Mütter für Unternehmen ein Wettbewerbsnachteil. Die Wiedereinstellung von Müttern nach der Babypause keineswegs immer eine Selbstverständlichkeit. Die Wirtschaft sollte nicht weiter auf kurzfristige Gewinnorientierung setzen, sie muss die Intelligenz der Frauen voll nutzen, denn sie ist weltweit das größte, unausgeschöpfte Potenzial der Menschheit heute.

Es gäbe noch unzählige Themen, sei es die Angst der Männer ihren Status und lang gehegte Privilegien zu verlieren, sei es die Kontrolle über die Frauen durch gleichen Lohn und gleiche Chancen einzubüßen. Herr Plasberg hat die Wahl.

Hoffen wir mit dem WDR Rundfunkrat Dieter Horky, dass die zweite Sendung zum Thema Gleichberechtigung der Geschlechter seriöser und vernünftiger wird.

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