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Generation Y: Zeit haben ist uncool

17/08/2015 16:10 CEST | Aktualisiert 17/08/2016 11:12 CEST
ullstein bild via Getty Images

Ich frage mich manchmal wie die Menschen sich verhalten würden, wenn materielle Güter unsere Existenz nicht dominieren würden. Nicht, dass ich Verfechter des Marxismus oder ähnlicher Ideologien wäre, aber ich bin nun mal auch kein Fan einer unauthentischen Robotergesellschaft.

Mit Robotergesellschaft spreche ich all diejenigen an, die sich zu ihrem eigenen Sklaven machen ohne es überhaupt zu merken. Wie ein Roboter eben, der nur funktionieren, aber sich nicht reflektieren kann.

Konsumieren, konsumieren und nochmals konsumieren

Masterabschluss mit 23, danach schnell neben dem ersten Job promovieren, gutes Geld machen und was dann? Konsumieren, konsumieren und nochmals konsumieren. Und was ist mit dem Rest der Dinge im Leben? Die werden ausgeblendet. Man freut sich nicht mehr über die frisch erblühte Tulpe im Garten, man arbeitet nur auf den neuen BMW in der Garage hin.

Mittlerweile gilt es sogar als „uncool" Zeit zu haben für freizeitliche Aktivitäten. „Hast du mal wieder Lust auf einen Campingausflug?" Die Antwort lautet: „Für sowas habe ich ja gar keine Zeit", solche und ähnliche Sprüche höre ich immer öfter von Kommilitonen und Freunden.

Dabei sind die meisten absolute Prototypen der Single-Hauptstadt Berlin. Dazu gehören dann natürlich auch Privilegien wie angenehme Vorlesungszeiten und höchstens ein bis zwei Tage Nebenjob in der Woche.

Das war es dann aber auch schon mit den Verpflichtungen. Exzessives Nachtleben und sonstige Vergnügungen des Studentenlebens gelten als selbstverständlicher Stundenplan ausser curriculumarer Aktivitäten.

„Zeit haben"

Letzteres hat nichts mit „Zeit haben" zu tun, sondern gehört bei den meisten wie die Nahrungsaufnahme zum Leben dazu. Wie könnte man auch nur ein Stückchen auf das eigene Vergnügungen verzichten?

Alles darüber hinaus wird jedoch als lästig empfunden, dafür bleibt keine Zeit mehr. Die Uhr tickt, man will karrieretechnisch vorankommen und auch noch das Leben genießen - aber bitte nur für den eigenen Nutzen. Der Blick für das Leben in seiner ganzen Fülle geht verloren.

Ab und an taucht aber noch die seltene Spezies derer jungen Leute auf, die den wahren Verpflichtungen ins Auge schauen müssen und sich weniger schonen. Diese werden von der hedonistischen Generation Y nur mitleidig belächelt und ungläubig gefragt wie sie es überhaupt mit einem Kind, einem Teilzeit- bzw.

Das Ende der eigenen Freiheit

Vollzeitjob und einer Beziehung schaffen könnten zu überleben. Da bleibe ja keine Zeit mehr für einen selber, man muss sich auf einmal um andere Dinge oder sogar Menschen kümmern. Das wäre fatal. Das Ende der eigenen Freiheit.

Dabei hat man doch angeblich selbst keine Zeit, weil man so sehr mit sich selbst und der Geldmacherei beschäftigt ist. Man kann regelrecht von einem Fetisch der Rastlosigkeit sprechen. Ein Paradoxon unserer Zeit.

Irgendetwas läuft hier falsch. Werden wir immer egoistischer oder sind die heutigen Anforderungen an die jungen Erwachsenen so utopisch, dass es gar nicht anders geht als einen Hang zum Hedonismus zu entwickeln?

Hedonismus als Ausgleich zum hohen Stress

Der Hedonismus als Ausgleich zum hohen Stress. Es ist jedoch erschreckend zu sehen, wie wir den Blick für das Leben außerhalb des Erfolgs in der Karriere und des Hedonismus verlieren.

Was ist mit den Wochenendtrips in der Natur, der Freude über die kleinen Dinge im Leben? Wir haben nur noch Zeit für uns selbst. Zeit haben ist uncool geworden. Noch uncooler sind jedoch mehr solcher Roboter.


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