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4 Folgen von Depressionen, ├╝ber die kaum jemand spricht

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DEPRESSION
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Da ich seit ungef├Ąhr f├╝nf Jahren selbst immer wieder unter schweren und lang anhaltenden depressiven Phasen leide, kenne ich mich mittlerweile mit der Krankheit ziemlich gut aus.

Das Aufkl├Ąrungsmaterial ├╝ber Depressionen, das man im Internet findet, konzentriert sich meist in erster Linie auf die klassischen Symptome, an denen man die Krankheit erkennen kann. ├ťber die Auswirkungen und Symptome von Depressionen, mit denen Betroffene meiner Meinung nach jedoch am meisten zu k├Ąmpfen haben, findet man hingegen sehr viel weniger Informationen.

Diese vier Auswirkungen von Depressionen finde ich pers├Ânlich besonders schlimm:

1. Identit├Ątsverlust

Depressionen sind eine grausame Krankheit, die dazu f├╝hren kann, dass man komplett das Gef├╝hl f├╝r sich selbst verliert.

Dieser Verlust der Selbstwahrnehmung kann sich auf unterschiedliche Weise ├Ąu├čern und wird f├╝r gew├Âhnlich durch eine Kombination aus verschiedenen Faktoren ausgel├Âst.

Zum Beispiel dass man sich in der Arbeit krank melden muss, dass man seinen Job irgendwann ganz verliert, dass man sich selbst isoliert, weil man es nicht mehr schafft, an gesellschaftlichen Ereignissen teilzunehmen, dass man an starken ├ängsten leidet, dass man Menschen von sich st├Â├čt und vieles mehr.

Ô×Ę Mehr zum Thema: "Fr├╝her war er ein ganz normaler Junge" - was es bedeutet, sein Kind an Depressionen zu verlieren

Ich erlitt einen kompletten Identit├Ątsverlust, als ich nicht mehr richtig arbeiten konnte und schlie├člich meine Stelle ganz verlor. Da mir die Motivation und die Kraft fehlte, um mich mit anderen Menschen zu umgeben, kapselte ich mich immer mehr ab. Ich wollte mich nicht mit meinen Freunden oder meiner Familie treffen, weil ich glaubte, dass ich ihre Liebe nicht verdient hatte.

Irgendwann wurden ├ängste wurden so unertr├Ąglich, dass ich es kaum mehr schaffte, aus dem Haus zu gehen. Als ich in der psychiatrischen Klinik war, konnte ich nicht einmal mehr mein Zimmer verlassen. Ich hatte ├╝berhaupt keine Ahnung mehr, wer ich eigentlich war.

Der fr├Âhliche, extrovertierte, lustige und liebevolle Mensch, der ich fr├╝her einmal war, war komplett verschwunden. Und diese neue Version von mir selbst war kein besonders guter Ersatz.

2. Der Einfluss der Krankheit auf Beziehungen

Niemand bereitet einen darauf vor, welchen enormen Einfluss Depressionen auf die Beziehungen von Betroffenen haben k├Ânnen. Beziehungen leiden darunter, dass manche Partner ihre Rolle wechseln und vom Liebhaber zum Pfleger werden.

Kein einziger der Betroffenen mit mittelschweren bis schweren Depressionen, die ich bisher kennengelernt habe, hat noch genauso oft Sex mit seinem Partner wie vor dem Ausbruch der Krankheit. Diese "Durststrecken" k├Ânnen Wochen oder sogar Monate andauern, und nat├╝rlich wirken sie sich negativ auf die Beziehung von Paaren aus, die seit mehreren Jahren zusammen sind und fr├╝her einmal ein gesundes Sexleben hatten.

Es kann passieren, dass das Gef├╝hl von Vertrautheit und die gegenseitige Anziehung komplett verschwinden und dass es sich irgendwann fast so anf├╝hlt, als h├Ątte es diese Liebe nie gegeben. Ich kann zwar nicht f├╝r andere sprechen, doch ich vermute, dass dahinter im schlimmsten Fall sehr viel aufgestaute Frustration und Wut stecken.

Trotz allen ├ťbeln k├Ânnen Depressionen jedoch auch dazu f├╝hren, dass Paare sich noch n├Ąher kommen und dass ihre Verbindung sogar noch st├Ąrker wird.

3. Schuldgef├╝hle

Es gibt nicht besonders viel Literatur dar├╝ber, dass depressive Menschen h├Ąufig mit Schuldgef├╝hlen zu k├Ąmpfen haben. Und obwohl man sich wegen der Krankheit nicht sch├Ąmen oder schuldig f├╝hlen muss, leiden dennoch viele Betroffene unter Schuldgef├╝hlen. Es bringt nichts, diese Tatsache einfach zu ignorieren.

Ich hatte vor dem Ausbruch meiner Depressionen noch nie so starke Schuldgef├╝hle wie jetzt. Diese Schuldgef├╝hle lie├čen meinen Selbsthass ins Unermessliche steigen. Ich hatte unter anderem ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht zur Arbeit ging, weil ich auf Sozialleistungen angewiesen war, weil ich meinen Aufgaben im Haushalt nicht ordentlich nachkam, weil ich keine langen Spazierg├Ąnge mit meinen Hunden machte, weil ich kein Interesse mehr an Sex hatte, weil ich daf├╝r verantwortlich war, dass meine Angeh├Ârigen traurig waren und sich Sorgen machten - wie das nun eben mal so ist, wenn man einen Menschen mit Depressionen liebt.

Ô×Ę Mehr zum Thema: 12 Dinge, die du wissen musst, wenn du einen Menschen mit Depressionen liebst

Ich f├╝hlte mich schuldig, weil ich immer nur im Bett lag, weil ich mich nur einmal pro Woche duschte, weil ich nicht in die Kirche ging, weil ich nichts mit Freunden unternahm, weil ich mich nicht mehr als Ehrenamtliche bet├Ątigte und weil ich kein Essen mehr kochte.

Und wenn ich ehrlich bin, hatte ich auch ein schlechtes Gewissen, dass ich ├╝berhaupt am Leben war und dass andere mir deshalb dabei zusehen mussten, wie ich meine Pers├Ânlichkeit immer mehr verlor.

4. Frustration

Zum Gl├╝ck haben die anhaltende Liebe und Unterst├╝tzung meines Partners, meiner Freunde und meiner Familie mich gerettet. In meiner Zeit im Krankenhaus war ich kurz davor, die Kontrolle ├╝ber meine Seele und meinen K├Ârper komplett zu verlieren.

Doch ohne die Zwangseinweisung in die Klinik w├Ąre ich jetzt nicht mehr am Leben. Nach und nach wurde ich wieder zu einem normalen Menschen. Ich a├č und trank wieder richtig, meine Medikamente wurden umgestellt und ich hatte regelm├Ą├čig Termine beim Besch├Ąftigungstherapeuten der Station.

Nach einem langen station├Ąren Aufenthalt durfte ich endlich wieder nach Hause zu meinem wunderbaren Lebensgef├Ąhrten und zu meinen s├╝├čen Hunden. Leider erholt man sich von Depressionen nicht einfach so von heute auf morgen. Und da meine Depressionen besonders schlimm waren, musste ich mich erst einmal wieder an grundlegende Dinge gew├Âhnen und mein Durchhalteverm├Âgen ganz neu aufbauen.

Es ist keine ├ťbertreibung, wenn ich sage, dass es mir bereits unglaublich schwer fiel, einfach nur eine Dose Hundefutter aufzumachen. Meine St├Ąrke nach und nach wieder aufbauen zu m├╝ssen, war f├╝r mich einer der frustrierendsten Prozesse, die ich jemals durchgemacht habe.

Und auch heute noch k├Ąmpfe ich manchmal mit v├Âllig allt├Ąglichen Dingen, obwohl ich bereits vor mehr als einem halben Jahr aus dem Krankenhaus entlassen worden bin. Es f├Ąllt mir noch immer schwer zu kochen, aufzur├Ąumen, mich um mich selbst zu k├╝mmern, Sport zu machen, mich mit anderen Menschen zu treffen oder etwas zu unternehmen.

Und dass es f├╝r mich beispielsweise bereits eine Herausforderung ist, einen Topf abzusp├╝len, ist unglaublich nervig. Warum kann ich diese Aufgabe nicht einfach erledigen, so wie alle anderen auch? Ich gehe ja noch nicht einmal arbeiten, denn mir fehlt noch immer die Kraft dazu, wieder damit anzufangen.

Ô×Ę Mehr zum Thema: Niemand versteht, dass du diese 7 Dinge wegen deiner Depression tust

Sich von einer schweren depressiven Phase zu erholen ist ein langer, anstrengender und frustrierender Prozess. Ich bin jedoch fest davon ├╝berzeugt, dass er es absolut wert ist.

Dies sind Probleme, mit denen ich mich auseinandersetzen musste. Man darf dabei jedoch nicht vergessen, dass jeder von uns einzigartig ist und dass wir v├Âllig unterschiedlich mit den Symptomen und Herausforderungen dieser Krankheit umgehen.

W├Ąhrend manche Leser mir vielleicht zustimmen, nehmen wieder andere ihre Depression ganz anders wahr als ich. Doch egal, in welcher Phase deiner Krankheit du dich auch gerade befindest, solltest du nie vergessen, dass es immer Hoffnung gibt und dass es dir irgendwann auch wieder besser gehen wird. Mach weiter und gib nicht auf.

Wenn du nach Hilfe f├╝r dich oder f├╝r einen deiner Angeh├Ârigen suchst, besuche unsere Website mit Infos zur Verhinderung von Selbstmorden.

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Dieser Blog erschien urspr├╝nglich bei The Mighty, einer Plattform f├╝r Menschen, die unter Krankheiten, Behinderungen und mentalen St├Ârungen leiden, und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen ├╝bersetzt.

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(lk)