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Wir brauchen keine Laptopklassen und keine Smartphones in der Schule

16/11/2016 19:04 CET | Aktualisiert 17/11/2017 11:12 CET
Portland Press Herald via Getty Images

Es ist die selbstverständliche Aufgabe von Schulen, junge Menschen zur Medienmündigkeit zu erziehen. In den weiterführenden Schulen sollte es deshalb das Fach Informatik geben.

Aktuell fordert der Beirat "Junge Digitale Wirtschaft" (BJDW) beim Bundeswirtschaftsministerium die Planung und Etablierung eines verpflichtenden Schulfaches "Digitalkunde", "Informatik" beziehungsweise "Computing" als grundsätzliche Einführung in die digitale Welt an der Grundschule, da jeder mit dem Thema "Digitalisierung" in Berührung kommen werde.

Ich lehne diesen Vorschlag ab. Die Einführung eines solchen Faches bereits in der Grundschule ist zu früh. Es reicht, wenn die digitales Lernen in vernünftigem Umfang in den weiterführenden Schulen stattfindet. Vor allem aber muss sie noch mehr in den Berufsschulen Einzug halten können.

Ein Handy ist kein sinnvolles Unterrichtsmittel

Zum einen gibt es dort junge Menschen am Rande zum Erwachsenenalter, die bereits eine gewisse Medienerfahrung vorweisen können. Zum anderen wird in vielen Fächern eine berufliche Affinität zu Digitalisierung und den neuen Medien verlangt.

In jedem Fall müssen Kinder und Jugendliche zur Medienmündigkeit erzogen werden. Dazu gehört auch, dass sie wissen, wie sie mit ihren Smartphones vernünftig und wie sie mit Informationen kritisch umgehen.

Medienmündigkeit bedeutet deshalb auch, dass sie klassische mediale Alternativen nahegebracht bekommen. Das ist die Aufgabe aller Unterrichtsfächer. Eine besondere Aufgabe ist die gezielte Förderung der Lesefähigkeit. Diese ist Voraussetzung dafür, dass digitalen Medien überhaupt sinnvoll genutzt werden können.

Allerdings ist ein Handy kein sinnvolles durchgängiges Unterrichtsmittel - egal in welcher Klassenstufe.

Wir brauchen keine Laptopklassen

Man sollte es nicht übertreiben: Mir ist weltweit keine einzige Studie bekannt, die bestätigt, dass mit Laptops oder Smartphones der Unterricht in irgendeiner Hinsicht besser wird und größere Lernerfolge erzielt worden sind.

Ich teile die Einschätzung des vermeintlichen Bedarfs nach sogenannten Laptopklassen nicht. Ebenso teile ich die Euphorie nicht, dass sich dadurch im Unterricht irgendetwas verbessern würde.

Denn Smartphones reduzieren Recherche auf eine Häppchensuche. Ich möchte, dass die Jugend auch Printmedien und Bücher liest. Nur so können junge Leute einen ganzheitlichen Eindruck bekommen. Die Schule muss zu einem Gegenbild der aktuellen Entwicklung werden, wo man sich nur noch selektive Informationen beschafft.

Wir dürfen den herkömmlichen Unterricht nicht vernachlässigen

Unterricht bedeutet auch zwischenmenschliche Kommunikation. Diese wird über digitale Wege erheblich eingeschränkt.

Letztendlich wünsche ich mir, dass unsere Schulen nicht nur Millionen für die Digitalisierung, sondern ebenso viel Geld für die Einrichtung ordentlicher Schulbibliotheken ausgeben. Deren Zustand ist zur Zeit in vielen Fällen schlicht miserabel.

Bereits mit einem Bruchteil der Mittel für die Digitalisierung von Schulen - von der bislang vor allem die Computerindustrie profitiert hat - könnte man eine Menge tun, um die Situation der Schulbibliotheken zu verbessern.

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Bei der momentanen Euphorie für Digitalisierung sollten wir aufpassen, dass wir die klassischen Medien und den herkömmlichen, erfolgreichen Unterricht nicht vernachlässigen.

Die "Gesellschaft für Bildung und Wissen" hat erst kürzlich eine Stellungnahme mit den Unterschriften von über 1000 Professoren, Pädagogen, Psychologen und Ärzten veröffentlicht, die der Digitalisierung im Unterricht mit Skepsis gegenübersteht.

Mit meiner Position stehe ich also nicht alleine da.

(lp)