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Die Bildungs-Ruine: Das deutsche Schulsystem ist ein einziger Trümmerhaufen

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Norbert Michalke via Getty Images
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Das hier ist keine Gebrauchsanleitung für die Zerstörung eines ehemals weltweit angesehenen Bildungswesens, sondern eine - bisweilen grimmige - Untersuchung der Trümmer und Ruinen, die deutsche Bildungspolitik und deutsche Bildungswissenschaften hinterlassen haben:

Trümmer und Ruinen, die man mittels Reformen hinterlassen hat...

Deutschlands Bildungsdebatten und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen haben sich schlicht und einfach zwischen Pisa und Bologna festgefahren. Das gilt zum einen für viele der Pisa-Kapitäne. Diese verkünden unbeeindruckt die Einheits- und Gesamtschule.

Ihre Destinationen lauten: Mit dem deutschen "Pisa-Ergebnis" sei zugunsten eines gerechten Schulsystems endlich der Jüngste Tag für das gegliederte, begabungs- und leistungsorientierte Schulwesen angebrochen.

Die andere Cockpit-Vereinigung ist die der Bologna-Crew. An wunderbaren Destinationen fehlt es auch hier nicht: Bologna samt Bachelor, Master, Workloads und Credit Points schaffe endlich Effizienz, Mobilität, Modularisierung, Kompatibilität, Praxistauglichkeit, Employability und eine gewaltige Steigerung der Akademikerquote.

Bildungsexperimente, die krachend scheitern

Die Folge ist eine Politik wider besseres Wissen und wider jede Vernunft. Da können Bildungsexperimente, die immer zugleich Experimente an Schutzbefohlenen sind, noch so krachend scheitern, sie werden dennoch durchgezogen oder - wie etwa im Fall der Gesamtschule mit ihrer durchschlagenden Erfolglosigkeit - in neuem Gewand unter dem Etikett Gemeinschaftsschule präsentiert.

Damit und mit kuriosen Lehrplanreformen kann man ein Schulwesen innerhalb einer einzigen Legislaturperiode, in diesem Fall innerhalb von fünf Jahren, an die Wand fahren. Baden-Württembergs grün-rote Regierung hat dies von 2011 bis 2016 vorexerziert.

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Das Ländle, das seit Jahren und Jahrzehnten bei allen Leistungsstudien immer zu den vier besten unter Deutschlands sechzehn Ländern gehörte, ist in kürzester Zeit vom Musterschüler zum Problemfall geworden.

Zum Beispiel ist Baden- Württemberg bei Ländervergleich des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) bei den neunten Klassen von 2010 bis 2015, dem Zeitpunkt des Tests, von einem Spitzenplatz auf Platz 12 im Lesen und Platz 14 beim Zuhören gefallen.

Hier scheint zu gelten, was Peter Sloterdijk feststellte: Macht ist das Vermögen, die Tatsachen in die Flucht zu schlagen.

Zwei seiner großen Vorgänger hätten es kaum anders gesagt:

"Denn so ist der Mensch! Ein Glaubenssatz könnte ihm tausendfach widerlegt sein - gesetzt, er hätte ihn nötig, so würde er ihn immer wieder für wahr halten" - Friedrich Nietzsche

Oder:

"Was dem Herzen widerstrebt, lässt der Kopf nicht ein" - Arthur Schopenhauer

Mit solchem Bildungs-Verständnis aber stolpern unsere ewig-morgigen bildungspolitischen Schlaumeier in die stets gleichen Fallgruben.

Die fünf Fallgruben

Eine Falle ist die Egalitäts-Falle. Das ist die Ideologie, dass alle Menschen, Strukturen, Werte, Inhalte, ja sogar alle Geschlechter, von denen es ja nicht nur zwei, sondern bis zu sechzig geben soll, gleich bzw. gleich gültig seien.

Das ist auch die Ideologie, dass es keine verschiedenen Schulformen, keine verschiedenen Begabungen, keine verschiedenen Fächer sowie keine bestimmten Werte geben dürfe. Eine zweite Falle ist die Hybris-Falle.

Das ist der aus dem Marxismus (Der neue Mensch wird gemacht) und dem Behaviorismus (Der neue Mensch ist konditionierbar!) abgeleitete Wahn, jeder könne total gesteuert und zu allem begabt werden.

Eine dritte Falle ist die Falle der Spaß-, Erleichterungs- und Gefälligkeitspädagogik. Diese tut - angestrengt und sehr bemüht - so, als ob Schule immer nur cool sein könne und ja alles tun müsse, dass sich Kinder doch ja nicht langweilen müssten.

Eine vierte Falle ist die Quoten-Falle. Das ist die planwirtschaftliche Vermessenheit, es müssten möglichst alle das Abitur-Zeugnis bekommen und es dürften möglichst wenig oder gar keine Schüler sitzenbleiben. Dabei müsste doch eigentlich klar sein: Wenn alle Abitur haben, hat keiner mehr Abitur!

Und schließlich fünftens die Beschleunigungs-Falle. Das ist die Vision, man könne mit einer immer noch früheren Einschulung in immer weniger Schuljahren und mit immer weniger Unterrichtsstunden zu besser gebildeten jungen Leuten und zu einer gigantisch gesteigerten Abiturienten- und Akademikerquote kommen.

Fünf Fallgruben sind das - je nach Land in Deutschland unterschiedlich intensiv ausgeprägt! In diesen fünf Fallgruben drohen Individualität, Leistung, Anstrengungsbereitschaft, natürliche Reifung und Qualität zu versinken.

Die Verlierer sind Schüler und Studenten

So wird seit Jahrzehnten - verschärft seit dem groß inszenierten Pisa-Schock - drauflos re- und deformiert. Reformen über Reformen werden in den Sand gesetzt, ohne Produkthaftung von Seiten derjenigen, die all dies inszeniert haben. Dass die allermeisten Reformen eben gerade denen schaden, denen sie zugutekommen sollten, nämlich den sozial Schwächsten, wird verdrängt.

Die Kinder aus gutem Hause bekommen die Verirrungen der Schulpolitik durch elterliches Zutun kompensiert.

Mehr zum Thema: Studie belegt gravierende Ungleichheit im deutschen Schulsystem

Die Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern aber bleiben in ihren restringierten Codes, in ihren Herkunftsmilieus eingekerkert.

Das gilt für die Einheitsschule gleichermaßen wie für neue Formen eines Unterrichts, in dem der Lehrer nur noch den Moderator spielt.

Dazu kommt noch die Infantilisierung progressiver Pädagogik durch Psychologisierung. Für die Psychologie und ihr Image ist dies nicht gut, denn vieles von dem, was an Psychologischem in die Pädagogik hereingenommen wird, ist triviale Alltagspsychologie und damit Banalisierung von Psychologie.

Mehr zum Thema: Bestens bezahlt und schlecht ausgebildet - die deutschen Lehrer werden zum Problem

Alle Pädagogik soll offenbar vom zerbrechlichen Kind, dessen permanenter Traumatisierbarkeit, dessen Gegenwartsperspektive und dessen unmittelbaren Bedürfnisse her gedacht werden.

Dem Schüler soll bloß nichts zugemutet werden, es könnte ja frustriert, demotiviert, ja traumatisiert werden. Dass man Kinder damit in einer Käseglocke und in einer ewigen Gegenwart einschließt und ihnen die Zukunft raubt, scheint nicht zu zählen.

Statt ihnen ein bisschen etwas zuzumuten, weil man ihnen ja eigentlich mehr zutrauen kann, werden unsere Kinder von einem Teil der Eltern - von den "Helikoptereltern" - rundum gepampert.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch "Wie man eine Bildungsnation an die Wand führt - und was Eltern jetzt wissen müssen" von Josef Kraus. Es erschien im Herbig Verlag.

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