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Die Wahrheit über Andys Dad aus Toy Story wird Sie deprimieren

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PIXARANDYDAD
Pixar

Na gut, hier ist die Geschichte von Andys Dad:

Vor ein paar Monaten habe ich die Theorie aufgestellt, dass Andys Mutter in Wahrheit Emily ist - das Mädchen, das die ursprüngliche Besitzerin von Jessie in Toy Story 2 war. Der Artikel ging schnell viral, da viele Leute darüber diskutierten, ob die Theorie zutreffend sei oder nicht, ob hinter den Hinweisen eine Absicht stecke usw.

Seitdem haben mich hunderte, wenn nicht sogar tausende Menschen gefragt, was mit Andys Dad geschehen sei und ich wollte diese Frage aus ein paar einleuchtenden Gründen nie beantworten:

1. Die Antwort ist deprimierend.
2. Die Antwort ist deprimierend.
3. Die Antwort ist deprimierend.

Ich liebe es, Theorien über Andys Mutter aufzustellen und darüber, dass alle Pixar-Filme eine Verbindung haben, weil es Spaß macht darüber nachzudenken. Aber Andys Vater? Das ist... na ja, ihr wisst schon.

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Aber ich verstehe natürlich, dass viele es trotzdem wissen wollen und es ist eigentlich auch gar nicht so kompliziert zu erklären. Ich kann sogar sagen, dass ich vollkommen überzeugt bin, dass dies eine der wenigen Theorien über Toy Story ist, bei denen ich absolut sicher bin, dass alles damit Zusammenhängende bewusst eingebaut wurde.

Ursprünglich wurde die Theorie von Jess Nevins aufgestellt, einem unglaublich talentierten Autor, der seine Sicht auf Mr. Davis 2010 veröffentlicht hat. Ich werde seine Theorie erläutern und mit meinen eigenen Einsichten darauf aufbauen.

Nevins behauptete, dass Andys Eltern während des ersten Toy-Story-Films mitten in der Scheidung steckten. Das haben sich viele von euch wahrscheinlich schon gedacht, es ist schließlich ziemlich offensichtlich - der wichtigste Punkt ist allerdings, dass es keine einvernehmliche Scheidung ist. Andys Vater hat seine Familie verlassen und dafür gibt es sehr viele Beweise.

Ruft euch in Erinnerung, dass Andys Dad in keinem der Toy-Story-Filme jemals auch nur erwähnt wird, geschweige denn zu sehen ist. Wenn wir nicht alle ein gewisses Grundwissen über Biologie und Fortpflanzung hätten, könnten wir annehmen, dass der Typ gar nicht existiert. Aber das tut er und alles weist darauf hin, dass er seine Frau und Kinder sitzengelassen hat.

Die offensichtlichen Hinweise

Es kann sein, dass er unmittelbar vor dem ersten Toy Story-Film gegangen ist oder schon Monate zuvor, aber eins ist glasklar: Andys Vater ist nicht gestorben. Wenn er gestorben wäre, wieso hängen dann im Haus der Davis keine Bilder von ihm an der Wand?

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Wie ihr auf diesem Screenshot aus Toy Story sehen könnt, ist Andys Dad auf keinem der Familienfotos zu sehen. Wäre er gestorben, sollte man doch davon ausgehen können, dass wenigstens ein Bild von ihm dort hinge, um sein Andenken zu wahren.

Natürlich kann man argumentieren, dass er vielleicht vor langer Zeit gestorben ist und seine Familie ihn daher schon vergessen hat. Aber wenn das der Fall wäre, wieso ist dann Molly (Andys kleine Schwester) noch ein Baby? Um ihre Existenz zu erklären, müsste er vor recht kurzer Zeit gestorben sein.

Es ist daher logischer anzunehmen, dass sein Bild nicht an der Wand hängt, weil er etwas Abscheuliches getan hat.

Ein weiteres Argument für diese Behauptung ist, dass Andys Mutter im ersten Film ohne Ehering zu sehen ist. Wäre er kürzlich verstorben, würde sie ihn vermutlich noch tragen.

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Ich gebe zu, dass man, wenn man wirklich will, viele unterhaltsame Theorien entwickeln könnte, um all dies zu erklären, zum Beispiel, dass ein anderer Mann Mollys Vater ist und dass dies eventuell der Grund für die Scheidung ist. Man könnte argumentieren, dass die Kinder adoptiert sind oder Andys Mutter einfach viele Männer hat.

Aber meint ihr nicht, dass die Schöpfer von Toy Story dies hätten deutlich machen wollen? Daher ist in diesem Fall die einfachste Erklärung auch die wahrscheinlichste.

Immerhin zieht die Familie in Toy Story von einem größeren in ein deutlich kleineres Haus, was ein Anzeichen dafür ist, dass Andys Mutter in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Wenn sie und Mr. Davis sich scheiden lassen, muss er immerhin Unterhalt für die Kinder zahlen, aber die Familie muss sich trotzdem einschränken.

Oh! Und die Familie legt sich einen Welpen zu, was so ziemlich DAS Klischee für alleinerziehende Mütter ist.

Kindischer Konkurrenzkampf

Die Nietenvater-Theorie erklärt auch, wieso Andy so eine enge Beziehung zu seinen Spielzeugen hat, vor allem zu den Vorzeigemännern Woody und Buzz (die als Sheriff und Space-Ranger beide Vorbilder mit Autorität sind).

Was ein kleinliches Gerangel um Andys Zuneigung zu sein scheint, ist in Wirklichkeit eine Allegorie, die sich in Andys Phantasie abspielt. Die Versöhnung und letztendliche Freundschaft der beiden steht symbolisch dafür, dass Andy sich damit abfindet, dass er nur mit seiner Mutter aufwächst.

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Woody ist die alte Vaterfigur, die für Andys Wurzeln steht, wohingegen Buzz die neue Zukunft repräsentiert, an die Andy sich noch gewöhnen muss. Es ist kein Wunder, dass Andy eine emotionale Achterbahnfahrt durchlebt, da er in kürzester Zeit sowohl in ein neues Haus umziehen als sich auch damit abfinden muss, dass sein Vater nicht mehr bei ihnen lebt.

Wenn ihr Fans meiner Theorie über die Pixar Filme oder meiner Pixar-Detektivgeschichte seid, ist es für euch vielleicht genauso unterhaltsam wie für mich, dies so zu interpretieren, dass Woody und Buzz im Prinzip dafür „programmiert" sind, Andy glücklich zu machen.

Sie bemerken vielleicht sogar, dass er zwischen seinem alten und seinem neuen, aufgezwungenen Leben hin- und hergerissen ist - wodurch Woody ganz besessen von der Aufgabe ist, eine Verbindung zu Andys altem Leben aufrecht zu halten, wohingegen Buzz, die Zukunft ist, die einfach auf Andy zukommt, ohne dass es ihm bewusst ist.

Der rote Faden

Dies erklärt schließlich, wieso Andy sich so in seine Spielzeugwelt vertieft und es ist auch ein Thema, das Disney nicht fremd ist. In vielen Disney- und Pixar-Filmen wachsen die Hauptcharaktere mit nur einem oder sogar ohne beide Elternteile auf.

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Dazu gehören Filme wie Oben (Russells Vater hat ihn verlassen), Rapunzel - Neu verföhnt (Rapunzel wird von einer bösen, falschen Mutter aufgezogen und Flynn ist ein Waise), Die Eiskönigin - Völlig unverfroren (beide Elternteile sterben), Das große Krabbeln (Dot und Atta haben nur ihre Mutter), Küss den Frosch (ihr Vater stirbt sehr früh), Aladdin (Jasmines Mutter wird nie erwähnt und Aladdins Vater ist bis zum dritten Film entfremdet) und so könnte ich immer weiter und weiter machen.

Die einfache Erklärung hierfür ist, dass viele Menschen eine schwierige Kindheit hatten und aus zerbrochenen Familien kommen, und dass dieses Thema daher sowohl in Film als auch Literatur behandelt wird, seit es zerbrochene Familien gibt. Es sollte darum keine Überraschung sein, dass ein lustiger Film wie Toy Story eine traurige Grundlage hat und, ich wage es kaum zu sagen, auf Realitäten basiert.

Außerdem werden in Filmen und Fernsehserien selten beide Elternteile gezeigt, um alleinerziehende Eltern, die mit ihren Kindern ins Kino gehen, nicht zu verschrecken. Autsch, der ging mitten ins Herz.

Das sagen die Schöpfer des Toy-Story-Universums darüber

Wenn man den Regisseur von Toy Story, Lee Unkrich, direkt darauf anspricht, gibt er ausweichende und schwammige Antworten. Mary Pols sprach mit Unkrich für ihren Artikel „Toy Story 3 and the Triumph of a Single Mother" persönlich und erfuhr so seine Sicht der Dinge:
„Diese Frage wird oft gestellt, aber es gibt keine konkrete Antwort darauf. Wir wollen gar nicht geheimnisvoll tun, aber es war für die Geschichte bisher einfach noch nicht wichtig.

Es war einfach schon immer so. Wir haben schon früh die Entscheidung für ‚Toy Story' getroffen, dass der Vater abwesend sein würde. Wir haben es nie direkt angesprochen und auch nie eine Erklärung für seine Abwesenheit abgegeben."

Unkrichs Eltern ließen sich scheiden, als er 10 Jahre alt war und er wuchs Berichten zufolge für einige Zeit nur mit seiner Mutter auf (Unkrich ist auf dem Bild unten zu sehen).

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Auf Quora behauptet Craig Good (einer der Trickzeichner von Toy Story), dass die Entscheidung, Andys Vater aus der Geschichte auszuschließen, getroffen wurde, weil es zu der Zeit sehr schwierig und teuer war, Menschen zu rendern und da er für die Geschichte sowieso unwichtig war.

Das bedeutet aber nicht, dass sie nicht ein paar Hinweise auf ihn eingestreut hätten und darauf, dass er eine Niete ist. Dies ist auch die einfachste Erklärung dafür, wieso er in Wahrheit irrelevant für die Geschichte und die Charaktere ist, die sich ohne ihn weiterentwickelt haben.

Außer für Buzz Lightyear natürlich, denn sogar er hat in Toy Story 2 einen Vater...

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Zusammenfassung:

Also, kurz und knapp zusammengefasst: Es ist sehr wahrscheinlich, dass Andys Vater seine Familie verlassen hat, was Andys Mutter zu der Entscheidung veranlasste, in ein kleineres Haus umzuziehen, um Geld zu sparen und die schmerzhaften Erinnerungen hinter sich zu lassen. Sie hat alle Fotos von ihm entfernt, ebenso wie ihren Ehering, er wird außerdem nie erwähnt und ist nie zu sehen, nicht einmal auf den Fotos von Andys Schulabschluss.

Es ist traurig und irgendwie deprimierend, aber letztendlich nicht entscheidend für die Geschichte, in der es im Endeffekt um einen Jungen und seine Spielzeuge geht, die lebendig werden und um seine Zuneigung und Vorstellungskraft konkurrieren.

Jon Negroni schreibt auf jonnegroni.com, wo auch dieser Artikel zuerst erschienen ist.

Alle Abbildungen mit freundlicher Genehmigung von Disney/Pixar.