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Film: "The Voice of the Voiceless"

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Das ist schon einige Male passiert: Ich sitze in einem Kaffeehaus. Eine junge Person nähert sich, legt ein Kärtchen und ein kleines Stofftier auf meinen Tisch und entfernt sich wieder. Halbherzig schaue ich auf das Kärtchen, auf dem so was wie „gehörlos, Ausbildung, Spende" steht. Nach einigen Minuten ist die Person wieder da und schaut mich mit fragenden Augen an. "Nein danke", sage ich.

Vor Kurzem habe ich den Film The Voice of the Voiceless gesehen, der genau von diesem Thema handelt.

Olga erhält ein Stipendium für den Besuch einer Schule für Gehörlose in New York, ohne zu wissen, dass ein brutaler Verbrecherring dahinter steckt. So reist sie aus ihrer Heimat, einem zentralamerikanischen Land, in die Vereinigten Staaten, wo sie mit anderen Jugendlichen vom Flughafen abgeholt und in ein Haus gebracht wird. Ihre Habseligkeiten werden abgenommen und auch gleich Klartext gesprochen: Ab jetzt muss sie in den U-Bahnen der Stadt solche Kärtchen verteilen und betteln. Sollte sie abhauen, wird ihre Familie umgebracht.
Bringt sie am Abend weniger als 100 Dollar nach Hause, gibt es Elektroschock-Behandlungen. Und auch sonst geht man mit den jungen Menschen leider alles andere als gut um ...

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Eine wahre Begebenheit in den 90er Jahren, bei der eine Familie in Queens verhaftet wurde, weil sie Jugendliche wie Sklaven gehalten und zum Betteln gezwungen hatte, inspirierte den U.S.-amerikanischen Filmemacher Maximón Monihan zu seinem Debütfilm. Der Film wurde bereits vor fünf Jahren gedreht, hatte seine Weltpremiere aber erst im Oktober dieses Jahres beim Mumbai Film Festival.

"The Voice of the Voiceless" hat keine Dialoge, umso wichtiger ist die Tongestaltung im Film. Wir nehmen die Umgebung und die Geräusche so wahr, wie Gehörlose es tun. Wir spüren das Vibrieren der U-Bahn-Schienen, hören das Herz des Mädchens klopfen, wenn es Angst hat.

Laufend sehen wir die gleichen Szenen: Das Mädchen wird in der Früh grob aus dem Schlaf gerissen, geht arbeiten, kommt am Abend zurück in ihr Gefängnis, liefert das Geld ab, nimmt eine karge Mahlzeit ein, geht ins Bett, küsst ihr Kruzifix, schließt die Augen. Am nächsten Tag der gleiche Ablauf, immer wieder, immer wieder, bis sich der trostlose Alltag dieser Menschen in die Köpfe der Zuseher eingebrannt hat.

Olga lebt zwar in der isolierten U-Bahn-Welt, doch bricht sie manchmal aus, um Dinge zu tun, die Mädchen eben so tun; Schaufensterbummel machen, die Stadt erkunden, in eine Imbissstube gehen. Und genau diese Szenen sind es, die dem Film neben der brutalen Realität Charme verleihen.

"The Voice of the Voiceless" ist ein unbequemer wie interessanter Film mit einem einzigartigen Stil und einer grandiosen Hauptdarstellerin, der mich dazu gebracht hat, meine Einstellung zu gewissen Dingen zu überdenken.