Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Johannes Lenz Headshot

Warum wir uns von den Blogger Relations verabschieden sollten.

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Blogger sind in aller Munde. Sie schreiben auf eigenen Blogs und in Sozialen Netzwerken für sich selbst, für Unternehmen oder für Medien und Verlage. Blogger schreiben kostenlos und/oder gegen Honorar. Blogger haben oftmals keine journalistische Ausbildung, sind aber trotzdem Meinungsführer und werden oft und viel gelesen. Blogger haben persönlich/berufliche Netzwerke, von welchen sie getragen werden und die sie kontinuierlich ausbauen. Blogger sind Multiplikatoren mit einer Stimme, die mitunter deutlich im Social Web und darüber hinaus zu vernehmen ist.

Unternehmen wollen ihrer immer häufiger „habhaft" werden. Sie wollen mit Bloggern in Kontakt treten und umgekehrt. Gemeinsam will man überlegen, ob und wie Marke und Produkte mit Bloggern und ihren Vorstellungen zusammenpassen. Eine Kooperation kann von ProduktTests bis hin zu Testimonials reichen, von Sponsored-Posts bis zur Bannerwerbung im Blog.

Unternehmen wollen Beziehungen zu Bloggern herstellen oder neudeutsch ausgedrückt Blogger Relations betreiben. Eine gute Sache, die in Zukunft hoffentlich weitere Professionalisierung auf beiden Seiten erfährt.

Die Frage, die sich mir in diesem Zusammenhang immer häufiger stellt: Ist der Begriff der Blogger-Relations noch zeitgemäß oder sollte man ihn mit dem Begriff Influencer-Relations nicht neudefinieren?

These 1: Es geht um Beziehungen zwischen Menschen und deren Glaubwürdigkeit

Wenn ich als Unternehmen Social-Media-Kommunikation betreibe, will ich, dass meine Botschaft erhört wird. Im Idealfall sollten die Empfänger meiner Zielgruppe entsprechen. Zudem kann ich als Marketing-Entscheider auf eine darüber hinausgehende Wahrnehmung meiner Marke setzen. Und spätestens hier kommen Multiplikatoren oder sogenannte Heavy-User mit großer Reichweite und aktivem Netzwerk ins Spiel.

Diese können kurz- und langfristig für Unternehmen von Vorteil sein, da sie in ihren Netzwerken in dem Moment als Markenbotschafter auftreten, in welchen sie von ihren Erfahrungen mit einer Marke berichten. Marken leben durch Menschen, die für sie stehen. Einerseits sind dies die Mitarbeiter, die die Produkte herstellen. Andererseits sind es die Kunden und Interessierten, die die Produkte lieben, ausprobieren, weiterempfehlen usw. Letzteres hat viel mit Persönlichkeit zu tun, sowohl unternehmensseitig als auch auf Seiten der Influencer. Denn: wer keine Glaubwürdigkeit besitzt, dessen Botschaft wird nicht erhört.

Wenn Sascha Pallenberg (Blogger & Tech- und Mobilegeek) ein Hands-On-Video von einer Neuerscheinung macht, dann bekomme ich das mit. Saschas Art und Weise, sein Enthusiasmus sowie seine Persönlichkeit und fachliche Kompetenz, mit der er das Gerät „rezensiert", ist eindeutig. Würde ich Sascha nicht kennen, würde ich mich über ihn informieren und spätestens da wäre klar: eine gute Quelle oder eben nicht. Ist ersteres der Fall, ist es durchaus wahrscheinlich, dass ich seinen Beitrag weiterempfehle.

Genau das ist es, was sich Unternehmen, dessen Produkte er testet, erhoffen. Das Zirkulieren des persönlichen und glaubwürdigen Eindrucks im entsprechenden Netzwerk und möglicherweise darüber hinaus.

These 2: Bloggen ist mehr als WordPress & Co.

Ich sehe schon, wie einige Leser jetzt aufbegehren werden... Aber ich will es wenigstens erklären dürfen. Wenn ich sehe, was Robert Scoble (weltweit bekanntester Blogger Tech- und Mobilegeek), Robert Basic (einer der bekanntesten Blogger und Geeks in Deutschland) oder Mirko Lange (Blogger und PR Berater) auf Facebook, Google+ oder anstellen, könnte ich schlicht fragen: Wozu braucht es da noch ein Blog?

Sie beherrschen virtuos die verschiedenen Plattformen und nutzen diese als Influencer, um über sie mit ihren Netzwerken zu kommunizieren. Hier könnten Unternehmen aktiv werden. Denn: Reichweite, Persönlichkeit, mögliche Viralität usw. scheinen hier gewährleistet.

Diese Influencer von sich zu überzeugen, ist mindestens genauso sehr die Aufgabe von Marken und Unternehmen, wie die guten alten Blogger Relations zu betreiben. Die Art und Weise mag neu erscheinen, aber letztlich unterscheidet sie sich kaum von der der Blogger Relations.

Diese wiederum werden in der Regel auf „WordPress" Blogger reduziert: „Und, hat er ein eigenes, reichweitenstarkes Blog?", heißt es dann oft. Auch wenn die drei oben alle über ein solches verfügen, ist dass doch in diesem Zusammenhang nicht das Wichtigste oder? Zumindest sollte es nicht zu dieser verengten Sichtweise kommen, sondern man sollte interdisziplinär denken.

Als Unternehmen sollte mir daran gelegen sein, eben auch Influencer zu erreichen, die ihre Botschaften nicht primär auf Blogs niederschreiben, sondern immer häufiger auf den Social Media Plattformen wie Facebook, Google+ & Co.

Sicherlich, es kommt darauf an, welche Strategie, welche Ziele und welche Zielgruppen mit einer lnfluencer-Kampagne oder langfristig mit der Etablierung von Influencer Relations beabsichtigt werden. Eines wird aber mit Sicherheit dazugehören: Steigerung der Brand Awareness beziehungsweise der Markenwahrnehmung.

These 3: Es geht um mehr als nur die „Plattform-Denke"

Oft stehen die Plattformen, ob WordPress (für Blogs), Facebook, Google+, YouTube, Instagram, Twitter usw. im Vordergrund der Betrachtung. Und die Strategie bleibt scheinbar auf der Strecke. Dies scheint sich (hoffentlich) nach und nach zu ändern.

Ein gutes Beispiel hierfür ist Facebook. Hat das Social Network selbst lange Zeit den „Blick auf die Fanzahlen" befördert, in dem man einen Nutzerrekord nach dem anderen verlautbaren ließ, geht es inzwischen darum, die Nutzerschaft zu konsolidieren und zu stabiler bis steigender Nutzungsdauer zu animieren.

Und Blogger Relations? Sie sind ebenfalls schon alleine von der Bedeutung her zuerst auf Blogs gepolt. Dabei wird WordPress und das selbstgehostete Blog als die ultima ratio für alle, Unternehmen wie Privatnutzer, aufgrund der damit einhergehenden Unabhängigkeit postuliert. Alleine dieses Argument zeigt die plattformgetriebene Denkweise, die uns letztlich nicht vorwärts bringt.

Ausblick: Vernetztes Denken und Handeln nicht nur predigen

Die drei Thesen unterstreichen meine Überlegungen, Blogger Relations gedanklich wie auch begrifflich in die „Wüste" zu schicken und künftig mit Influencer Relations neu zu definieren und weiterzuentwickeln.

Eine Neudefinition schließt niemanden aus, sondern verbindet Influencer wie Blogger, Facebooker oder Google Plusser unter einem übergreifenden und verständlichen Begriffsgebäude.

Sollten wir uns nicht langsam von einem engstirnigen Begriff verabschieden, mit welchem zudem viele Entscheider ein Annäherungsproblem haben? Sollten wir nicht der Realität ins Auge blicken? Sollten wir nicht nach vorne schauen, uns Gedanken machen über die Zukunft, statt altbekanntes ständig neu aufzuwärmen?

Ich plädiere für das Neue und freue mich auf Euer Feedback!