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Blogger Relations: Das Mercedes-Benz / AMG Bloghouse

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Neulich bekam ich einen Anruf. Ob ich nicht Lust und Interesse hätte, an einem eintägigen Blogger-Event von Mercedes-Benz teilzunehmen. Neben Fahrzeug-Tests rund um die Motorenmanufaktur der Performance Marke AMG sollte auch ein Blick darauf gerichtet werden, wie man künftig mit Bloggern noch effizienter zusammenarbeiten könne.

Blogger Relations Mercedes Benz AMG Bloghouse

Bildquelle: eigene Aufnahme via Flickr, AMG Lounge

Auch wenn ich ein bekennender Freund der blau-weißen Konkurrenz bin, so eine Gelegenheit lässt man sich nicht entgehen, vor allem dann nicht, wenn man sich privat wie beruflich für Blogger Relations interessiert.

Blogger Relations sind bei Mercedes-Benz quicklebendig

Ich bin kein Auto-, Lifestyle-, Design- oder Fashionblogger. Warum war ich, der für eine führende Social Media Agentur bloggt, also auf diesem Car-Blogger-Event im Ländle? Ganz einfach, weil ich neugierig darauf war, wie eine weltweit renommierte und bekannte Automobilmarke mit Bloggern umgeht, ihnen gegenüber tritt und den Kontakt zu ihnen pflegt.

Nachdem ich vor kurzem an dieser Stelle ja dafür plädierte, den Begriff Blogger Relations durch den der Influencer Relations abzulösen, konnte ich mich letzte Woche davon überzeugen, dass er nach wie vor quicklebendig ist und eine Ablösung zumindest im Falle von Daimler und speziell Mercedes-Benz keine Sinn macht.

Man arbeitet an vielen Stellen im Konzern mit Influencern zusammen, weshalb ein solch breiter Begriff (er steht für Journalisten, Blogger, Instagrammer, Facbeooker etc.), wie mir mehrfach bestätigt wurde, eher zur Verwirrung beitragen würde, was etwa Zuständigkeiten und Prozesse betrifft. Insofern behält der Begriff Blogger Relations dort seine Griffigkeit und Wertschätzung und was viel wichtiger ist: er wird gelebt!

Mercedes-Benz und Blogger: Organisation, Faszination und Persönlichkeit sowie Gleichberechtigung

In puncto Organisation verlief der Tag reibungslos. Zu keiner Zeit herrschte Zeitdruck trotz oder gerade wegen des umfangreichen Programms, dass die Verantwortlichen zusammengestellt hatten.

Von „Benztown" ging es in einem E63 AMG S zum Motorenwerk unterhalb des Lembergs. Wohlgemerkt: Ohne Begleitung durch einen Mitarbeiter.

Selbstredend vernahm man die rund 600 PS schon im städtischen Stop&Go. Es ist ein permanentes Röhren, das die Blogger, mit denen ich unterwegs war, einmütig als vulgär quittierten. Sie müssen es als Fachmänner ja wissen, dachte ich mir. Aber hey, alles eine Frage des persönlichen Geschmacks.

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Bildquelle: eigene Aufnahme via Flickr, E63 AMG S

Eindrucksvoll war für mich als Laien neben der Schnelligkeit das Distronic Plus Collision System, welches wir auch ausprobierten. Fährt man zu dicht auf seinen Vordermann auf, bremst das Auto automatisch ab und das Lenkrad erzittert. Beides soll dazu beitragen, die Konzentration des Fahrers zu erhöhen sowie ihn und mögliche Insassen vor einem Auffahrunfall zu bewahren.

Danach waren wir im Motorenwerk, hatten dort sowie im Showroom eine Führung, die so wahrscheinlich niemand bekommt, da wir fast jeden Winkel durchkämmen und fotografieren konnten und jede Menge Fragen stellten. Im Anschluss wurde das Mittagessen mit Testfahrten und der Gelegenheit zum Bloggen verarbeitet.

Der Tag wurde abgerundet von einer offenen Diskussionsrunde über Blogger Relations, einem gemeinsamen Abendessen sowie einer nächtlichen Führung durch das Mercedes-Benz Museum. Nach so einem Tag schläft man gut, wie Ihr Euch denken könnt. Am nächsten Morgen wurden wir per Shuttle-Service zum HBF bzw. Airport gebracht.

Faszination und Persönlichkeit der Marke Mercedes-Benz / AMG

Was Huldigungen auf Mercedes-Benz betrifft, bin ich ja als BMW-Freund eher unverdächtig. Aber so einen Tag in den heiligen Hallen des "Sterns" mit seinen schnellen Autos und den offenen Mitarbeitern sollte man mal erlebt haben, zumal, wenn es auch noch in und um Benztown ist und ein solches Programm umfasst.

Man spürt einmal mehr die Verbundenheit der Marke mit der Region. Die Mitarbeiter sind stolz auf das, was sie tun. „Wir können alles außer Hochdeutsch", das bedeutet eben auch, pfeilschnelle Premium-Fahrzeuge zu produzieren und wenn es sein muss, auf dem Land und nicht in der Großstadt.

Jeder Mitarbeiter bei AMG in der Fertigung des Motorenwerks, der die 8 und 12 Zylinder final zusammenbaut, findet sich irgendwann mit seinem Namen auf einem fertigen Motor wieder. Und am Eingang zur Werkshalle findet sich eine Tafel mit den aktuellen Mitarbeiternamen.

Blogger Relations: Das Mercedes-Benz / AMG Bloghouse

Bildquelle: eigene Aufnahme via Flickr, AMG Motorenmanufaktur

Oder wer kann schon von sich behaupten, einer von weltweit zwei Technikern zu sein, der Motoren für Raritäten wie Pagani-Sportwagen zusammenbauen kann? Also, was könnte den Antrieb der Mitarbeiter und Spirit der Marke besser zeigen, als dieser Stolz?

Gleichberechtigung von Bloggern und Journalisten ist bei Mercedes Realität

Der Event wäre mit allem drum und dran so auch für Journalisten durchgezogen worden, auch was etwa die Anreise und Unterbringung betrifft oder aber die (Hintergrund-) Informationen zu den Modellen.

Damit wird klar, das für Mercedes-Benz Blogger den gleichen Status wie Journalisten besitzen. Die Marke weiß um die digitale Bedeutung von Bloggern für ihre Sichtbarkeit und Strahlkraft bei den (künftigen) Kunden und Fans.

Das wurde auch bei der Diskussionsrunde deutlich, auf die ich sehr gespannt war. Sie sollte vor allem dazu beitragen, dass sich Markenverantwortliche und Blogger untereinander austauschen und die Planung für 2014 besprechen.

Die Zusammenarbeit mit Bloggern soll auf ein nächstes Level gehoben werden. Im Zentrum werden Content-Kooperationen (auch Netzwerke) stehen, die durchaus plattformübergreifend bei Mercedes-Benz gespielt werden können. Hier kommt es vor allem auch auf den kreativen Input der Blogger an. Zentral zusammengefasst wird dieser und weiterer Content beispielsweise auf Social Publish, einer Plattform, die per Feeds die Markenumgebung in verschiedensten Arten von Content abbildet.

Weitere Themen des Gedankenaustausches waren etwa Erlös- und Monetarisierungmodelle für Blogger, denn man darf nicht vergessen: Oftmals schreiben sie hauptberuflich und leben davon. Somit wären Finanzierungsmodelle via Werbung oder eben Content interessant.

Beispiele, wie Content Kooperationen aussehen könnten, zeigen jüngste Projekte wie etwa die Instagram-Shootouts auf der letzten IAA oder das Inszenieren des CLA mit der "Take the Wheel"-Competition.

Wer Ideen und Input für Content-Produktionen dieser Art oder anders liefert und diese dann auch gemeinsam umgesetzt werden, kann davon auf verschiedene Weise profitieren (Sichtbarkeit auf den Mercedes Benz Social Media Channels, Projekt mit führender Automobilmarke, möglicherweise Anschlussprojekte, Honorar usw.).

Zudem sind aus Markensicht Blogger für die umfassende und über die eigenen Kanäle der Marke hinausgehende Content-Produktion relevant, denn neben dem eigenen Blog wird oftmals auch eine Zweit- oder Drittverwertung in Blogs, Magazinen oder Zeitungen angestrebt.

Die so oft im Social Web geforderte Gleichberechtigung von Journalisten und Bloggern, hier ist sie längst Realität und das konzern- und bereichsübergreifend.

Fazit

Das waren und sind Blogger Relations auf hohem Niveau. Soweit ich gehört habe, sind sie zudem Benchmark für die Branche, sowohl was die Durchführung als auch was die Möglichkeiten des einzelnen Bloggers betrifft.

Und mit letzterem meine ich nicht nur die Fragen, die man stellen darf oder exklusive Informationen sowie Testfahrten, sondern auch die Möglichkeiten, eigene Ideen einzubringen und zu realisieren, wenn sie passen.

Dies wird von einer Konzern- und Markenkommunikation untermauert, die gegenüber den Bloggern online wie offline klar und zielorientiert ist. Zugleich ist sie durch eine Offenheit der Verantwortlichen gekennzeichnet, die mich sehr überrascht hat. Überrascht auch deshalb, weil sich damit andere Marken sehr schwer tun, egal ob sie in der gleichen Liga spielen oder nicht.

Blogger Relations sind vor allem eines: Beziehungen zwischen Menschen. Das wurde an diesem Tag einmal mehr deutlich.

Impressionen zum Mercedes Benz / AMG Blog House findet Ihr auch bei Flickr. Weitere Beiträge dazu finden sich auch bei Don Dahlmann und Jens Stratmann.