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Die Digitalisierung ist eine große Chance für uns Künstler

21/11/2017 17:50 CET | Aktualisiert 21/11/2017 17:50 CET
Peter Nicholls / Reuters

Ich wuchs in einer ländlichen Gegend im Süden der Vereinigten Staaten auf. Dort wird Kunst kulturell anders bewertet als in den großen Städten.

In der Region, aus der ich stamme, waren Künstler überwiegend Außenseiter und das beeinflusst immer noch meine Haltung gegenüber der Verwendung von Kunst.

Mein frühester Kontakt mit Kunst entstand durch die verbreiteten Medienformate, wie Fernsehen, Filme und Bücher - eben alle zugänglichen Massenmedien.

Mein erster engerer Kontakt mit geschichtlich bedeutenden Kunstobjekten kam viel später, in den öffentlichen Museen von New York und Louisville (Kentucky). Ich bin dankbar für die Philanthropie, die solche Einrichtungen zugänglich machten aber es ist leider eine Pilgerreise notwendig, um sie zu besuchen.

Leuten auf der ganzen Welt ist Kunst heutzutage weitreichend über das Internet zugänglich und das Web ist selbst eine Plattform für künstlerisches Schaffen.

Der Datenverkehr ist groß aber mit dessen Erweiterung laufen wir natürlich auch Gefahr das Signal im Lärm zu verlieren. Wir brauchen stärkere Signale - das ist eine Möglichkeit für Künstler. Wer diese Signale sendet und wie sie zu bewerten sind, ist dann eine Frage der Politik.

Migration - ein roter Faden in der Geschichte

Migration ruft auf allen Seiten gemeinsame Gefühle hervor. Ich denke, wir erkennen alle, dass der Zeitgeist Besorgnis ist. Abstrakt gedacht, ist Migration ein roter Faden durch die Geschichte.

Natürlich dient diese Erkenntnis den unmittelbaren Interessen von niemanden aber ich denke, dass sie trotzdem ein Weg sein könnte, um zu verhindern, dass sich die Geschichte wiederholt.

Mehr zum Thema: Federico Solmi: "Kunst zu erschaffen, heißt für mich zurückzuschlagen"

Aus diesem Grund zieht es mich immer wieder zu Theodore Gericaults Schiffbruchszene "Das Floß der Medusa".

Die Ikonografie des Gemäldes ist eine Kristalisierung von ängstlicher Energie. Auf dem Spektrum bewegt es sich zwischen Hoffnung und Verzweiflung. All dies ist heute absolut relevant.

Kunst und die Medien

Es ist wichtig, den Mechanismus hinter der Medienpropaganda zu erkennen, damit die Ansichten besser verstanden werden können, die da vertreten werden. Das gilt für alle Medien.

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Ich ganz konkret bin nicht unbedingt daran interessiert, tagespolitische Kunst als Stellungnahme zu schaffen.

Ich denke jedoch, damit wir nicht das Werkzeug der Meinungen anderer werden, sollten wir versuchen, Situationen näher zu analysieren, langsamer zu werden und zuzuhören sowie Empathie zu zeigen und eigenständig zu handeln.

Johannes DeYoung arbeitet vorrangig auf den Gebieten experimentelle Computeranimation, Bewegtbild und Printmedien.

Aktuell lehrt er Animationskurse und Bewegtbildproduktion an der Yale University School of Art, wo er als Senior Critic und Leiter des Center for Collaborative Arts and Media fungiert, sowie an der Yale School of Drama, wo er im Fach Design unterrichtet.

Auf der B3 ist er mit seiner mit der (Weltpremiere) der Videoproduktion "Raft" zu sehen.

Die B3 des bewegten Bildes war noch nie so politisch. Flucht, Vertreibung, Zukunftsangst, Ausgrenzung, Populismus - scheinen in weiten Teilen die Kunst-Welt zu beherrschen.

ON DESIRE ist das diesjährige Leitthema. Das lässt viel Spielraum für Reflektion und Positionierung zu politischen und ökonomischen Entwicklungen.

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