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Private Hochschulen - alles elitäre Snobs?

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HIGH SCHOOL GRADUATE
Prasit photo via Getty Images
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Der Run an private Hochschulen ist ungebrochen. Doch während immer mehr Studienpioniere an Hochschulen wie die FOM oder gehen, werden die nach dem amerikanischen Modell ausgerichteten Privaten wie die WHU, die EBS oder die Zeppelin Universität skeptisch gesehen. Für das ein oder andere Klischee sorgten dann die Studierenden auch selber, wie in dem bekannten „Imagefilm" einiger EBS-Studenten. Der Bundesvorsitzende der Liberalen Hochschulgruppen, Johannes Dallheimer, fragt an der WHU bei Studierenden nach, wie eigentlich die Realität aussieht:

LHG: Lieber Felix, schön, dass du Zeit für uns gefunden hast. Du studierst ja in Vallendar an der WHU. Wo liegt Vallendar und was kann man dort überhaupt studieren?

Felix Hosse: Zunächst einmal danke, dass ich bei diesem Interview mitwirken kann. Vallendar liegt ca. 10 Kilometer entfernt von Koblenz am Rhein. An der WHU kann man im Bachelor ausschließlich International Management studieren, sowohl in einem rein englischen Track als auch in einem bilingualen Track. Im Master gibt es dann zusätzlich zu International Management die Spezialisierungsmöglichkeiten auf Finance und zum nächsten Semester auch Entrepreneurship.

LHG: Privathochschulen haben den Ruf, dass sich dort nur reiche Schnösel mit Papas Geld einen Abschluss kaufen, den sie an einer öffentlichen Hochschule nicht bekommen hätten. Ist an dem Klischee was dran?

Hosse: Zugegebenermaßen kann ich natürlich nur für die WHU sprechen. Aber hier kommen nicht alle aus einem reichen Elternhaus. Durch die vielen Finanzierungsmöglichkeiten ist ausschließlich die Leistung ausschlaggebend, ob man hier hinkommt oder nicht. Geld ist auch im Studienalltag nie ein Thema. Studenten, die sich hier ein lockeres Studium erwarten, weil sie Geld mitbringen, werden wahrscheinlich bitter enttäuscht sein.

LHG: Wie finanziert sich denn die WHU und wie bezahlt ihr eure Studiengebühren? Müsst ihr da mit einem Koffer voller Geld am Semesteranfang das bar im Prüfungsamt abgeben?

Hosse: (lacht) Die WHU finanziert sich nur zu 41% aus Studiengebühren, der Rest kommt dann aus Spenden und sonstigen Erträgen. Die Stiftung WHU spielt eine sehr große Rolle und gewährleistet, dass man an der WHU sehr gut ausgestattet studieren und forschen kann.

15% der Studenten sind BAfÖG berechtigt und erhalten damit einen Freiplatz. Selbst bei leichter Überschreitung der BAfÖG Grenze gibt es noch Teilerlässe. 25% der Studierenden, unter anderen auch ich, nutzen den umgekehrten Generationenvertrag. Wir zahlen also unsere Studiengebühren erst, wenn wir im Berufsleben stehen. Außerdem gibt es noch die Möglichkeit der Studienkredite. Es gibt auch Studierende, deren Eltern die Studienkosten direkt übernehmen, aber die sind hier in der Minderheit. Im Endeffekt kann hier jeder unabhängig von der finanziellen Situation studieren, sofern man das Auswahlverfahren übersteht.

LHG: Wer darf überhaupt an der WHU studieren, wie komme ich dort rein?

Hosse: Neben deinem Abitur brauchst du sehr gute Englischkenntnisse und ein absolviertes Vorpraktikum von mindestens 6 Wochen. Danach durchläuft man ein mehrstufiges Auswahlverfahren. In der ersten Stufe beantwortet man Fragebögen, damit die Uni einen Eindruck von den Interessenten bekommt. Hierbei kommt es auf deine Persönlichkeit und auf deinen Zeugnisdurchschnitt an. Relevant ist vor allem, ob man sich sozial engagiert und dass man vielfältige Interessen hat. Anschließend wird man dann hoffentlich in die Endauswahlrunde eingeladen, in der man Präsentationen und Diskussionsrunden halten und sich in Einzelinterviews bewähren muss. Danach erhält man dann eine Zu- oder Absage. Der ganze Bewerbungsprozess läuft wesentlich früher ab, als bei den staatlichen Universitäten, weshalb man auch bestimmte Nachweise nachreichen kann. Ich zum Beispiel habe meine vorläufige Zusage noch vor meinen Abiturklausuren bekommen, was sehr angenehm war.

LHG: Wenn ich es geschafft habe, wie sieht dann mein Alltag aus? Steppt in Vallendar der Bär?
Hosse: Natürlich ist hier nicht so viel los, wie in den großen Studentenstädten. Vallendar ist eine Kleinstadt mit knapp 8800 Einwohnern, alles ist innerhalb von 10 Minuten zu Fuß zu erreichen. Aber wir machen das Beste daraus, indem wir uns in studentischen Initiativen engagieren. Egal ob wir Konferenzen wie Campus for Finance oder IdeaLab ausrichten, zu denen hunderte von Menschen kommen, oder mit Euromasters das größte Sportevent europäischer Business-Schools organisieren - es gibt immer irgendetwas zu tun. Insgesamt gibt es ca. 30 Initiativen, die viele Themenbereiche abdecken und ein wesentlicher Teil des WHU-Spirits sind. Außerdem kommen jährlich viele internationale Austauschstudenten hierher und geben Vallendar ein internationaleres Flair als es andere Kleinstädte haben.

LHG: Wo siehst du denn den Vorteil einer privaten Hochschule im Gegensatz zu den Öffentlichen?

Hosse: Da gibt es gleich mehrere. Zunächst einmal haben wir sehr kleine Lerngruppen und die Ausstattung ist recht modern. Wir sind außerdem sehr praxisorientiert und legen viel Wert auf Praktika innerhalb des Studiums. Es ist ein sehr persönliches Lernumfeld und die Professoren nehmen sich auch Zeit für die Studenten. Unglaublich wichtig ist aber vor allem das Netzwerk unter den Studenten. Jeder kennt jeden und man ist durch den WHU-Spirit verbunden und hilft sich gegenseitig. Dieses Netzwerk kommt einem auch nach dem Abschluss hier zu Gute und spielt auch eine wichtige Rolle bei den vielen Unternehmensgründungen der WHU-Absolventen.

LHG: Du sagtest, ihr konzentriert euch auf Management. Fehlt euch da nicht auch die Interdisziplinarität, das Über-Den-Tellerrand-Schauen?

Hosse: Das ist in der Tat ein Problem. Der Austausch mit anderen Unis ist schwierig, weil wir ja auch nicht gerade in einer Großstadt sind. Insbesondere der Austausch mit Studierenden der Naturwissenschaften würde uns meiner Meinung nach zu Gute kommen.

LHG: Wie sieht es denn mit Gründungen aus? Ist die WHU eine Start-Up Fabrik?

Hosse: Die Liste der Gründungen bei uns ist sehr lang. Außerdem gibt es viele große Start-Ups die hier ihre Ursprünge haben. Wenn man bedenkt, wie wenige Studenten hier jährlich einen Abschluss machen, wird deutlich, welchen Einfluss das WHU-Netzwerk hat. Ich denke auch, dass man hier eine gewisse Denkweise mitbekommt, die bei einer Unternehmensgründung hilft.

LHG: Letze Frage, würdest du einem Abiturienten empfehlen, an eine private Hochschule zu gehen und wenn ja, wieso?

Hosse: Das kommt natürlich darauf an, was die Erwartungen sind. Wenn man ein forderndes Studium mit internationaler Ausrichtung haben will, ist die WHU natürlich eine sehr gute Adresse. Wenn man Wert auf gute Platzierungen in Rankings legt ebenfalls. Private Bildung hat viele Vorteile, wenn es zum Beispiel zu Klassengröße und Ausstattung kommt. Ich glaube aber auch, dass das Angebot an der WHU nicht für alle gut geeignet ist, zum Beispiel, wenn man sich ein Studium mit allen Vorzügen einer Großstadt wünscht. Allerdings ist die Angst, sich das Studium an der WHU nicht leisten zu können, unbegründet. Ich hatte zuerst auch diese Bedenken, aber ich habe gemerkt, dass hier private Bildung kein reiches Elternhaus voraussetzt.

LHG: Danke für das Gespräch!

Hosse: Kein Problem, immer gerne.

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