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Mich hat das Ergebnis des Referendums genauso schockiert, wie viele junge Leute in Großbritannien

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BREXIT LONDON
JUSTIN TALLIS via Getty Images
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Mich hat das Ergebnis des Referendums genauso schockiert, wie viele junge Leute in Großbritannien. Es zeigt, dass nichts selbstverständlich ist. Der europäische Zusammenhalt ist wesentlich brüchiger als gedacht und dass es in der Tat manchmal auf jede Stimme ankommt, auch das hat die Brexit-Entscheidung gezeigt.

Junge Leute in Großbritannien haben mit einer überwältigenden Mehrheit von 75 Prozent für den Verbleib in der EU gestimmt - geholfen hat es nichts, weil die Älteren sehr deutlich für den Austritt gestimmt haben. Aber auch, weil zu wenige Junge wählen waren. Die Wahlbeteiligung lag lediglich bei 36 Prozent.

Zu sagen: „selber Schuld, braucht euch hinterher nicht aufregen", greift zu kurz

Stattdessen müssen sich Politikerinnen und Politiker die Frage gefallen lassen, was sie denn in den letzten Jahren gemacht haben, um junge Leute an die Wahlurnen zu bringen? Die Antwort ist ziemlich simpel: nicht viel. Die horrende Jugendarbeitslosigkeit in Europa? Dafür gibt es immer noch keine Lösung.

Die fehlende Perspektive für's Leben, weil man mit einem befristeten Vertrag nach dem nächsten abgespeist wird? Vernünftige Löhne in der Ausbildung oder günstigen Wohnraum - gerade in Städten? Absolute Fehlanzeige. Viele junge Leute sind von Politik enttäuscht oder stehen ihr gleichgültig gegenüber.

Wenn wir junge Menschen wieder für uns gewinnen wollen, kommt es auf drei Dinge an: Wir müssen stärker deutlich machen, dass es Unterschiede zwischen den Parteien gibt, dass es entscheidend ist, wem ich meine Stimme gebe, weil sich unsere Gesellschaft dann verändert. Die Brexit-Entscheidung ist in dieser Hinsicht vielleicht auch ein Weckruf an alle, wie schnell sich vermeintliche Selbstverständlichkeiten ändern können.

Wir müssen deutlich sagen, wohin wir mit der Gesellschaft gehen wollen

Junge Menschen wollen wissen, wo wir die Gesellschaft in dreißig Jahren sehen. Sie fordern zu Recht eine Vision von uns. Wir müssen junge Menschen sichtbar machen, die die junge Generation repräsentieren und vor allem gesellschaftliche Visionen glaubwürdig verkörpern. Parteien müssen sich verjüngen, junge Leute müssen mitentscheiden können - in Gremien und in den Parlamenten. Die Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre ist überfällig.

Die niedrige Wahlbeteiligung junger Menschen dürfen wir nicht länger einfach abtun. Eine Politik, die glaubwürdig die Interessen von jungen Menschen adressiert und mutige Ideen für die Zukunft aufzeigt, hat auch die Chance Vertrauen bei den Jungen zurückzugewinnen.

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