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Hört auf, die Zukunft schlecht zu reden und gebt das Ruder an uns ab

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Meine Generation ist aufgewachsen in einer Zeit des Wandels. In Jahrzehnten, in denen alle sagten, man müsse den Gürtel nun enger schnallen. In Zeiten von Bankenkrisen, in denen hunderte Milliarden für Banken bereitgestellt wurden. In Zeiten von Wirtschaftskrisen, in denen es weitere Steuergeschenke gab für die Wirtschaft.

Wir sollen unsere Ansprüche gefälligst runterschrauben, sagt man uns.

Wir werden angeblich später eh nichts mehr von der Rente haben. Die Reichen werden immer reicher und die Armen erhalten immer weniger Chancen. Auf uns wartet ein Berufsleben mit Befristungen und Kettenverträgen. Und wir wissen: Wenn es mal nicht klappt mit dem Job, dann trennen uns nur wenige Monate von Hartz IV - und damit in etwa so viel Geld wie zu unseren Ausbildungszeiten, als es vorne und hinten kaum reichte. Wie sollen wir so unser Leben planen?

Mehr zum Thema: Liebe Erwachsene, versteht es endlich: Wir sehen die Welt mit anderen Augen als ihr

All das wären genug Gründe, einfach den Kopf in den Sand zu stecken und sich aus diesem System zu verabschieden. Aber obwohl uns vieles ärgert, haben wir Vertrauen in uns und unsere Fähigkeiten. Wir nehmen unser Leben selbst in die Hand und das Risiko in Kauf, auch mal zu scheitern. Vielleicht gerade weil wir nicht viel zu verlieren haben und wollen, dass sich die Dinge bessern.

Wir sind Zweckoptimisten. Wenn wir konkret etwas tun können für ein bisschen mehr Gerechtigkeit und Solidarität, hängen wir uns da auch voll rein. Gerade viele junge Menschen haben den Geflüchteten im vergangenen Jahr geholfen und viele helfen noch immer bei der Aufgabe der Integration.

Manchmal glaube ich, viele Ältere verstehen uns nicht richtig.

Die meisten von uns suchen keine Konflikte. Mit unseren Eltern liegen wir nicht im Clinch, auf gute Renten für unsere Großeltern oder Sachspenden für Geflüchtete sind wir nicht neidisch. Wir suchen nicht den Streit und die Auseinandersetzung. Wir wollen kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander. Wir warten nur auf eine Einladung, um die Welt konkret zu verbessern.

Ich wünsche mir mehr Anerkennung gegenüber uns jungen Menschen. Und manchmal auch mehr Unterstützung. Ich wünsche mir mehr Zuversicht bei den Älteren und weniger Fatalismus.

Hört auf die Zukunft schlecht zu reden und gebt das Ruder an uns ab, wenn euch die Hoffnung abhandenkommt. Wir glauben an eine gute Zukunft für uns und die Menschen um uns herum. Und vor allem wissen wir: unser Leben, unsere Politik wird von Menschen gemacht. Also kann sie auch von uns verändert werden.

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