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Miss Italia 2015 will in den Krieg - Sie ist nicht allein

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MISS ITALY
dpa
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Alice Sabatini, die kürzlich gekürte Miss Italia 2015, auf die Frage "In welcher Epoche hättest du gern gelebt? Wer wärst du gern gewesen?"
"Im Jahr 42, äh, neunzehnhundert." lautete die - wohl sehr intuitive - Antwort. „Um ihn wirklich zu sehen, den zweiten Weltkrieg, in den Büchern kann man darüber lesen, Seite um Seite. Ich bin ja eine Frau und hätte eh keinen Militärdienst geleistet, ich wäre zu Hause geblieben." Schreibt der Spiegel.

Spannende Antwort
Wie auch immer sich mancher darüber brüskiert. Ist die Antwort nicht mehr als spannend? Die Antwort kam unvorbereitet, spontan. Sie war quasi ein Urschrei.
Sollten wir uns in Anbetracht dessen nicht ein paar Fragen stellen?
Alice Sabatini sagt selbst: "Meine Urgroßmutter hat den Krieg miterlebt und mir oft von diesen Zeiten erzählt. Ich wäre da gern gewesen, um zu verstehen, was sie wohl empfunden hat. Heute scheint alles so selbstverständlich zu sein." So der Spiegel weiter.

Sie trifft damit den Nagel auf den Kopf. Weshalb sonst florieren grausig Mutproben, infernalische Computerspiele die ein einziges Massaker sind? Weshalb verkleiden sich Tausende am Wochenende um in ferne Epochen einzutauchen als Ritter, Germanen, Konföderierte oder Fantasiefiguren? Weshalb boomen Schlammschlacht-Läufe und extreme Sportveranstaltungen? Weshalb schwingen Tausende in Stadien Fahnen und grölen Gesänge die an Schlachtenszenerien der Antike erinnern?

Ganz einfach. Wir brauchen das.
Leider gibt unsere aalglatte Welt das nicht mehr her. Wir spüren uns im Alltag nicht mehr. Wir sind abgekoppelt vom eigentlichen Leben das unsere Gene (unsere Ahnen) über Jahrmillionen! geführt haben. Wir brauchen das: schwitzen, frieren, hungern, dürsten, Schmutz, Angst, Verausgabung bis zur Erschöpfung, auch mal eine Wunde, Tränen, bangen, Hoffnung und dann die Erlösung in eine neue Welt. Das war schon immer so. Nur heute ist es eben nicht mehr so.

Nicht falsch verstehen
In keinster Weise will ich Krieg oder eine ähnliche absurde Katastrophe. Schon gar nicht bagatellisiere ich die Aussage von Alice Sabatini. Denn ihre Worte allein sagen rein gar nichts aus. Sie hätte auch sagen können, Sie hätte gerne an Seite von Wiliam Wallace (Story verfilmt in "Braveheart") gelebt. Dann hätten alle nur romantisch ergriffen, mit Tränen in den Augen mit Taschentüchern gewedelt. Und niemand hätte verstanden was sie eigentlich ausdrücken will. Sie hat uns mit Ihrer Aussage einen echten Dienst erwiesen.

Was uns packen sollte ist die Aussage hinter ihren Worten.
Und da meine ich, spricht sie etwas aus, wonach sich viele sehnen. Nach einem purem, griffigem, ja wertvollem Leben in welchem wir Seite an Seite mit unseren Verwandten, Freunden, unseren Nachbarn und Mitbürgern für eine Sache einstehen die größer ist als wir selbst. Das haben wir heute nicht; offensichtlich. Denn was sie sagt, spiegelt sich im täglichen Verhalten von Millionen unserer Mitbürger wieder. Nicht mehr.

Was kannst Du tun, damit Du Dich nicht nach einem von außen auf Dich einbrechenden Ereignis sehnst, dass Dich endlich spüren lässt, wie sehr Du Mensch bist?
Gehe hinaus in die Natur. Verbringe ein paar Stunden bei Regen im Wald. Schlafe ein Nacht ohne Zelt draußen. Renne bis Du nicht mehr kannst durch Matsch und Dreck. Gehe zwölf Stunden am Stück ohne zu essen. Feiere mit Deiner Familie, mit Deinen Freunden richtig gute, fetzige Feste.

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