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Wer braucht schon Religionen!

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SCARY CLOWN
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Kölle Alaaf, ihr Jecken! Es ist wieder so weit, es ist Karneval. Primäre Ziele: Verkleiden, saufen, ehrlich sein.

Und für viele auch die einzige Zeit im Jahr, in der sie mal offen ihre Meinung in die Welt schreien dürfen. Klar, es herrscht ja schließlich auch Narrenfreiheit und nach dem Aschermittwoch ist alles vergeben und vergessen.

Schaut doch nur mal nach Köln, Mainz oder Mönchengladbach: Bei den großen Rosenmontagszügen ist kein Motto für die Umzugswägen tabu. Kein Thema zu krass. Nicht mal die Religionen der Welt.

Wenn dem so ist, dann nutze ich doch mal die Gunst der Stunde ...

Religionen - nützlich oder hindernd?

Wer 2017 noch an einen Gott glaubt, der auf eine übergeordnete Art und Weise alles von „da oben" regelt, ist naiv. Aber ich möchte niemandem verbieten, zu glauben, oder ihn deshalb belächeln. Wem's hilft, der soll gerne glauben.

Auch verstehen kann ich, wenn ihr persönliche Erfahrungen, die nicht erklärbar, die „überirdisch" waren, eurem Gott zusprechen wollt. Alles gut, mir geht's nicht um euren Glauben. Sondern um Religionen.

Ich finde ja, Jesus ist ein total cooler Hund. Er hat gesagt: „Seid alle nett zueinander." Aber genau dafür wurde er dann ans Kreuz genagelt ... Oder schaut euch den Propheten Mohammed an: Wie Jesus war er ein Typ, der ein paar Sachen richtig gemacht hat und einige Leute erkannten: „Da könnten wir uns was abschauen."

Der Wunsch nach einer Perspektive

Bei beiden entstand daraus ein wahres Geschäftsmodell. Dessen führende Geschäftsleute sagen nun: „Glaub daran oder ich metzle dich nieder!" Immer, wenn aus einem Glauben eine Religion wurde, wenn also jemand meinte, die Interpretationshoheit zu haben, wurde es blutig - Kreuzzüge, Hexenverbrennung, Selbstmordattentäter ...

Was mich am meisten ärgert: Geschäftsmodelle wie der Katholizismus, der Buddhismus, der Islam und wie sie alle heißen, interpretieren und predigen die wirklich großartigen, visionären und menschenfreundlichen Inhalte ihrer Prediger häufig völlig falsch.

Nehmen wir die Katholiken: Sie feiern das Osterfest, sie freuen sich über die Wiedergeburt Jesu. Dabei geht es um Hoffnung. Hoffnung, dass es immer weitergeht. Und genau das ist bis heute wichtig für uns Menschen: Wir wünschen uns eine Perspektive, wir möchten an das Gute glauben. Ostern sollte also ein Riesenfest sein.

Was aber macht die katholische Kirche daraus? Sie erzählt die alttestamentarischen Geschichten, in denen die Rede vom „zornigen Gott" ist - anstatt die vom wohlwollenden Jesus. Anstatt Jesu christliche Botschaft von Mitmenschlichkeit, Hoffnung und Hilfsbereitschaft zu predigen, spricht die katholische Kirche über Zorn.

Götzenkult als Zufluchtsort

Und zornig machen mich noch so manch andere Religionen. Denkt nur an den Buddhismus: „Sucht Zuflucht in euch selbst", sagte Buddha sehr weise. Und gleichzeitig betreibt der Buddhismus einen Götzenkult mit goldenen Tempeln und riesigen Statuen ohnegleichen. Wer braucht denn einen fetten Tempel, wenn er in sich selbst Zuflucht sucht?

Auch die „Übersetzung" des Korans durch manchen „religiösen Führer" lässt mich erschauern. Diese Leute, die sich für die Gralshüter halten und meinen, die Verheißung zu haben, wollen ihre Anhänger glauben machen, dass sie ein besseres Morgen bekommen, wenn sie „Ungläubige" umbringen. Und dass im Himmel mehr Jungfrauen auf sie warten, wenn sie sich in die Luft sprengen - Schwachsinn! Wer glaubt denn so was?

Und die einzige Antwort, die wir, die westlichen Demokratien, darauf haben? Wir überziehen ganze Regionen mit einem Bombenteppich - auch das ist alttestamentarisch. Da sollen unsere westlichen Werte und Überzeugungen mit dem Schwert eingeprügelt werden, ohne Rücksicht auf Verluste.

Wer hat mit dem Scheiß angefangen?

Die Westmächte überziehen die Welt seit Jahren mit Kriegen und wundern sich jetzt, dass er zu uns kommt. Warum wundern wir uns denn bitte? Religionen haben mit Krieg jeher ihre Machtbereiche ausgedehnt, schon in den Kreuzzügen. Diskussionen über „Wer hat mit dem Scheiß angefangen?" führen zu nichts. Wir müssen endlich richtig fragen, und zwar: „Wer hört jetzt damit auf?"

Ich glaube, es gibt eine Lösung: Die Religionen könnten sich vorbildlicher verhalten. Anstatt wie die Kirche nur in ihren Besitzständen zu verharren, sollten sie Nächstenliebe und Wohlwollen stiften.

Statt Geboten, Kopftuchzwang oder Beichtpflicht müssen Freiheit und Toleranz im Fokus stehen.

Jeder kann glauben, was er will. Ich glaube aber fest daran, dass jeder Einzelne seinen Glauben zuerst in sich finden muss, statt bei einer Religion oder Sekte. Wie schön wäre es, wenn es jedem Menschen ein Bedürfnis wäre, grundsätzlich nett zum Gegenüber zu sein? Hilfsbereit zu seinen Mitmenschen? Offen und tolerant? Und diese Offenheit bitte nicht nur in der Karnevalszeit.

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