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Lean Management als Basis für Lean Digital

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LEAN DIGITAL
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Die Diskussion über Digitalisierung dreht sich sehr oft um die abstrakten Veränderungen in der Industrie und im makro-ökonomischen Umfeld, manchmal auch als Internet-of-Things bezeichnet. Diese allgemeinen Ansätzen sind sicherlich nicht falsch, doch um Digitalisierung in Praxis umzusetzen, müssen die Theorien konkret und umsetzbar werden.

Mit dem Entschluss, Digitalisierung in die Realität umzusetzen, muss sich der Unternehmer mit der wichtigen Fragen auseinandersetzen, welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden, um das eigene Geschäftsmodell erfolgreich digitalisieren zu können? Ein Aspekt um diese Frage zu beantworten liegt in den Prozessen im Unternehmen. Lean Digital mit dem Fokus auf der Wertschöpfungskette ist ein wichtiger Erfolgsfaktor in der Digitalisierung der Geschäftsprozesse.


Eine erfolgreiche Digitalisierung braucht optimierte Prozesse

Bei der kritischen Betrachtung der gelebten Geschäftsprozesse im Unternehmen zeigt sich: Sehr oft ergeben sich Punkte, die bei der Digitalisierung des Geschäftssystems durch das Unternehmen angegangen werden müssen. Nicht selten treffen eine oder mehrere der folgenden Aussagen zu:

  • Eine abteilungsübergreifende Prozessorientierung fehlt oder existiert nur mangelhaft. Prozessziele sind unpräzise und nur vage definiert. Eine übergreifende Prozessorientierung scheitert an organisatorischen Barrieren und Silodenken.
  • Die Abteilungen arbeiten mit unterschiedlichen Verfahrensweisen, Standards und Arbeitsvorgaben. Abteilungen können so weder intern noch übergreifend erfolgreich zusammenarbeiten.
  • Das ERP-System wird in den verschiedenen Abteilungen unterschiedlich und ineffizient genutzt: Das entspricht einer Basis-Implementierung, ist aber weit entfernt von der Benchmark. Das ERP-System verkommt so zu einem überteuerten Werkzeug, das Geschäftsprozesse dokumentiert, diese aber weder gestaltet noch weiterentwickelt.
  • Eine hoch relevante Frage lautet: Wie kann eine adäquate Stammdatenqualität sichergestellt werden? Sie treibt die Automatisierung von Geschäftsprozessen voran und ist deshalb besonders bedeutsam. Meist erachten Unternehmen die Stammdatenpflege jedoch als notwendiges Übel. Ziel einer Stammdatenpflege sollte sein, Steuerungsparameter inhaltlich und sinnvoll auszuprägen - und eben nicht, Vorgänge rein technisch fehlerfrei durchzubuchen.
  • Ein ERP-System ermöglicht es mengen- und wertgesteuerten Prozessen, integriert zusammenzuarbeiten. Dieser Betrachtungswinkel wird nicht oder zu kurz eingenommen. Stattdessen an der Tagesordnung: Überflüssige Kontrollprozesse und das fehlerhafte Abarbeiten von Geschäftsprozessen.
  • Die Anwender des ERP-Systems sind oft mit den Funktionalitäten allein gelassen, mangelhaft geschult und mit dem übergreifenden Geschäftsprozesswissen nicht vertraut. Damit wird die Chance vertan, Abteilungen sinnvoll und reibungsfrei mit dem verknüpften Werkzeug arbeiten zu lassen.

Dies ist nur ein Ausschnitt der möglichen Komplikationen auf dem Weg zur Digitalisierung des Geschäftsmodells. Unternehmen sollen sie ganz im Sinne der Lean-Management-Philosophie als Chance sehen: Es geht darum, existierende Organisationen und Systeme so weit zu verbessern, dass eine Digitalisierung einen Mehrwert für den Kunden liefert.

Für den Unternehmer ist es wichtig, den Kunden, die Wertschöpfung und natürlich auch das eigene Produkt in den Mittelpunkt der Betrachtung zu stellen. Die Methoden aus der Lean Management Philosophie greifen auch bei der Digitalisierung und können bei der konkreten Umsetzung im Unternehmen helfen.

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Die 4 Aufgaben zur Schaffung von Grundlagen für die Digitalisierung

  • Standardisierung: Prozesse unternehmensweit zu standardisieren, ist ein wesentliches Ziel. Einerseits geht es um Vereinfachung und Verschlankung im Unternehmen, andererseits darum, für eine reibungslose Digitalisierung die Basis in Form von Standards und Schnittstellen zu legen.
  • Effektivität: Um Prozesse effektiv zu gestalten, sollten während ihrer Identifikation garantiert die „richtigen" Prozesse ausgewählt werden. Dies sollten nicht zu viele sein und sie sollten im nächsten Schritt in ein Informationssystem integriert werden.

  • Effizienz: Weltweit sollte das Unternehmen einheitlich (z. B. in Prozess-Cockpits) festlegen, wie es einzelne Prozesse (z. B. die Beschaffung) steuert und mit welchen Kennzahlen (z. B. Hauptlieferanten-Anzahl) es dies tut.
  • Verantwortlichkeit: Die verantwortlichen Mitarbeiter sind Prozessen zugeordnet. Prozessmanagement wird dadurch gelebt, dass das Unternehmen Prozess-Ziele in die jährlichen Zielvereinbarungen der Mitarbeiter aufnehmen sowie diese messen und kontrollieren kann.

Will das Unternehmen sich stetig verbessern, muss es seine Geschäftsprozesse fokussieren und seine Organisation auf ebendiese ausrichten. Das Unternehmen überwindet Grenzen zwischen Abteilungen, wenn es zwei Punkte beherzigt: Es muss effiziente Prozesse übergreifend betrachten und optimieren. Und es muss Business-Process-Owner festlegen, um die Verantwortlichkeit personell zu verankern.

Diese Business-Process-Owner verantworten die End-to-End Sicht auf die wichtigen Kernprozesse - welche wiederum die Qualität und Leistungsfähigkeit der Wertschöpfungskette im Unternehmen bestimmen. Dieser Business-Process-Owner nimmt die wichtige Rolle wahr, den Kunden in den Mittelpunkt der digitalen Veränderungen zu stellen und die schlanken Prozesse nur dort zu digitalisieren, wo auch ein Nutzen gestiftet wird.


Zukunft und Wertschöpfungskette als digitale Dimensionen
Zusammenfassend gilt es, dem Thema Digitalisierung zwei wichtige Dimensionen hinzuzufügen: Zukunft und Wertschöpfungskette.

Drei Schritte bilden im Unternehmen die Basis, um den Kunden einen Mehrwert zu liefern und zukünftig profitabel zu wachsen:

  • Prozesse und Abläufe transparent zu gestalten,
  • diese Prozesse nach der Lean-Management-Philosophie auszurichten
  • und sie schließlich digital abzubilden.

Diese zukunftsorientierte Prozess-Ausrichtung ist die innerbetriebliche Komponente von Lean Digital. Schlanke Prozesse, eine schlanke Organisation und ein optimiertes ERP-System ermöglichen es, sich über die Unternehmensgrenze hinaus zu vernetzen und zu kooperieren.

Entlang der Wertschöpfungskette werden Lieferanten und Kunden digital eingebunden, ERP-Systeme verbunden und Prozesse abgestimmt. So managt das Unternehmen die Leistung, erzeugt Kundennutzen und bindet Kunden langfristig. Diese Integration der Wertschöpfungskette ist die überbetriebliche Komponente von Lean Digital.

Digitalisierung, betrifft nicht nur die Produkte von Unternehmen, sondern ist eine Aufgabe für sämtliche Bereiche im Unternehmen die eigenen Prozesse zu optimieren und diese effizient im ERP-System abzubilden. Erfolgreiche Digitalisierung erfordert diesen intelligenten Ansatz.

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