BLOG

Eine offene Plattform f├╝r kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Joe DeProspero Headshot

Die einzigen drei W├Ârter, die ich mein Kind nicht sagen lasse

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
BOY SAD
SolStock via Getty Images
Drucken

Sprache ist etwas sehr Faszinierendes. Im Babyalter beginnen wir damit, Sprache f├Ârmlich in uns aufzusaugen. Wir versuchen immer wieder, die Laute nachzuahmen, die wir von unseren Eltern, Erziehern oder von Figuren aus der Sesamstra├če h├Âren.

Und eines Tages stellen wir dann fest, welch unglaubliche Macht unsere Worte haben k├Ânnen.

Sprache kann Spa├č machen. Sie kann Menschen zum Lachen bringen und sie kann eine lebhafte Unterhaltung entstehen lassen, wo eben noch Schweigen herrschte.

Doch wie wir alle wissen, kann Sprache auch noch eine ganz andere Wirkung haben. Sie kann uns verletzen. Sie kann uns zum Weinen bringen. Sie kann Menschen entzweien, die sich einst liebten. Im Grunde genommen ist Sprache also eine Waffe.

Ich wei├č nicht mehr genau, wann ich zum ersten Mal von einem meiner Kinder zu h├Âren bekam, dass es "mich hasst". Ich gebe jedoch zu, dass dies nach wie vor gelegentlich passiert. Doch es macht mir nichts aus.

"Ich war schockiert. Denn er sagte das nicht zum ersten Mal"

Als Vater muss ich manchmal Dinge tun und sagen, mit denen ich mich nicht beliebt mache. Ich sorge daf├╝r, dass meine Kinder ihre Hausaufgaben machen, bevor sie spielen d├╝rfen. Ich verbiete ihnen, vor dem Schlafengehen S├╝├čigkeiten zu essen. Dass meine Kinder mich ab und an hassen, zeigt mir, dass ich einen guten Job mache.

"Ich hasse dich, Papa." Kinder wissen sich nicht anders zu helfen, wenn sie w├╝tend sind, und ich verstehe das.

Ô×Ę Mehr zum Thema: Ein Hirnforscher erkl├Ąrt, was Kinder mehr als alles andere von ihren Eltern brauchen

Doch um die Aussage "ich hasse dich" soll es heute eigentlich gar nicht gehen. Denn vor knapp einer Woche habe ich beobachtet, wie mein ├Ąltester Sohn mit einem Papierflieger spielte, den er selbst gebaut hatte.

Als er gerade richtig in seinem Spiel aufging, knallte der Papierflieger pl├Âtzlich aus Versehen gegen eine Wand. Der Flieger fiel auseinander und man konnte ihn nicht mehr wirklich retten. In den Augen meines Sohnes stiegen Tr├Ąnen auf.

"Ich hasse ... mich", sagte er. Ich war schockiert. Denn er sagte das nicht zum ersten Mal. Und ich hatte Angst, dass diese Aussage irgendwann zu seiner festen ├ťberzeugung werden k├Ânnte, wenn er sie st├Ąndig wiederholte.

"Selbsthass ist sehr viel gef├Ąhrlicher"

Ich kniete mich zu ihm auf den Boden und bat ihn, mir in die Augen zu schauen. Dann sagte ich ihm, dass ich diese Worte nie wieder von ihm h├Âren wollte.

Ich sagte ihm, dass er sich wegen solcher Kleinigkeiten nicht selbst fertigmachen sollte und dass er sich selbst respektieren sollte. Zwar glaube ich, dass er nicht komplett verstand, was ich damit meinte. Ich wollte ihm jedoch unbedingt klar machen, dass ich diese eine Aussage nie wieder h├Âren will.

Es macht einen Unterschied, ob ein Kind mir sagt, dass es mich hasst, oder ob es sagt, dass es sich selbst hasst. Denn die Aussage "ich hasse dich" ist nach f├╝nf Minuten schon wieder vergessen.

Selbsthass ist jedoch sehr viel gef├Ąhrlicher, da die Auswirkungen davon w├Ąhrend der Pubert├Ąt und auch noch im Erwachsenenalter verheerend sein k├Ânnen.

Au├čerdem wirkt Selbsthass sich nicht nur auf die betroffene Person allein aus. Wenn man sich selbst hasst, trifft man damit auch seine Mitmenschen, da Selbsthass einen Dominoeffekt erzeugt.

Wenn Kinder zu der ├ťberzeugung kommen, dass sie sich selbst hassen, werten sie sich selbst ab. Manche Kinder haben deshalb Probleme, Freunde zu finden. Oder sie trauen sich nicht, sich in der Schule zu melden, obwohl sie die Antwort eigentlich w├╝ssten.

"Als Kind hatte ich keine besonders hohe Meinung von mir"

Im Teenageralter vermeiden sie es, auf M├Ądchen zuzugehen, weil sie davon ausgehen, dass sie ohnehin eine Abfuhr erhalten werden. Und dadurch verpassen sie permanent die Gelegenheit, ihrem Schwarm n├Ąherzukommen.

Als Erwachsene kann es dann passieren, dass sie sich gar nicht erst auf ihren Traumjob bewerben, weil sie glauben, dass sie ihn sowieso nicht bekommen werden.

Dass dies alles tats├Ąchlich passieren kann, wei├č ich deshalb so genau, weil es mir selbst so ergangen ist.

Ô×Ę Das k├Ânnte euch auch interessieren: Appell einer Kinder├Ąrztin: Beachtet diese 7 Dinge, um Kinder vor sexuellem Missbrauch zu sch├╝tzen

Als Kind hatte ich keine besonders hohe Meinung von mir. Dies wiederum f├╝hrte dazu, dass ich irgendwann in den unterschiedlichsten Bereichen zu k├Ąmpfen hatte. Ich hatte Probleme mit sozialen Kontakten, mit meinem Studium und auch mit meinem Umgang mit Emotionen.

Ich vermied es, Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen, weil ich Angst davor hatte, im Mittelpunkt zu stehen. Und zwar sogar dann, wenn es um etwas Positives ging.

Jetzt als Erwachsener erschreckt mich der Gedanke, was ich alles h├Ątte erreichen k├Ânnen, wenn ich an mich selbst geglaubt h├Ątte, anstatt dauernd auf die Stimme in meinem Kopf zu h├Âren, die mir permanent einredete, dass ich nicht gut genug war.

"Ich m├Âchte verhindern, dass meine Kinder negativ davon beeinflusst werden"

Es w├Ąre schrecklich f├╝r mich, wenn eins meiner Kinder dasselbe Schicksal erleiden m├╝sste. Und ich bin der Meinung, dass wir als Eltern die Pflicht haben, unsere Kinder vor den Fehlern zu bewahren, die wir selbst schon einmal gemacht haben.

Manchmal sind Worte einfach nur Worte. Es kann jedoch auch passieren, dass Worte zu unserer inneren Einstellung und zu einem festen Bestandteil unserer eigenen ├ťberzeugung werden.

Die gr├Â├čte Angst vieler Eltern ist es, dass ihr Kind ein Schimpfwort aufschnappen und es wiederholen k├Ânnte. Ich w├Ąre zwar gewiss auch nicht besonders begeistert, wenn eines meiner Kinder im Alter von sieben Jahren beim Abendessen anf├Ąngt zu fluchen.

Was mich jedoch sehr viel st├Ąrker beunruhigt als Kraftausdr├╝cke, sind die dauerhaften Sch├Ąden, die Sprache anrichten kann.

Ich m├Âchte verhindern, dass meine Kinder negativ davon beeinflusst werden, wenn sie h├Âren, dass jemand gemein oder herablassend (├╝ber sich selbst oder andere) spricht. Ich f├╝rchte mich nicht vor Kraftausdr├╝cken. Doch ich f├╝rchte mich vor Worten, die uns klein machen.

Wie die weise Peggy O'Mara einst sagte, wird "die Art, wie wir mit unseren Kindern sprechen, zu ihrer inneren Stimme". Mein Ziel ist es, daf├╝r zu sorgen, dass meine Kinder von ihrer inneren Stimme ermutigt werden.

Dieser Blog erschien urspr├╝nglich bei der Huffington Post USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen ├╝bersetzt.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg