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Die einzigen drei Wörter, die ich mein Kind nicht sagen lasse

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BOY SAD
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Sprache ist etwas sehr Faszinierendes. Im Babyalter beginnen wir damit, Sprache förmlich in uns aufzusaugen. Wir versuchen immer wieder, die Laute nachzuahmen, die wir von unseren Eltern, Erziehern oder von Figuren aus der Sesamstraße hören.

Und eines Tages stellen wir dann fest, welch unglaubliche Macht unsere Worte haben können.

Sprache kann SpaĂź machen. Sie kann Menschen zum Lachen bringen und sie kann eine lebhafte Unterhaltung entstehen lassen, wo eben noch Schweigen herrschte.

Doch wie wir alle wissen, kann Sprache auch noch eine ganz andere Wirkung haben. Sie kann uns verletzen. Sie kann uns zum Weinen bringen. Sie kann Menschen entzweien, die sich einst liebten. Im Grunde genommen ist Sprache also eine Waffe.

Ich weiß nicht mehr genau, wann ich zum ersten Mal von einem meiner Kinder zu hören bekam, dass es "mich hasst". Ich gebe jedoch zu, dass dies nach wie vor gelegentlich passiert. Doch es macht mir nichts aus.

"Ich war schockiert. Denn er sagte das nicht zum ersten Mal"

Als Vater muss ich manchmal Dinge tun und sagen, mit denen ich mich nicht beliebt mache. Ich sorge dafĂĽr, dass meine Kinder ihre Hausaufgaben machen, bevor sie spielen dĂĽrfen. Ich verbiete ihnen, vor dem Schlafengehen SĂĽĂźigkeiten zu essen. Dass meine Kinder mich ab und an hassen, zeigt mir, dass ich einen guten Job mache.

"Ich hasse dich, Papa." Kinder wissen sich nicht anders zu helfen, wenn sie wĂĽtend sind, und ich verstehe das.

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Doch um die Aussage "ich hasse dich" soll es heute eigentlich gar nicht gehen. Denn vor knapp einer Woche habe ich beobachtet, wie mein ältester Sohn mit einem Papierflieger spielte, den er selbst gebaut hatte.

Als er gerade richtig in seinem Spiel aufging, knallte der Papierflieger plötzlich aus Versehen gegen eine Wand. Der Flieger fiel auseinander und man konnte ihn nicht mehr wirklich retten. In den Augen meines Sohnes stiegen Tränen auf.

"Ich hasse ... mich", sagte er. Ich war schockiert. Denn er sagte das nicht zum ersten Mal. Und ich hatte Angst, dass diese Aussage irgendwann zu seiner festen Überzeugung werden könnte, wenn er sie ständig wiederholte.

"Selbsthass ist sehr viel gefährlicher"

Ich kniete mich zu ihm auf den Boden und bat ihn, mir in die Augen zu schauen. Dann sagte ich ihm, dass ich diese Worte nie wieder von ihm hören wollte.

Ich sagte ihm, dass er sich wegen solcher Kleinigkeiten nicht selbst fertigmachen sollte und dass er sich selbst respektieren sollte. Zwar glaube ich, dass er nicht komplett verstand, was ich damit meinte. Ich wollte ihm jedoch unbedingt klar machen, dass ich diese eine Aussage nie wieder hören will.

Es macht einen Unterschied, ob ein Kind mir sagt, dass es mich hasst, oder ob es sagt, dass es sich selbst hasst. Denn die Aussage "ich hasse dich" ist nach fĂĽnf Minuten schon wieder vergessen.

Selbsthass ist jedoch sehr viel gefährlicher, da die Auswirkungen davon während der Pubertät und auch noch im Erwachsenenalter verheerend sein können.

AuĂźerdem wirkt Selbsthass sich nicht nur auf die betroffene Person allein aus. Wenn man sich selbst hasst, trifft man damit auch seine Mitmenschen, da Selbsthass einen Dominoeffekt erzeugt.

Wenn Kinder zu der Ăśberzeugung kommen, dass sie sich selbst hassen, werten sie sich selbst ab. Manche Kinder haben deshalb Probleme, Freunde zu finden. Oder sie trauen sich nicht, sich in der Schule zu melden, obwohl sie die Antwort eigentlich wĂĽssten.

"Als Kind hatte ich keine besonders hohe Meinung von mir"

Im Teenageralter vermeiden sie es, auf Mädchen zuzugehen, weil sie davon ausgehen, dass sie ohnehin eine Abfuhr erhalten werden. Und dadurch verpassen sie permanent die Gelegenheit, ihrem Schwarm näherzukommen.

Als Erwachsene kann es dann passieren, dass sie sich gar nicht erst auf ihren Traumjob bewerben, weil sie glauben, dass sie ihn sowieso nicht bekommen werden.

Dass dies alles tatsächlich passieren kann, weiß ich deshalb so genau, weil es mir selbst so ergangen ist.

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Als Kind hatte ich keine besonders hohe Meinung von mir. Dies wiederum führte dazu, dass ich irgendwann in den unterschiedlichsten Bereichen zu kämpfen hatte. Ich hatte Probleme mit sozialen Kontakten, mit meinem Studium und auch mit meinem Umgang mit Emotionen.

Ich vermied es, Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen, weil ich Angst davor hatte, im Mittelpunkt zu stehen. Und zwar sogar dann, wenn es um etwas Positives ging.

Jetzt als Erwachsener erschreckt mich der Gedanke, was ich alles hätte erreichen können, wenn ich an mich selbst geglaubt hätte, anstatt dauernd auf die Stimme in meinem Kopf zu hören, die mir permanent einredete, dass ich nicht gut genug war.

"Ich möchte verhindern, dass meine Kinder negativ davon beeinflusst werden"

Es wäre schrecklich für mich, wenn eins meiner Kinder dasselbe Schicksal erleiden müsste. Und ich bin der Meinung, dass wir als Eltern die Pflicht haben, unsere Kinder vor den Fehlern zu bewahren, die wir selbst schon einmal gemacht haben.

Manchmal sind Worte einfach nur Worte. Es kann jedoch auch passieren, dass Worte zu unserer inneren Einstellung und zu einem festen Bestandteil unserer eigenen Ăśberzeugung werden.

Die größte Angst vieler Eltern ist es, dass ihr Kind ein Schimpfwort aufschnappen und es wiederholen könnte. Ich wäre zwar gewiss auch nicht besonders begeistert, wenn eines meiner Kinder im Alter von sieben Jahren beim Abendessen anfängt zu fluchen.

Was mich jedoch sehr viel stärker beunruhigt als Kraftausdrücke, sind die dauerhaften Schäden, die Sprache anrichten kann.

Ich möchte verhindern, dass meine Kinder negativ davon beeinflusst werden, wenn sie hören, dass jemand gemein oder herablassend (über sich selbst oder andere) spricht. Ich fürchte mich nicht vor Kraftausdrücken. Doch ich fürchte mich vor Worten, die uns klein machen.

Wie die weise Peggy O'Mara einst sagte, wird "die Art, wie wir mit unseren Kindern sprechen, zu ihrer inneren Stimme". Mein Ziel ist es, dafĂĽr zu sorgen, dass meine Kinder von ihrer inneren Stimme ermutigt werden.

Dieser Blog erschien ursprĂĽnglich bei der Huffington Post USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen ĂĽbersetzt.

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