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Trumps Familiengeschichte: Donald, Fred und der Ku Klux Klan

01/02/2017 11:20 CET | Aktualisiert 02/02/2018 11:12 CET
Fred Prouser / Reuters

Donald Trumps Vater wurde bei einem Aufstand des Ku Klux Klan festgenommen.

Die meisten nationalen Medien haben es hartnäckig vermieden, diesen simplen, erklärenden Satz seit Trumps Kandidatur zu veröffentlichen. Ein Großteil der amerikanischen Politiker waren eigenartig schweigsam bezüglich dieses Themas.

Berichterstatter haben nicht einmal dann Schlüsse gezogen, als Trump den Menschenrechtsaktivisten John Lewis angriff, obwohl sein Verhalten dadurch zu erklären gewesen wäre, dass sein Vater KKK-Sympathisant ist.

Die Beweislage ist erdrückend

Trumps Vater Fred wurde 1927 im Stadtteil Queens in New York festgenommen, als eine Gruppe KKK-Anhänger während eines nationalen Trauertags mit der Polizei aneinandergeriet. Der Vorfall wurde dokumentiert, die Namen, Daten und Adressen stimmen überein. Die New York Times veröffentlichte einen Bericht über den Aufstand und die sieben Männer, die festgenommen wurden.

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Fred Trump wird namentlich erwähnt. Seine Adresse wird angegeben als 175-24 Devonshire Road, Jamaika, New York City, und eine Volkszählung von 1930 beweist, dass dies tatsächlich Fred Trumps Adresse war. Die Zeitung identifiziert ihn weder als Klan-Mitglied noch berichtet sie darüber, dass er, wie viele der Demonstranten, eine Klan-Robe getragen hätte.

Dennoch wurde Fred Trump festgenommen, und alle sieben Inhaftierten wurden von denselben Verteidigern vertreten. Zwei Tage nach dem Aufstand wurde Fred Trump aus unbekannten Gründen entlassen. Als die Website Boing Boing 2015 von diesem Vorfall berichtete, stritt Donald Trump die Geschehnisse ab und hat sie seitdem nicht mehr öffentlich diskutiert.

Während der Präsidentschaftskampagne schwiegen die meisten Medien

Die New York Daily News, die Washington Post, die New York Times und einige weitere Medien haben die Verbindung 2016 kurz erwähnt, ohne ihr weiter nachzugehen. Während der Präsidentschaftskampagne schwiegen die meisten Medien vehement, genauso wie Vertreter beider Parteien.

Wenn Fred Trump ein vollwertiges Mitglied des KKK war, schien sich niemand wirklich dafür zu interessieren. Journalisten und Politiker zeigten sich besonders eifrig, wenn es darum ging, Hilary Clintons E-Mails 2016 auseinanderzunehmen, und vor 20 Jahren zeigten sie genau denselben Eifer, als sie gegen Clintons Investment in Whitewater ermittelten.

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Die Familiengeschichte des republikanischen Präsidentschaftskandidaten wurde jedoch nicht so genau unter die Lupe genommen. Dabei geht es hier um den engsten Familienkreis, den Vater, nicht um irgendeinen Vorfahren aus einem weit zurückliegenden Jahrhundert, es geht um einen Vater, der die Macht hat, die tiefsten Annahmen seines Sohnes über die Welt zu prägen.

Zudem hat Donald Trump oft seine Bewunderung für seinen Vater ausgedrückt. Aufmerksame Erwachsene hören das Echo einer weit zurückliegenden Ära, wenn der Präsident auf Versammlungen zu Gewalt aufruft, seine Vorurteile gegen Minderheiten kundtut und scharfe Rhetorik verwendet.

Historiker wissen, dass der Ku Klux Klan 1866 in Tennesee von Ex-Offizieren der Konföderation gegründet wurde, um ethnische und religiöse Minderheiten sowie schwarze Südstaatler einzuschüchtern - vor allem diejenigen, die auf ihr Wahlrecht bestanden. Seit den 1860ern hat sich der KKK über die gesamten USA verbreitet, Gruppierungen sind in jeder Region anzutreffen, und dessen Ziele wurden erweitert um die Ausgrenzung von Einwanderern, Homosexuellen und Frauen, die außerhalb von Zuhause arbeiten. In den 1920ern stieg die Mitgliederanzahl in nördlichen Großstädten dramatisch an, oft als Antwort auf die Ankunft ost- und mitteleuropäischer Katholiken. Gegen sie wurde 1927 in New York City protestiert.

Nach wie vor wird die Organisation von der Allgemeinheit noch mit dem Süden assoziiert. Vielleicht ist das eine Erklärung für das Schweigen um Fred Trump: Donalds Vergangenheit wurzelt im urbanen Norden. Vielleicht ist es immer noch schwierig, Bigotterie und Vorurteilen außerhalb des Südens zu begegnen.

Für andere Politiker wäre es das Ende gewesen

Wir können uns gut vorstellen, was passiert wäre, wenn es auch nur das leiseste Gerücht um Jimmy Carter, Bill Clinton oder Al Gore gegeben hätte, dass sie mit KKK-Sympathisanten verwandt seien. Titelseiten wären gefüllt worden, Medien hätten ausführlich berichtet, Politiker hätten sich zu Wort gemeldet und entrüstet darüber gezeigt, dass die Gerüchte wahrscheinlich stimmen. Carter, Clinton und Gore wären wahrscheinlich als für die Politik untauglich abgeurteilt worden und ihre Karrieren beendet worden, lange, bevor sie öffentliche Ämter hätten annehmen könnten.

Vielleicht gibt es andere Erklärungen zum Schweigen über Fred Trump, angefangen bei Scham, einer tiefgehenden, peinlichen Berührung darüber, dass der KKK schon so lange besteht und sich im Land, inklusive New York, weiterhin ausbreitet. Vielleicht ist es auch die Hoffnung, dass der Sohn sich vom Einfluss eines Mannes, der während eines KKK-Aufstands verhaftet wurde, abwenden würde. Vielleicht war es auch der gut gemeinte, aber naive Glaube, dass Donald Trump die Wahl nicht gewinnen würde.

Nun residiert er im Weißen Haus. Lasst uns hoffen, dass die US-Medien und führende Politiker ihr sonst so brennendes Interesse an den Familienverhältnissen, Motiven und der Aufrichtigkeit des Präsidenten wiederfinden. Die Zukunft der USA hängt vielleicht davon ab.

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