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Joachim Klöckner  Headshot

Wie ich Minimalist wurde

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Joachim Klöckner war ein klassischer Durchschnitts-Konsument. Jahrzehntelang. In seiner Wohnung standen Dinge, die er eigentlich nie benutzte. Er kaufte schnelle Autos, obwohl er keine mehr brauchte. Bis er sich irgendwann entschied, ein anderes Leben zu führen. Ein Leben frei von Konsum.

Heute besitzt der 67-Jährige nur noch 50 Gegenstände. Oder ein paar mehr - je nach dem, ob er seine Socken einzeln oder doppelt zählt. Sein kompletter Besitz passt in einen Rucksack. Der steht in der Ecke seines kleinen Berliner Zimmers, auf einem Pappdeckel. Ansonsten ist der komplette Raum leer - bis auf eine Hängematte in der Mitte des Zimmers, in der er schläft. Hier erzählt er, wie er zum Minimalist wurde.

Beginn

1986, die Zeit von Friedens-, Emanzipations- und Antiatomkraftbewegung und ja, die Ökobewegung. Und dann, Anfang Mai, fielen rätselhafte weiße Flocken. Erst ein paar Tage später wurde mir klar: Das war Fallout von Tschernobyl. Betroffen beschloss ich, Energieberater für Unternehmen zu werden. Es endete nach 20 Jahren als Ausbilder dafür.

Leben

Optimieren wurde auch der Inhalt meines Lebens, Arbeit und Privates befruchteten sich, passten zusammen. Dazu Antworten zu: 'Wer bin ich' im Zusammenhang mit einer Coachingausbildung. Meine Dinge reduzierten sich, ich begann vieles selbst zu machen wie Möbel und Kleidung. Konsum wurde bewusster. Und seit ca. 20 Jahren klappt Umziehen mit einmal tragen. Staunen und Skepsis anderer Menschen begleiteten mich mit Fragen: 'Geht das' und 'Wie geht das'. Auch heute noch.

Leichtigkeit

Am Anfang war die Optimierung für mich ein Sport, entstanden mit dem Gedanken, für die Mitwelt Gutes zu tun. Und mehr und mehr spürte ich die Leichtigkeit, die Freiheit und das Wohlfühlen dabei. Heute hat es sich umgekehrt, Wohlfühlen mit dem Erleben, wie dies meine Basis für ein wohlwollendes Miteinander ist. Raum entsteht für Immaterielles.

Minimalismus

Vor ein paar Jahren begegnete mir der Begriff Minimalismus. Nachdenklich, weil sich für mich jede 'Ismen' durch Ab- und Ausgrenzung definieren inclusive der Falle, seinen Ismus als den Besseren zu verteidigen. Minimalismus ist eine Möglichkeit, die Freiheit zu spüren, sein Leben aktiv zu gestalten zum eigenen Wohl und dem der Mitwelt in Wechselwirkung. Leben mit dem Wesentlichen.

Heute

Es gibt Aufmerksamkeit für diese Lebensform, die mehr als nur eine Mode, die eine Bewegung ist und auf den Zeigefinger der Oekobewegung verzichtet. Und Freude bei mir für die vielen aktiven Menschen dabei, sie berühren mich, ich mag unterstützen und rätsele wie. Erlebe, wie aus Umwelt Mitwelt wird, die Allem gut tut.

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Eine Frage wird mir immer häufiger gestellt: Was, wenn dies alle so machen würden. Die erste Antwort ist: Wir bräuchten über viele Probleme der Erde nicht mehr reden. Doch hinter der Frage steckt die Angst vor fehlendem Wirtschaftswachstum. Dann ist meine Antwort: Wir haben drei riesige Wachstumsbereiche: Bildung und Lernen, Kreativität und Innovation, Empathie und Menschlichkeit. Bin optimistisch.

Und heute lebe ich dieses Leben einfach, damit es lebendig bleibt entscheide mich immer wieder für Wesentliches, versuche es und genieße. Und erkenne: Es geht um Aktiv sein für das Wohlfühlen mit den Dingen, materiellen und immateriellen.

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Was braucht es für ein gutes Leben?

Das größte Auto, das neueste Smartphone, die teuerste Wohung... Hauptsache mehr, viel und teuer. Für viele Menschen mag das die Erfüllung des Lebens sein, doch es gibt auch eine Gruppe, die das ganz anders sieht.

Minimalismus heißt der Trend, sich von allen unnötigen Dingen zu lösen. Was haltet ihr davon? Diskutiert mit. Schreibt uns eine E-Mail an Blog@huffingtonpost.de