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Die neue HuffPost-Kampagne "Reclaim" widmet sich dem Kampf gegen Lebensmittelverschwendung

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Betsie Van Der Meer via Getty Images
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Wenn ungefähr ein Drittel aller für die menschliche Ernährung hergestellten Lebensmittel entweder verdirbt oder weggeworfen wird und zeitgleich mehr als 800 Millionen Menschen jeden Abend hungrig ins Bett gehen müssen, läuft etwas grundlegend falsch.

Und diese Ungerechtigkeit beschränkt sich nicht auf Entwicklungsländer. In den USA bleiben bis zu 40 Prozent aller Lebensmittel übrig, obwohl nach Schätzungen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums 15,3 Millionen Haushalte mit Kindern unzureichend mit Nahrungsmitteln versorgt sind.

Die Verschwendung von Lebensmitteln bringt jedoch noch weitere schwerwiegende Folgen mit sich: Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen entstehen durch die Verschwendung von Lebensmitteln jedes Jahr 3,3 Milliarden Tonnen Treibhausgase. Außerdem werden mehr als ein Viertel aller weltweit verfügbaren landwirtschaftlichen Nutzflächen dafür verbraucht. Dies führt zur Verschwendung von kostbarem Trinkwasser und bedeutet für die Weltwirtschaft einen jährlichen Verlust von 750 Millionen US-Dollar.

Die Lebensmittelverschwendung führt zu politischen Spannungen

Dass wir so viele Lebensmittel verschwenden führt außerdem weltweit zu politischen Spannungen. Das Weltwirtschaftsforum hat sogar bereits davor gewarnt, dass Lebensmittelknappheit in den kommenden zehn Jahren das größte Risiko für die globale Stabilität darstellen wird, da die einzelnen Länder die Auswirkungen des Klimawandels immer stärker zu spüren bekommen.

Dies sind nur einige Gründe, weshalb die Huffington Post am Dienstag eine Kampagne startet, die auf das Ausmaß von Lebensmittelverschwendung aufmerksam machen soll. Viel wichtiger ist jedoch noch, dass wir gemeinsam mit euch, mit unseren Leserinnen und Lesern, gegen die Verschwendung von Lebensmitteln vorgehen wollen.

Der Name unserer Kampagne lautet "Reclaim", was bedeutet, dass man sich etwas Verlorengegangenes zurückholt. "Reclaim" hat in diesem Zusammenhang eine doppelte Bedeutung. Zum einen sollen die Menschen ihre Macht zurückerobern, um wirkliche Veränderungen in der Gesellschaft durchzusetzen, und zum anderen sollten wir alle versuchen, unsere Liebe zum Essen wiederzugewinnen.

Es ist der richtige Zeitpunkt zum Handeln

Wenn wir dieses wunderbare Geschenk der Erde, das wir alle zum Leben brauchen, wieder mehr wertschätzen wollen und uns wieder stärker damit verbunden fühlen wollen, müssen wir mehr tun, als einfach nur den über 175.000.000 bereits vorhandenen Essensbildern (#food entries) auf Instagram noch ein weiteres hinzuzufügen.

Wir finden, dass dies genau der richtige Zeitpunkt zum Handeln ist, da Regierungen, Organisationen und auch Privatpersonen sich nach jahrelanger Untätigkeit endlich der Herausforderung bewusst werden und gegen die Verschwendung von Lebensmitteln vorgehen wollen.

Weltweit haben bereits 193 Länder sich zur Umsetzung der Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen bereit erklärt. Diese Ziele beinhalten unter anderem die Verpflichtung, die Pro-Kopf-Lebensmittelverschwendung im Einzelhandel und bei den Konsumenten in den kommenden 14 Jahren zu halbieren und die Lebensmittelverluste in der Produktion und in den Lieferketten einschließlich nach der Ernte entstandener Verluste zu reduzieren.

In Europa befassen sich bereits einige Länder und Unternehmen mit diesem Thema. Frankreich zeigte uns zu Beginn des Jahres eine Möglichkeit zur Lösung des Problems auf, indem es als erstes Land ein Verbot einführte, nach dem Supermärkte unverkaufte Lebensmittel nicht mehr wegwerfen dürfen. Die Supermärkte müssen nichtverkauftes Essen stattdessen an Wohltätigkeitsorganisationen und Tafeln spenden.

Zwischenzeitlich gab die größte britische Supermarktkette Tesco öffentlich bekannt, wie viele Lebensmittel das Unternehmen tatsächlich wegwerfen muss. Im März verkaufte Tesco unter dem Namen "Perfectly Imperfect" in 200 seiner Filialen "unschönes" Gemüse. Außerdem gab das Unternehmen bekannt, bis Ende 2017 sämtliche unverkaufte Lebensmittel an Wohltätigkeitsorganisationen spenden zu wollen.

Die USA hingegen verhalten sich noch immer wie ein schlafender Riese. Wir wollen das ändern und euch dazu auffordern, uns bei der Erreichung von zwei ersten wichtigen Zielen zu helfen, die unserer Meinung nach im Laufe der Zeit zu noch größeren Veränderungen führen werden.

Das sind unsere Ziele:

Unser erstes Ziel ist es, die größte amerikanische Supermarktkette Walmart dazu zu bewegen, dem Vorbild Europas zu folgen und nicht perfekt aussehendes Obst und Gemüse zu verkaufen, das ansonsten weggeschmissen würde.

Wenn man einmal genau darüber nachdenkt ist es der pure Wahnsinn, dass Supermarktketten wirklich gute und nahrhafte Lebensmittel aussortieren, bloß weil sie aufgrund ihrer Größe oder Form nicht dem Standardmaß entsprechen. Verbraucher haben den zusätzlichen Vorteil, dass nicht perfekte Produkte oft um ein Drittel günstiger sind.

Wir unterstützen die Petitionsplattform Change.org und die Kampagnenorganisation EndFoodWaste.org bei ihrer Unterschriftenaktion, mit der sie Walmart davon überzeugen wollen, auch "unschönem" Obst und Gemüse eine Chance zu geben und solche Produkte in allen amerikanischen Filialen zu vertreiben.

Wir konzentrieren uns deshalb so stark auf Walmart, weil der Konzern im Bereich unternehmerische Nachhaltigkeit bereits mit gutem Beispiel vorangeht und wir der Meinung sind, dass Walmart die richtigen Ziele verfolgt. Das einzige, was dem Unternehmen noch fehlt, ist etwas Unterstützung und das Wissen, dass dieses Thema seinen Kunden am Herzen liegt.

Walmart ist zudem in finanzieller Hinsicht ein so einflussreiches Unternehmen, dass es ganze Märkte aufbauen und verändern könnte, wenn es sich mit voller Kraft einem bestimmten Ziel widmen würde.

Es gibt genügend Beispiele dafür, dass Petitionen durchaus etwas bewirken können. Nachdem er über 110.000 Unterschriften gesammelt hatte, konnte Jordan Figueiredo, der Gründer der Kampagne UglyFruitandVeg.org, die amerikanische Biosupermarktkette Whole Foods davon überzeugen, probweise auch "unschönes" Gemüse zu verkaufen.

"Da Walmart in den USA mehr als 4.200 Filialen besitzt und damit zu den größten amerikanischen Einzelhandelsketten zählt, fordern wir das Unternehmen dazu auf, eine einfache, effektive und gute Maßnahme zu ergreifen, die sowohl dem Einzelhandel als auch den Kunden zu Gute kommt", so die Petition. "Jeder sechste Amerikaner verfügt nicht über ausreichend Lebensmittel und mehr als vier von fünf Amerikanern mangelt es an Obst und Gemüse. Wenn man diese Statistiken betrachtet, ist es schlichtweg unverantwortlich, die Verschwendung von guten, gesunden und absolut essbaren Lebensmitteln weiterhin in Kauf zu nehmen."

Der zweite Teil unserer Kampagne startet kommenden Monat. Im Rahmen dieser Kampagne sollen amerikanische Supermarktketten dazu angeregt werden, mit den in den USA verbreiteten Missverständnissen zum Thema Mindesthaltbarkeitsdatum aufzuräumen. Durch das bestehende Unwissen landen nämlich unnötigerweise massenhaft Lebensmittel auf dem Müll.

Es ist nicht verwunderlich, dass Aufdrucke wie "zu verkaufen bis", "zu verwenden bis" oder "mindestens haltbar bis", die oft in winziger Schrift auf der Verpackung stehen, viele Konsumenten verwirren. Diese Verwirrung entsteht durch die Tatsache, dass diese Aufdrucke keinen eindeutigen Hinweis darauf geben können, ob man ein Lebensmittel noch essen kann oder nicht.

Außerdem werden wir mit der Umweltorganisation Feedback.org zusammenarbeiten, die auch von der Rockefeller Foundation unterstützt wird. Gemeinsam mit Feedback.org wollen wir Einzelhändler zur Einführung einer freiwilligen Kennzeichnung des Mindesthaltbarkeitsdatums bewegen. Dies entspricht auch den Plänen des amerikanischen Kongresses, der die Gestaltung von Mindesthaltbarkeitsetiketten im ganzen Land vereinheitlichen will.

Eine 30-Tages-Challenge für weniger Müll

Neben unserer Überzeugungsarbeit bei anderen werden wir zudem eine 30-Tages-Challenge starten, mit der wir euch helfen wollen, euren eigenen Müll zu reduzieren. Im Rahmen diese Challenge geben wir euch Einkaufs- und Kochtipps. Unter anderem zeigen wir euch, wie ihr aus übriggebliebenen Lebensmitteln Brühe machen könnt oder wie ihr hart gewordene Kekse in einen unglaublich leckeren Kuchen verwandelt.

Unsere Kampagne zum Thema Lebensmittelverschwendung ist der letzte Teil unserer weltweiten "What's-Working-Initiative", die unsere Leser darin bestärken soll, die Welt zum Positiven zu verändern, indem wir über die Kunst des Machbaren berichten.

Diese Kampagne soll der Tatsache entgegenwirken, dass in den Medien häufig nur über Negatives berichtet wird, was dazu führt, dass viele Menschen sich von Problemen überwältigt und machtlos fühlen - und genau das können wir nun wirklich nicht brauchen.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

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