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Acht Dinge, die ich von meinem Kindermädchen gelernt habe

03/03/2017 18:44 CET | Aktualisiert 03/03/2017 18:44 CET
Joanne Green

Wenn man ein Kindermädchen sucht, dann ist es wichtig, sich für jemanden zu entscheiden, dem man vertrauen kann, den man respektiert und mit dem man auf einer Wellenlänge ist.

Dein Kindermädchen ist in deinem Team, sie hilft dir dabei, deine Kinder großzuziehen. Viele Eltern denken, dass sie als Eltern auch die einzigen sein müssen, die die Regeln aufstellen.

Ja, ihr trefft die wichtigen Entscheidungen für euer Kind, aber es ist wichtig, dass man auch offen für die Vorschläge und Ideen des Menschen ist, der sich um das Wohlergehen des Kindes kümmert.

In den letzten Jahren hat mich mein Kindermädchen so viel über das Elternsein gelehrt; darüber, ein empathisches, selbstbewusstes und herzliches Kind großzuziehen. Sie kümmert sich schon so viel länger um Kinder als ich und ihr Wissen über Kinderentwicklung nehme ich gerne an.

Hier sind einige der besten Ratschläge, die ich von ihr in den letzten Jahren bekommen habe:

1. Positive Disziplin

Einer der Gründe, weshalb die Beziehung zu meinem Kindermädchen so gut funktioniert, ist der, dass wir eine ähnliche Erziehungsphilosophie verfolgen. Wir haben während des Vorstellungsgesprächs gar nicht darüber gesprochen, aber ich folge ihrem Beispiel und schaue einfach zu, wenn sie die Kinder mit viel Respekt, Empathie und Liebe zur Disziplin ruft.

Sie wird nie laut, verteilt nie Strafen und schickt die Kinder nie auf die stille Treppe. Ich sehe, wie sie meinem Sohn Freiheiten mit Grenzen lässt. Ich höre, wie sie versucht, die Bedeutung hinter seinem Verhalten zu verstehen.

Ich bemerke, dass sie sich nie von ihren Gefühlen leiten lässt, wenn sie frustriert ist. Ich passe auf, dass ihre Erwartungen an meine Kinder mit meinen übereinstimmen. Ich sehe, dass sie gutes Benehmen besonders hervorhebt und schlechtem Benehmen entgegenwirkt.

2. Sag nicht "Nein"

Auf den ersten Blick scheint es vielleicht so, als würde dein Kindermädchen alles durchgehen lassen. Tatsächlich ist aber genau das Gegenteil der Fall. Mein Kindermädchen hat mir erklärt, dass ein "Nein" Kindern nicht erklärt, warum das, was sie gerade tun möchten, falsch ist.

Stattdessen sagt sie "nicht erlaubt" und erklärt den Kindern, wieso nicht.

"Sam, du darfst nicht auf den Stuhl klettern, weil du runterfallen und dir dabei wehtun kannst."

"Nicht erlaubt" ermöglicht es dir auch, deinen Kindern als Alternative Dinge zu nennen, die erlaubt sind. Kinder nehmen sich ein Beispiel an dir und wenn du einfach nur "Nein" brüllst, dann lernen deine Kinder, dass man so mit anderen Menschen spricht.

3. Sprich den ganzen Tag mit Babys

Ich habe bei meinem Kindermädchen sofort gemerkt, dass sie den ganzen Tag mit meinem Neugeborenen sprach. Sie erklärte alles, was sie tat, laut. So lieferte sie meinem Baby eine ganz genaue Anleitung zum Windeln wechseln, sie beschrieb ganz detailliert, welche Kleidung sie sich anzog und wie sie den Tee zubereitete.

Als junge Mutter nahm ich an, dass sie es so machte, weil sie sich langweilte und sich selbst Input geben wollte. Nach ein paar Wochen sagte sie zu mir, ich müsse mehr mit meinem kleinen Sohn sprechen, denn nur so würde er die Welt kennen lernen.

Es fühlt sich vielleicht albern an, laut mit einem kleinen Baby zu sprechen, das nicht antwortet. Aber mit einem Baby zu sprechen, hilft seinem Gehirn dabei, sich zu entwickeln, die Sprachfähigkeit wird gefördert und das Sprechen wirkt sich allgemein positiv auf die kognitive Entwicklung aus.

4. Wie man das Sozialverhalten eines Kleinkindes schult

Kleinkinder wissen noch nicht viel über das Sozialverhalten und all seine Komplexität. Was also tun, wenn ein anderes Kind deinem Kind das Spielzeug wegnimmt? Oder wenn deine Kinder den Lastwagen wollen, mit dem ein anderes Kind gerade spielt?

Was tun, wenn sich ein Kind an der Rutsche vordrängelt? Auch wenn deine persönliche Erziehungsphilosophie (oder deine Unfähigkeit, deine Gefühle im Zaum zu halten) dir vielleicht dein Verhalten in solchen Situationen diktiert, sollte man dem nicht nachgeben und stattdessen seinem Kind beibringen, was das richtige Verhalten in so einem Fall ist.

Mein Kindermädchen spricht mit meinem Sohn und erklärt ihm, was richtiges Sozialverhalten ist. Sie macht ihm vor, wie man höflich und nett mit Nachbarn und Freunden umgeht.

5. Methoden zur Selbstberuhigung

Kinder, besonders Kleinkinder, werden schnell wütend und erregt. Schon alleine die falsche Farbe der Tasse kann ausreichen, um die Tränen fließen zu lassen. Es ist wichtig zu wissen, wie man ruhig bleibt und so auch sein Kind beruhigen kann.

Neulich wollte mein Sohn in einer Sache unbedingt Recht behalten, obwohl er falsch lag. Zuerst habe ich ihn korrigiert, was aber nur zu einem Hin- und Her darüber führte, wer denn nun Recht und wer Unrecht hatte. Meine Methode hat bei ihm Panik ausgelöst und machte ihn nur noch wütender und festigte seine Überzeugung nur noch mehr.

Man muss lernen damit umzugehen, wenn das Kind sich aufregt

Er wurde angespannt und begann fast zu weinen. Als ich sah, wie angespannt er war, wollte ich nur noch nicken und so tun, als habe er doch Recht. Ich hatte einfach nicht die Energie, noch weiter zu streiten. Mein Kindermädchen schritt ein und sagte ihm, er solle einmal tief Luft holen und durchatmen.

Dann erklärte sie ihm, dass Kinder manchmal etwas durcheinanderbringen und es dann die Aufgabe der Erwachsenen sei, die Dinge richtig zu stellen. Sie erklärte ihm auch, dass es in Ordnung sei, Unrecht zu haben oder sich nicht sicher zu sein. Er verstand es und beruhigte sich langsam wieder.

Mit der Hilfe des Kindermädchens lernte mein Sohn etwas Neues und ein paar neue Methoden, um sich selbst zu beruhigen und ich lernte, wie ich reagieren musste, wenn mein Kind sich zu sehr aufregte.

6. Begegne deinem Kind wortwörtlich auf Augenhöhe

Kinder reagieren am besten, wenn man sich zu ihnen hinunterbeugt. Das nimmt ihnen die Angst und sie gehen eine bessere Verbindung zu dir ein. Ich habe das erkannt, als ich sah, wie mein Kindermädchen auf Augenhöhe mit meinem Sohn sprach.

Er hörte ihr besser zu, denn es zeigte ihm, dass sie ihre Macht nicht ausspielte, sie zeigt Respekt.

7. Dein Kind ist einzigartig

Mein Kindermädchen arbeitet schon seit Jahrzehnten in der Kinderpflege, sie hat viele Kinder mit vielen unterschiedlichen Stärken und Persönlichkeiten kennengelernt. Als ich mit meinem zweiten Kind schwanger war, fiel es mir schwer zu begreifen, dass ich ein Kind mit einer anderen Persönlichkeit als der meines Erstgeborenen bekommen würde.

Nachdem meine Tochter auf die Welt gekommen war, verglich ich sie immer (unfairerweise) mit meinem Sohn. Mein Kindermädchen sagte mir dann Folgendes: "Sie ist nicht ihr Bruder. Sie isst anders und sie schläft anders. Wir müssen sie als eigene Person wahrnehmen."

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Mein Kindermädchen hatte Recht. Es fällt mir immer noch schwer, meine Kinder nicht miteinander zu vergleichen (besonders, wenn das Erstgeborene „einfacher" ist), aber ich bemühe mich, mir die Worte meines Kindermädchens immer wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Jedes Kind wird mit einer eigenen Persönlichkeit geborenen und diese Persönlichkeit zeigt sich erst mit der Zeit. Sei fair und behandle jedes Kind nach seinen eigenen Angewohnheiten und Charakterzügen.

8. Sei immer ein Lehrer

Wenn wir in Eile sind oder gerade mal wieder zehn Dinge auf einmal erledigen, dann ist es so einfach, unseren Kindern einfach Kommandos zuzubrüllen oder ihnen ohne weitere Erklärung einfach einsilbige Antworten zu geben.

Mein Kindermädchen nimmt sich immer die Zeit für Erklärungen. Ihre Erklärungen helfen meinen Kindern dabei, zu wachsen und zu lernen. Erklärungen ermöglichen es Kindern zu verstehen, warum wir sie um Dinge bitten, die sie nicht tun wollen.

Auch wenn sie es vielleicht nicht gleich verstehen, so hilft ihnen eine ruhige Erklärung doch, ein Gefühl der Kontrolle aufzubauen, Anspannung abzubauen und ein Jammern zu vermeiden.

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Mein Kindermädchen ist nicht einfach nur eine Kinderpflegerin. Sie ist die erste Lehrerin meiner Kinder. Sie bringt meinen Kindern bei, warum wir manche Dinge so tun, wie wir sie tun und wie die Welt funktioniert.

Sie ist ihnen ein Vorbild, sie zeigt ihnen, dass man anderen Menschen respektvoll begegnen sollte und wie man zu einem liebenswürdigen und selbstbewussten Menschen heranwächst. Jeden Tag behandelt sie meine Kinder mit Respekt und Liebe und meine Kinder wiederum treten mit Respekt und Liebe in die Welt.

Danke, Maggie.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Huffington Post USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

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