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Warum ich meine Kinder impfen lasse - Pro Impfpflicht in Deutschland

02/06/2016 14:19 CEST | Aktualisiert 08/06/2017 11:12 CEST
teksomolika via Getty Images

Öffentlich über's Impfen zu schreiben ist in etwa so waghalsig wie im neuen Bikini ins Haifischbecken zu springen. Ich wage diesen Sprung trotzdem, denn die aktuellsten Meldungen über den Wiederausbruch der Masern und erste Epidemien in deutschen Großstädten sind alarmierend.

Als ich mit Hannah schwanger war, kam ein Kollege auf mich zu und wollte meine Meinung zum Thema Impfen hören. Ich ließ ihn ausreden, denn ich ahnte bereits, dass nach einer kurzen Pause ein Nachsatz folgen würde, wie gefährlich das Impfen sei und dass sie (er und seine Frau) sich dagegen entscheiden würden, weil unzähliche Studien beweisen, dass das "durchmachen" der Krankheiten wesentlich weniger Risiken mit sich brächte, als die fatalen Folgen einer Impfreaktion.

Ich beendete damals das Gespräch an genau dieser Stelle, noch bevor es eigentlich begonnen hatte. Denn ich bin wahrlich der falsche Gesprächspartner, wenn es um eine Impfdiskussion geht. Über derartige Notwendigkeiten, die schlichtweg in meiner Verantwortung als Mutter liegen, diskutiere ich nicht.

Eine Abwägung Pro oder Kontra Impfen ist überflüssig

Vielleicht eines vorweg: Ich lebe nach dem Motto "Leben und leben lassen". Ich verurteile weder bestimmte Erziehungsstile, noch würde ich mir erlauben über den Umgang anderer Leute mit ihren Kindern zu urteilen. Beim Thema Impfen habe ich allerdings eine radikale Meinung. Wer mit dieser nicht umgehen kann, der möge bitte hier das Lesen beenden.

Ich bin als Kind komplett durchgeimpft worden. Und ich habe das gleiche bisher auch mit Emma gemacht. Natürlich setzt man sich als Mutter erstmals ernsthaft mit dem Thema Impfen auseinander, wenn das eigene Kind geimpft werden soll.

Aber es stand für mich persönlich nie zur Debatte auch nur flüchtig abzuwägen, ob ich mein Kind einer Impfreaktion aussetze oder es, möglicherweise erst Jahre später, der Gefahr von Spätfolgen einer durchgemachten Erkrankung überlasse. Ich habe nicht mal, und das, obwohl ich ein Kind der Generation Google bin, darüber nachgedacht, mir die Risiken einer Impfung durchzulesen. Nicht Impfen stand nie zur Debatte. Punkt.

Es liegt in meiner Pflicht als Mutter diese verantwortungsvolle Entscheidung FÜR eine Impfung zu treffen. Für meine Kinder, für andere Kinder und am Ende für mich selbst.

Berlin erlebt derzeitig den heftigsten Masern-Ausbruch seit 2001. Schuld daran sind verhängnisvolle Impflücken, sei es aus Unwissenheit (viele der geimpften Kinder haben in den letzten Jahrzehnten nur eine der zwei notwendigen Impfdosen erhalten) oder aber aus absurden Überzeugungen.

So titelt die Süddeutsche Zeitung mit ihrem aktuellen Artikel. Das Robert-Koch-Institut registrierte 375 Fälle von Masern in Berlin, 254 davon im Januar. Auch andere deutsche Großstädte sind betroffen. Tendenz steigend.

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Masern-Parties und absurde Überzeugungen

Ich frage mich ernsthaft, wie so etwas heutzutage noch passieren kann. Sollten die Masern in Deutschland doch eigentlich 2015 ausgerottet worden sein, ist nun das traurige Gegenteil der Fall.

Und das offenbar, weil sich weiterhin absurde Theorien halten, dass Impfen bestimmte Krankheiten oder Allergien auslöse oder die Impfreaktionen weitaus schlimmer seien, als das "durchmachen" der Krankheit. Schließlich schade es ja nicht, das Immunsystem zu stärken.

Ich finde es unverantwortlich, dass in bestimmten Teilen Deutschlands, ja auch Berlins, richtige Masern-Parties und Co. veranstaltet werden, um die Kinder zu infizieren und eine "natürliche Immunität" aufzubauen. Das grenzt in meinen Augen an Körperverletzung. Wie kann ich als Mutter meinem Kind freiwillig, ja sogar mutwillig eine ernsthafte Kinderkrankheit zumuten?

Das Risiko einer Impfung ist tausend Mal so gering wie jenes für schwere Masern-Komplikationen. Genauso unverantwortlich finde ich es, dass Eltern, die sich gegen die Impfung ihres Kindes entscheiden, andere Kinder einem zusätzlichen, vor allem aber unnötigen Risiko aussetzen.

Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich NICHT diskutieren, wie schlimm es aber Kinder getroffen hat, die eine schwere Impfreaktion erlitten und davon Schäden zurückbehalten haben.

Impfen eines herzkranken Kindes

Bis ich mit Hannah schwanger wurde, stand für mich das Abwägen der Risiken einer Impfung nie zur Diskussion. Nachdem Hannah mit ihrem schweren Herzfehler im Gepäck geboren war, stand ich unserem Kardiologen und Kinderarzt dann doch verunsichert gegenüber.

Ich wollte sie auf der einen Seite keinem zusätlichen Risiko aussetzen, auf der anderen Seite sollte sie aber natürlich auch nicht unnötig eine Kinderkrankheit durchmachen müssen. Hannah's Arzt klärte uns fair und vor allem transparent auf und überließ uns die volle Entscheidung, für oder gegen bestimmte Impfungen.

Und auch Hannah wurde am Ende gegen alles geimpft - außer gegen die Rota-Viren. Sie bekommt sogar zwischen Oktober und April aufgrund ihres Herzfehlers alle 4 Wochen eine Synargis-Impfung, die sie gegen den RS-Virus schützt (ähnlich einer Lungenentzündung).

Natürlich hat auch sie, wie ihre Schwester und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unzählige andere Kinder von einigen Impfungen Fieber bekommen. Weitaus dramatischer wäre es jedoch für sie, würde sie auch nur eine dieser bekannten Kinderkrankheiten bekommen. Und das, weil irgendjemand da draußen rumrennt, der aus Unwissenheit oder Überzeugung nicht geimpft wurde. Nein danke! Das will ich unter keinen Umständen.

Impfpflicht für Kinder

Ich lasse mich bei dem Thema Impfen nicht nur auf keine Diskussionen ein, ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und fordere eine deutschlandweite Impfpflicht für Kinder. Das gab es in Deutschland zum Beispiel bereits für die Pocken.

Warum ist es heutzutage, unter Zugrundelegung der Statistiken aktueller Masern-Erkrankungen, nicht möglich, eine Impfpflicht für die gängisten Kinderkrankheiten einzuführen und die Kinder von Kita und Schule bei Nichteinhaltung auszuschließen? So fordern es Ärzte bereits seit Jahren. Das würde zumindest die Debatte um das Für und Wider einer Impfung im Keime ersticken.

Aber so lange das in diesem Fall fragwürdige Recht auf Selbstbestimmung höher gewichtet ist als die (soziale) Verantwortung für seine eigenen Kinder bzw. die Gefährdung anderer Kinder, werden wir wohl weiterhin von Masern-Epidemien und ähnlichen Ausbrüchen lesen müssen. Oder aber zusehen müssen, wie unsere Kinder eine Krankheit durchmachen, die aufgrund einer einfachen Impfung vermeidbar gewesen wäre.

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Der Beitrag erschien ursprünglich auf dem Blog der Autorin.

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