Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform f├╝r kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Jessika Rose Headshot

Warum ich meine Kinder impfen lasse - Pro Impfpflicht in Deutschland

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
HIPSTER MOTHER CHILD
teksomolika via Getty Images
Drucken

├ľffentlich ├╝ber's Impfen zu schreiben ist in etwa so waghalsig wie im neuen Bikini ins Haifischbecken zu springen. Ich wage diesen Sprung trotzdem, denn die aktuellsten Meldungen ├╝ber den Wiederausbruch der Masern und erste Epidemien in deutschen Gro├čst├Ądten sind alarmierend.

Als ich mit Hannah schwanger war, kam ein Kollege auf mich zu und wollte meine Meinung zum Thema Impfen h├Âren. Ich lie├č ihn ausreden, denn ich ahnte bereits, dass nach einer kurzen Pause ein Nachsatz folgen w├╝rde, wie gef├Ąhrlich das Impfen sei und dass sie (er und seine Frau) sich dagegen entscheiden w├╝rden, weil unz├Ąhliche Studien beweisen, dass das "durchmachen" der Krankheiten wesentlich weniger Risiken mit sich br├Ąchte, als die fatalen Folgen einer Impfreaktion.

Ich beendete damals das Gespr├Ąch an genau dieser Stelle, noch bevor es eigentlich begonnen hatte. Denn ich bin wahrlich der falsche Gespr├Ąchspartner, wenn es um eine Impfdiskussion geht. ├ťber derartige Notwendigkeiten, die schlichtweg in meiner Verantwortung als Mutter liegen, diskutiere ich nicht.

Eine Abw├Ągung Pro oder Kontra Impfen ist ├╝berfl├╝ssig

Vielleicht eines vorweg: Ich lebe nach dem Motto "Leben und leben lassen". Ich verurteile weder bestimmte Erziehungsstile, noch w├╝rde ich mir erlauben ├╝ber den Umgang anderer Leute mit ihren Kindern zu urteilen. Beim Thema Impfen habe ich allerdings eine radikale Meinung. Wer mit dieser nicht umgehen kann, der m├Âge bitte hier das Lesen beenden.

Ich bin als Kind komplett durchgeimpft worden. Und ich habe das gleiche bisher auch mit Emma gemacht. Nat├╝rlich setzt man sich als Mutter erstmals ernsthaft mit dem Thema Impfen auseinander, wenn das eigene Kind geimpft werden soll.

Aber es stand f├╝r mich pers├Ânlich nie zur Debatte auch nur fl├╝chtig abzuw├Ągen, ob ich mein Kind einer Impfreaktion aussetze oder es, m├Âglicherweise erst Jahre sp├Ąter, der Gefahr von Sp├Ątfolgen einer durchgemachten Erkrankung ├╝berlasse. Ich habe nicht mal, und das, obwohl ich ein Kind der Generation Google bin, dar├╝ber nachgedacht, mir die Risiken einer Impfung durchzulesen. Nicht Impfen stand nie zur Debatte. Punkt.

Es liegt in meiner Pflicht als Mutter diese verantwortungsvolle Entscheidung F├ťR eine Impfung zu treffen. F├╝r meine Kinder, f├╝r andere Kinder und am Ende f├╝r mich selbst.

Berlin erlebt derzeitig den heftigsten Masern-Ausbruch seit 2001. Schuld daran sind verh├Ąngnisvolle Impfl├╝cken, sei es aus Unwissenheit (viele der geimpften Kinder haben in den letzten Jahrzehnten nur eine der zwei notwendigen Impfdosen erhalten) oder aber aus absurden ├ťberzeugungen.

So titelt die S├╝ddeutsche Zeitung mit ihrem aktuellen Artikel. Das Robert-Koch-Institut registrierte 375 F├Ąlle von Masern in Berlin, 254 davon im Januar. Auch andere deutsche Gro├čst├Ądte sind betroffen. Tendenz steigend.

2016-05-31-1464707764-8035973-unterschaetztekrankheit.jpg

Masern-Parties und absurde ├ťberzeugungen

Ich frage mich ernsthaft, wie so etwas heutzutage noch passieren kann. Sollten die Masern in Deutschland doch eigentlich 2015 ausgerottet worden sein, ist nun das traurige Gegenteil der Fall.

Und das offenbar, weil sich weiterhin absurde Theorien halten, dass Impfen bestimmte Krankheiten oder Allergien ausl├Âse oder die Impfreaktionen weitaus schlimmer seien, als das "durchmachen" der Krankheit. Schlie├člich schade es ja nicht, das Immunsystem zu st├Ąrken.

Ich finde es unverantwortlich, dass in bestimmten Teilen Deutschlands, ja auch Berlins, richtige Masern-Parties und Co. veranstaltet werden, um die Kinder zu infizieren und eine "nat├╝rliche Immunit├Ąt" aufzubauen. Das grenzt in meinen Augen an K├Ârperverletzung. Wie kann ich als Mutter meinem Kind freiwillig, ja sogar mutwillig eine ernsthafte Kinderkrankheit zumuten?

Das Risiko einer Impfung ist tausend Mal so gering wie jenes f├╝r schwere Masern-Komplikationen. Genauso unverantwortlich finde ich es, dass Eltern, die sich gegen die Impfung ihres Kindes entscheiden, andere Kinder einem zus├Ątzlichen, vor allem aber unn├Âtigen Risiko aussetzen.

Ich m├Âchte an dieser Stelle ausdr├╝cklich NICHT diskutieren, wie schlimm es aber Kinder getroffen hat, die eine schwere Impfreaktion erlitten und davon Sch├Ąden zur├╝ckbehalten haben.

Impfen eines herzkranken Kindes

Bis ich mit Hannah schwanger wurde, stand f├╝r mich das Abw├Ągen der Risiken einer Impfung nie zur Diskussion. Nachdem Hannah mit ihrem schweren Herzfehler im Gep├Ąck geboren war, stand ich unserem Kardiologen und Kinderarzt dann doch verunsichert gegen├╝ber.

Ich wollte sie auf der einen Seite keinem zus├Ątlichen Risiko aussetzen, auf der anderen Seite sollte sie aber nat├╝rlich auch nicht unn├Âtig eine Kinderkrankheit durchmachen m├╝ssen. Hannah's Arzt kl├Ąrte uns fair und vor allem transparent auf und ├╝berlie├č uns die volle Entscheidung, f├╝r oder gegen bestimmte Impfungen.

Und auch Hannah wurde am Ende gegen alles geimpft - au├čer gegen die Rota-Viren. Sie bekommt sogar zwischen Oktober und April aufgrund ihres Herzfehlers alle 4 Wochen eine Synargis-Impfung, die sie gegen den RS-Virus sch├╝tzt (├Ąhnlich einer Lungenentz├╝ndung).

Nat├╝rlich hat auch sie, wie ihre Schwester und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unz├Ąhlige andere Kinder von einigen Impfungen Fieber bekommen. Weitaus dramatischer w├Ąre es jedoch f├╝r sie, w├╝rde sie auch nur eine dieser bekannten Kinderkrankheiten bekommen. Und das, weil irgendjemand da drau├čen rumrennt, der aus Unwissenheit oder ├ťberzeugung nicht geimpft wurde. Nein danke! Das will ich unter keinen Umst├Ąnden.

Impfpflicht f├╝r Kinder

Ich lasse mich bei dem Thema Impfen nicht nur auf keine Diskussionen ein, ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und fordere eine deutschlandweite Impfpflicht f├╝r Kinder. Das gab es in Deutschland zum Beispiel bereits f├╝r die Pocken.

Warum ist es heutzutage, unter Zugrundelegung der Statistiken aktueller Masern-Erkrankungen, nicht m├Âglich, eine Impfpflicht f├╝r die g├Ąngisten Kinderkrankheiten einzuf├╝hren und die Kinder von Kita und Schule bei Nichteinhaltung auszuschlie├čen? So fordern es ├ärzte bereits seit Jahren. Das w├╝rde zumindest die Debatte um das F├╝r und Wider einer Impfung im Keime ersticken.

Aber so lange das in diesem Fall fragw├╝rdige Recht auf Selbstbestimmung h├Âher gewichtet ist als die (soziale) Verantwortung f├╝r seine eigenen Kinder bzw. die Gef├Ąhrdung anderer Kinder, werden wir wohl weiterhin von Masern-Epidemien und ├Ąhnlichen Ausbr├╝chen lesen m├╝ssen. Oder aber zusehen m├╝ssen, wie unsere Kinder eine Krankheit durchmachen, die aufgrund einer einfachen Impfung vermeidbar gewesen w├Ąre.

2015-11-12-1447332656-6784274-Facebook2.jpg

Der Beitrag erschien urspr├╝nglich auf dem Blog der Autorin.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform f├╝r alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Prophylaxe mit Antik├Ârper: Studie macht Hoffnung: K├Ânnen wir uns bald gegen Migr├Ąne impfen?

Lesenswert: