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Der größte Fehler, den Tierbesitzer machen, wenn es zu Ende geht

23/09/2015 11:31 CEST | Aktualisiert 23/09/2016 11:12 CEST
Tim Hale via Getty Images

Wenn ich einen riesigen Rotstift hätte und einen Satz für alle Zeit aus der Standard-Tierazt-Unterhaltung streichen könnte, dann wären das folgende Worte: "Sie werden wissen, wann es soweit ist."

Auf den Blick warten

Wäre es nicht großartig, wenn Haustiere einen kleinen Knopf hätten, der aufleuchtet, wenn sie bereit sind, eingeschläfert zu werden? Das würde eine Menge Qualen ersparen. Und zwar dem liebevollen Besitzer des Tiers, der sich mit einer der schwierigsten Entscheidungen im Leben eines Tieres herumschlägt. Aber so funktioniert es leider nicht.

Vielleicht habt ihr schon mal von "dem Blick" gehört, den Tiere angeblich aufsetzen, wenn sie bereit sind, von dieser Erde zu scheiden. "Du wirst ihn erkennen, wenn du ihn siehst," sagen sie und sie haben recht.

Die starke emotionale Bindung, die zwischen Tier und Besitzer entsteht, wenn das Tier bereit ist, zu gehen, ist schwer zu beschreiben. Ich habe das oft gesehen und ich stimme zu, dass es schwer zu übersehen ist. Das Wissen, dass das Tier einverstanden zu sein scheint, dass es an der Zeit für neue Abenteuer ist, gibt dem Besitzer eine wichtige Bestätigung.

Das einzige Problem ist, dass das nicht immer passiert.

Haustiere kommunizieren mit uns auf verschiedene Arten. Nicht nur mir bedeutungsvollen Blicken. Und zwar mit ihrem Verhalten. Tierärzte erleben in der letzten Phase des Lebens eines Haustieres deutliche Zeichen und Momente, die klarer sind als nur "ein Blick".

Diese Verhaltensweisen können der Schlüssel zu einer Antwort sein, wenn der Besitzer auf ein Zeichen wartet, aber alle Verhaltensweisen seines Tieres als Kommunikation ignoriert.

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Der Vorteil einer Lebensanalyse

Appetit, Beweglichkeit, Hydrierung, Schmerz, Interesse an der eigenen Umwelt und Hygiene sind alles sehr spezifische Kategorien, die wir in Betracht ziehen können, um die Lebensqualität eines Hundes zu bestimmen.

Nehmt das weniger als eine "ja/nein"-Unterscheidung, sondern mehr als eine Art Spektrum auf dem Weg eines Tieres in Richtung Tod. Es gibt eine große Grauzone gegen Ende, in der die Besitzer noch gute Argumente gegen "es ist an der Zeit" finden können. Das ist die Qual und die Last, die Haustierbesitzer tragen müssen.

Ich mag die Analyse der Lebensqualität, die mehrere Variablen verwendet, um den Zustand eines Hundes zu bestimmen. Denn viel zu häufig konzentrieren sich Menschen nur auf eine Sache.

"Radar hat sich die ganze Woche nicht bewegt," sagt dann ein Hundebesitzer. "Er jault die ganze Nacht und macht sich und meine Hosen ständig nass. Aber gestern hat er ein Stück Hot Dog gegessen und einmal mit dem Schwanz gewedelt, also ist es wohl noch nicht soweit."

In diesen Fällen sage ich dem Besitzer: "Wir müssen nicht erst warten, bis jeder Moment im Leben eines Hundes zur Qual geworden ist, um die Entscheidung zu treffen, ihn einzuschläfern."

Es ist in Ordnung, es im Guten zu beenden. Es ist einer der Vorteile der Euthanasie, dass wir uns verabschieden können. Und zwar in einer friedlichen Situation. Dass wir dem Tier und uns selbst die Qualen ersparen können, die alle Beteiligten erleiden müssten, wenn es in einem schmerzhaften Moment passiert.

Der Tod war mir immer unheimlich. Wie den meisten Menschen. Aber nach Jahren, in denen ich mit dem Ableben von Tieren gearbeitet habe, habe ich mich zwar vielleicht nicht mit ihm angefreundet, aber wir haben nun eine Art kollegiales Verhältnis.

Mit diesem Wissen kann ich euch nur eine Sache ganz sicher sagen: Der einzige Moment, in dem ihr ganz sicher und vollkommen ohne Zweifel wissen könnt, dass es an der Zeit ist, ist, wenn euer Tier aufhört zu atmen. Alles andere lässt Raum für Interpretationen zu.

Es passiert nur sehr selten, dass Menschen zu mir sagen, dass sie glauben, ihr Tier zu früh gehen gelassen zu haben. Meistens ist es eher das Gegenteil. Dass sie zu lange gewartet haben. Wir haben da einen Spruch, den ich meinen Kunden täglich wiederhole: "Es ist besser, eine Woche zu früh dran zu sein, als eine Minute zu spät."

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Franca Lavinia Meyerhöfer aus dem Englischen übersetzt.

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