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Warum ich verdammt nochmal keine Lust mehr habe, mich zu ändern

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JESSICA SEMAAN
Jessica Semaan
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Ich habe versucht, mein Aussehen zu verändern, seit meine Balletlehrerin mich rausgeworfen hat, weil ich zu dick war.

Ich habe versucht, im BWL-Studium produktiver zu werden und gleichzeitig nach dem Motto Play Hard, Party Hard zu leben - was eine Bewährungsstrafe und beinahe meinen Rausschmiss aus der Uni zur Folge hatte.

Ich bin an dem Versuch gescheitert, mich für eine Beziehung zu verändern, damit ich nicht mehr so emotional rüberkomme.

Ich habe versprochen mich zu verändern - meiner Mutter, meinem Nachbarn und meinem Chef (für den ich nie Respekt empfunden habe).

Ich habe jedes verdammte Silvester neue Neujahrsvorsätze aufgeschrieben, um mich zu verändern.

Ich habe sogar digitale und nicht-digitale Programme gekauft, die versprochen haben mir dabei zu helfen mich zu verändern, um eine Morgenperson, eine Läuferin, eine total entspannte Freundin (die jeder Mann und jede Frau heiraten will), eine pünktliche Geschäftsfrau und so weiter zu werden.

Ich habe jede blöde Liste im Internet darüber gelesen, was ich verändern muss, um glücklicher, produktiver, erfolgreicher - eben mehr wie eine imaginäre Heldin zu werden, die es eigentlich nicht gibt.

Und wisst ihr was? Ich habe mich nicht verändert.

Wenn ich mich verändert habe, dann höchstens für einen Tag oder eine Woche.

Was aber langfristig wirklich passiert ist, ist dass ich immer enttäuschter wurde - von mir selbst, dem Leben, den Menschen und sogar von Hunden und Katzen.

Ich wurde eine verbitterte, wütende, mürrische Seele.

Was ich getan habe?

ICH HABE AUFGEHÖRT, MICH SELBST VERÄNDERN ZU WOLLEN.

Anstattdessen habe ich angefangen, mehr ich selbst zu werden.

Ich habe angefangen, all die Schichten Bullshit abzulegen, die ich mir in 30 Jahren so auferlegt habe und die eigentlich NICHT zu mir gehören.

Ich habe all die Wände voller Erwartungen eingerissen, die ich aufgebaut hatte, weil ich dachte, dass ich nicht perfekt genug wäre für all die Lehrer, Chefs, Investoren und Typen.

Ich habe endlich die Künstlerin in mir akzeptiert, die all die Jahre nach Aufmerksamkeit geschrien hat.

Die wilde Frau, die die Wahrheit sagen will, egal was die anderen sagen.

Den Menschen, der über das Elend in der Welt weinen will und sich in die Geheimnisse und Schätze der Welt verlieben will.

Ich habe akzeptiert, dass ich nie einen Marathon laufen werde und meine Beziehungen nie ohne Streitigkeiten verlaufen werden und dass ich meinen Scheiß in 50 Prozent der Situationen nicht geregelt bekomme.

Ich habe mich von der Idee verabschiedet, auf dem Papier erfolgreich aussehen zu müssen, in einem bestimmten Alter eine Familie und Kinder zu haben, nach Amerika zu passen, wo ich lebe oder in den Libanon wo ich herkomme.

UND DANN IST ETWAS MAGISCHES PASSIERT.

Ich habe angefangen, fünf Mal die Woche zu trainieren, ich bin sogar ganze DREI Kilometer gelaufen (mit Hügeln und allem!).

Ich habe angefangen, öfter 'Nein' zu sagen - was zur Folge hatte, dass ich mir nicht mehr zu viel vornahm und stattdessen pünktlicher geworden bin.

Ich habe geschrieben, als ob es kein Morgen gäbe. Ich habe jeden Tag Gedichte geschrieben. Weil ich aufgehört habe, mir meinen Arsch dafür aufzureißen, um meine Artikel in einem Magazin gedruckt zu sehen, das sowieso niemand liest - bis auf die Überschriften. Meine Gedichte und Artikel wurden genau dann veröffentlicht, als es mir egal wurde, ob das jemals passieren würde.

Ich mache all das, was ich immer tun wollte, wenn ich die Liebe meines Lebens treffe - nur eben ALLEIN. Weil es egal ist.

(P.S.: Wo zum Teufel bist du, große Liebe?)

Hör mir gut zu.

Du hast so viel Potenzial in dir. SO viele Begabungen. Es wird dich umhauen.

Also hör auf deine Seele zu begraben. Hör auf das Genie in dir mit Überflüssigem zuzumüllen.

Zieh dich alleine aus. Sieh dir dein nacktes Selbst im Spiegel an.

Das ist es.

Sei nackt. Lebe nackt. Blühe nackt auf. Fliege nackt.

Wir alle lieben dein nacktes Selbst mehr.

Dieser Text erschien im Original auf Medium.com und wurde von Catherina Kaiser aus dem Englischen übersetzt.

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