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Franz Erhard Walther in Toronto

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ÔÇ×Was hat denn das mit Kunst zu tun?" Dieser Frage begegnete Franz Erhard Walther schon als junger K├╝nstler. Seine Antwort dass es sich bei seiner Kunst um eine ÔÇ×Skulpturensituation" handle, ├╝berzeugte in den sp├Ąten 60er Jahren niemanden.

Walthers Kunstbegriff war schon immer ein radikalerer, und es scheint als h├Ątte die internationale Kunstwelt sich ihm mit der Zeit angen├Ąhert. ÔÇ×Fr├╝her war es selbstverst├Ąndlich dass eine Skulptur oder ├╝berhaupt ein Werk da war, aber es konnte nicht in der Zeit existieren," erkl├Ąrte er. Walthers Ansatz erlaubt einem Werk f├╝r einen gewissen Zeitraum real zu existieren und dann wieder zu verschwinden.

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Auf seine lange k├╝nstlerische Schaffenszeit zur├╝ckblickend wirkt der 77-j├Ąhrige der schon auf der Dokumenta '72 mit Joseph Beuys f├╝r Furore sorgte, aufger├Ąumt und ein bisschen stolz. ÔÇ×Ich war immer einsam und alleine," sagte Walther, der sich nie mit den Begriffen, die Andere seiner Kunstform anheften wollten, anfreunden konnte. Von aktionistischer minimal art in den 60ern zu body art und land art lehnte er alles ab.

Keine Performance!

Und dann kamen sie mit performance! ÔÇ×Das ist keine performance! Performance ist im Grunde erweitertes Theater - sie agieren vor Publikum. Hier sind die Akteure und Akteurinnen ihr eigenes Publikum. Das ist eine ganz andere Werkkonzeption," erkl├Ąrte er im Museum Powerplant in Toronto, das als erstes Museum in Kanada eine gro├če Einzelausstellung des Deutschen zeigt.

Sitzend auf einem seiner ersten Werks├Ątze erholte sich der K├╝nstler von einer solchen Werkaktivierung. Dieses Mal haupts├Ąchlich mit Kindern. Da die Originale zu fragil sind, um noch aktiviert zu werden, steckten die kunstbegeisterten Kinder und einige wenige Erwachsene ihre K├Âpfe, H├Ąnde und F├╝├če in eine von 26 Replikationen aus Stoff die genau zu diesem Zweck angefertigt wurden.

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ÔÇ×Der Kleine hier, der k├Ânnte genauso gut ein Bettlaken haben," beobachtete Walther einen seiner enthusiastischen Kunstaktivierer. Der sieben-j├Ąhrige Matthew Zhao, der mit seiner Mutter an der Aktion teilnahm und zu den Stammg├Ąsten in der Galerie geh├Ârt, war begeistert. ÔÇ×Ich mache mit, weil es lustig ist und mich gl├╝cklich macht," sagte er.

Aktivierung l├Ąsst ├╝ber Zeit nachdenken

Die mehr oder weniger langen Stoffst├╝cke m├╝ssen in einer bestimmten Art und Weise auseinandergefaltet und wieder zusammengelegt werden. ÔÇ×Das verlangsamt einen und man denkt ├╝ber die Zeit anders nach," bemerkte Powerplant Mitarbeiterin Nadijah Robinson, die die Aktivierungsaktion gemeinsam mit Walther leitete.

Am Ende bildeten neun Kinder und Erwachsene eine walking sculpture of nine (neunk├Âpfige laufende Skulptur) und paradierten durch das gesamte Untergeschoss der Galerie. ÔÇ×Am Anfang war es ein komisches Gef├╝hl," sagte Brad Allen aus Rochester, New York, der die Aufgabe hatte, die laufende Skulptur auf Trab zu halten. Auf der anderen Seite genoss er den etwas anderen Kunstansatz, bei dem er mitwirken durfte. ÔÇ×Man denkt sonst immer Kunst sei etwas Vorgegebenes." Hier sei das nicht so.

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Obwohl Walther, der eine 15-j├Ąhrige Tochter hat, nach der Kinderaktion etwas ersch├Âpft schien, blickte er doch zufrieden auf den Tag und seine Karriere zur├╝ck. Er f├╝hle sich nicht mehr so allein mit seinem Kunstbegriff und nahm auch wahr, dass sich die Rezeption seiner Kunst ge├Ąndert hat. ÔÇ×Junge K├╝nstler haben diese Konzeption aufgegriffen. F├╝r die bin ich so etwas wie eine Vaterfigur."

ÔÇ×Das bedeutet schon etwas. Auch wenn ich als K├╝nstler wei├č ich habe etwas wichtiges gemacht - vergessen werden ist nicht so sch├Ân," bemerkte er abschlie├čend.

Franz Erhard Walther @ Powerplant Toronto, 231 Queens Quay West, Toronto, Ontario M5J 2G8, Canada, noch bis 26. September 2016.

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