BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Jessica Bensten Headshot

Liebe Krankenschwestern, erst als mein Sohn Krebs bekam, begriff ich, wie viel ihr leistet

Veröffentlicht: Aktualisiert:
KRANKENSCHWESTER
dpa
Drucken

Ich habe ihre wahre Aufgabe erst verstanden, als ich 26 war und mein 13 Monate alter Sohn an Krebs erkrankte.

Bevor Jackson mit Krebs diagnostiziert wurde, hatte ich mit Krankenschwestern nicht viel zu tun. Ich hatte keine Vorstellung von ihnen, abgesehen von der Schulkrankenschwester oder der netten Frau, die mir keine Spritzen setzen wollte, es aber trotzdem tat. Für mich waren Krankenschwestern nur Assistentinnen der Ärzte. Ich hätte es besser wissen sollen.

Mehr zum Thema: Manche Menschen werden nie verstehen, was es bedeutet, Krankenschwester zu sein - aber das solltet ihr wissen

Meine Großeltern mütterlicherseits lebten 50 Jahre lang neben einer Krankenschwester. Wie die meisten von ihnen war sie die erste, die sich freiwillig meldete, um einen Schnitt oder eingeklemmten Finger zu verarzten. Meine Großeltern vertrauten ihr blind. Es war diese Krankenschwester von nebenan, die meiner Großmutter das lebensrettende Benadryl injizierte, bevor der Krankenwagen kam, als sie einen allergischen Schock hatte.

Trotzdem habe ich ihre wahre Aufgabe nicht verstanden, bis ich 26 war und mein 13 Monate alter Sohn an Krebs erkrankte.

Ich lernte gleich am ersten Tag, dass Krankschwestern den Kern von allem bilden. Von ALLEM. Denn:

Sie geben dir Selbstvertrauen

Wenn dein Kind die allererste schwere Operation hinter sich hat und mit Bandagen umwickelt, am Tropf hängend, mit geschwollenen und schmerzendem Körper den OP verlässt, weißt du zunächst gar nicht, wie du dich um es kümmern kannst.

Du fragst dich: Kann ich es halten? Darf ich es anfassen? Tue ich ihm weh? Wird es ihm gut gehen? Liegt es bequem? Wofür ist dieses Kabel? Warum sieht das so aus? Ist das normal? Ich habe Angst. Die Person, die bei allem dabei ist, ist die Krankenschwester. Und sie steht dir bei. Sie sagt: Du schaffst das. Lass mich dir zeigen, wie.

Sie sind Lehrer

Krankenschwestern behalten ihr Wissen nicht für sich. Sie wollen ihre Weisheit vermitteln, damit du Teil des medizinischen Teams wirst. Eine Krankenschwester brachte mir bei, wie man mit einem Katheter umgeht. Eine andere zeigte mir, wie man ein Pulse Ox mithilfe einer Socke an einem flutschigen Babyzeh befestigen kann.

Mitten in der Nacht lehrte mich eine weitere Krankenschwester, wie ich einem auf dem Bauch schlafenden Kind die Windeln wechseln kann, ohne es zu wecken. Sie zeigte mir, wo das Spielzimmer ist und wo eine ruhige Ecke zum Weinen. Krankenschwestern machen dich zu einem schlaueren Menschen.

Sie machen dir Mut

Ich wollte keine Krebs-Mama sein, aber ich war es. Ich wollte keine Frühchen-Mama sein, aber ich war es. Wenn du schlechte Nachrichten bekommst, ist die Krankenschwester da, um dich auf den nächsten Schritt vorzubereiten. Sie motiviert dich dazu, dich über die Bedürfnisse deines Kindes zu informieren.

Mehr zum Thema: Brief einer Krankenschwester an alle Eltern, die mit ihren Kindern ins Krankenhaus kommen

Sie macht dir Mut, dich auszudrücken, Fragen zu stellen, dich für dein Kind einzusetzen und die fürsorgliche Mutter zu werden, die du dir nicht einmal geträumt hast, zu sein. Krankenschwestern machen einen stärkeren und proaktiveren Elternteil aus dir.

Sie sind stark

Wenn du jemals erlebt hast, wie eine Krankenschwester einem Arzt Paroli bietet, dann weißt du, wie stark sie sind. Wenn ein ungebetener Gast auf der Station erscheint, werden Krankenschwestern furchteinflößender als jeder Türsteher in einem Nachtclub in Hollywood.

Kennst du diese Leute? Willst du, dass ich dafür sorge, dass sie gehen? Krankenschwestern kontaktieren Ärzte, die im Urlaub sind, stören Apotheker beim Mittagessen, um nach Nebenwirkungen zu fragen und unterbrechen Sozialarbeiter bei ihren Meetings auf anderen Stationen. Krankenschwestern wissen, was wo los ist und kennen jeden. Okay?

Sie geben Leben

Nicht immer, richtig? Finde ich nicht. Krankenschwestern bringen Babys zur Welt und halten die Hände ihrer Patienten, wenn sie die Welt verlassen. Krankenschwester sein heißt oft, dass du da bist, wenn das Schlimmste passiert. Du bist hautnah dabei, wenn eine Familie ein neues Leben erhält, das ihnen vielleicht Angst macht.

In diesem Moment geben Krankenschwestern Leben: Sie finden warme Worte, liebevolle Gesten und folgen deinen Bedürfnissen. Eine Krankenschwester päppelt dich wieder auf, zeigt dir den ersten Schritt... und dann den nächsten... und den nächsten... bis du stark genug bist, um in deinem neuen Leben alleine zu gehen.

Danke an alle unsere Krankenschwestern, alle, egal in welchen Städten wir euch getroffen haben.

Danke, dass ihr unser Kind geimpft habt. Niemand mag diesen Job, aber jemand muss es eben tun.

Danke, dass ihr genügend Mitgefühl habt, um ein schreiendes Kind zu beruhigen, das gerade aus der Narkose aufwacht.

Danke, dass ihr den guten Saft für uns gefunden habt.

Danke, dass ihr mir beigebracht habt, wie ich meinem Kind Spritzen setze.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Danke, dass ihr auch nach Schichtende geblieben seid, um sicherzugehen, dass es uns gut geht.

Danke für eure Anregungen, für alle.

Danke für das Tylenol, das ihr mir gegeben habt, wenn ich Kopfschmerzen hatte, obwohl ich nicht mal die Patientin war.

Danke für die Tränen, die auch eure Augen füllten, wenn die Nachrichten nicht gut waren.

Danke, dass ihr zusammen mit uns vor Freunde getanzt habt, wenn sie gut waren.

Danke für euren Sinn für Humor und euer Kuckuck-Gesicht an der Glastür. Auch ich musste drüber lachen.

Danke für alles, was ihr vor meinen Augen getan habt und alles, was ihr getan habt, wenn ich gerade auf mein Kind achtete.

Danke, dass ihr an eurem freien Tag immer noch die Krankenschwester von nebenan wart.

Euer Job ist nicht nur ein Job. Er ist eine Berufung. Danke, dass ihr euch kümmert.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der US-amerikanischen Ausgabe der HuffPost.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.