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Für Kinder gehört Mobbing, Gewalt und Diskriminierung zur Tagesordnung - wir machen die Städte für sie sicher

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MOBBING
dpa
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Unsere Kinder wachsen heute in einer Gesellschaft auf, in der Mobbing, Gewalt und Diskriminierung zur Tagesordnung gehören. Ob auf dem Spielplatz oder in der Schule - täglich passiert viel zu viel, was Kindern schadet.

Früher gab es im öffentlichen Raum viele Anlaufstellen für Kinder - zum Beispiel den Tante Emma Laden um die Ecke. Man kannte sich und jeder hatte ein Auge auf die Kleinen.

Heute ist das anders. Wir leben in einer anonymen Welt. In einer "ins handyreinschauenden Gesellschaft", die nicht mehr nach oben guckt. Die nicht sieht, ob es einem Kind gut oder schlecht geht. Die meist weg schaut, wenn auf der Straße ein Junge fertig gemacht wird. Keiner mischt sich ein. Keiner traut sich. Lieber geht man auf Nummer sicher und hält den Mund.

Zivilcourage - das ist ein schönes Wort, das in der Realität jedoch zu wenig gelebt wird. Die Konsequenz: Viele Kinder sind auf sich allein gestellt und werden Opfer von Mobbing, Diskriminierung und Gewalt.

Das wollte ich nicht länger mit ansehen und habe die Idee der Notinsel entwickelt.

"Wo wir sind, bist Du sicher"

Damit Kinder nicht auf ihren Wegen verloren gehen, hat die Stiftung Hänsel + Gretel mit der Notinsel ein Zeichen geschaffen, das Kindern sichere Zufluchtsorte bietet. An 226 Standorten deutschlandweit signalisieren ca. 20.000 Geschäfte, die das Notinsel-Symbol an der Tür tragen, den Kindern "Wo wir sind, bist Du sicher."

Die Idee hatte ich 2002. Ich wollte, dass es im öffentlichen Raum mehr Anlaufstellen für Kinder gibt und auch Eltern aktiv werden können z.B. mit ihren Kindern den Schulweg gemeinsam bessern planen können.

Auch wenn Kinder nur den Schlüssel verloren haben oder Angst haben vor Mitschülern, hilft die Notinsel. Die Notinsel soll ein Signal unserer Gesellschaft nach außen sein. Nach dem Motto: Wir schauen nicht weg. Wir sind für euch da. Wir kümmern uns um euch.

Kinder sind Gewalt und vielen Gefahren meist schutzlos ausgeliefert. Sie sind die Schwächsten und damit schutzbedürftigsten Mitglieder unserer Gesellschaft. Ich finde, dass wir alle als Erwachsene die Verantwortung für sie tragen. Und nicht nur die Notinseln, sondern jeder einzelne Bürger.

Ein wichtiges Zeichen der Gesellschaft für mehr Zivilcourage

Ich mische mich immer ein. Letztens habe ich zum Beispiel gesehen, dass ein Mann auf dem Spielplatz vor Kindern raucht. Ich habe ihn darauf hingewiesen, dass das nicht in Ordnung ist und er aufhören soll. Er hat mich stark beschimpft sogar mit Gewalt gedroht. Trotzdem würde ich immer wieder etwas sagen. Ich versuche den Kinder auf diese Weise eine Stimme zu geben. Ich sage das, was sie selbst noch nicht sagen oder sich nicht trauen.

Besonders freut es mich, dass wir mittlerweile fast 20.000 Notinseln haben. Begonnen hat alles mit einem Bäcker, der zur ersten Notinsel wurde. Viele andere Geschäfte haben sich angeschlossen, aber nicht nur das.

Auch Schulen sind ab sofort selbst aktiv dabei Notinseln zu suchen, das Pilotprojekt dazu startet aktuell in Berlin. Mittlerweile sind wir bundesweit ein richtig großes Netzwerk, das schon vielen Kindern geholfen hat aber vor allem auch ein wichtiges Zeichen der Gesellschaft für mehr Zivilcourage und gegen potentielle Täter ist.

Alle Infos über die Notinsel finde ihr hier.

Der Beitrag wurde von Julius Zimmer und Katharina Hoch aufgezeichnet.

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