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Quo vadis - CeBIT ?

15/03/2016 20:57 CET | Aktualisiert 16/03/2017 10:12 CET

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Die CeBIT feiert dieses Jahr 30-jähriges Jubiläum - sicher ein guter Grund zur Rückschau und für einen gewagten Blick in die Zukunft.

Wie alles anfing

Wir schreiben das Jahr 1970: Zum Auftakt der damals bereits weltweit bekannten und bedeutenden „Hannover Messe" wird am 25.April, in Gegenwart des damaliger Kanzlers Willy Brandt, die „Halle 1" eingeweiht. Diese neuartige, riesige Halle sollte künftig die Heimat für das CeBIT (Centrum für Büro- und Informationstechnik) sein.

Die folgenden Jahre waren geprägt von einem rasanten Wachstum der Informations- und Kommunikationstechnologie, sowie der Emanzipation dieses Wirtschaftsbereiches zu einem unabhängigen Thema. Schließlich sprengte eine immer größer werdende Anzahl an Ausstellern sogar die Kapazitätsgrenze des hannoverschen Messegeländes - trotz seiner immensen Größe.

So entstand 1986 die CeBIT als eigenständige IT-Leitmesse, vom Namen leicht abgeändert in „Centrum für Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation", die immer im März jeden Jahres zusätzlich zur „Industrie-Messe" durchgeführt wird.

Vom Rekordjahr zur Besucherflaute

Die CeBIT avancierte schnell zu einem Erfolgsmodell, ein Spiegelbild der boomenden IT-Industrie, stellte jedes Jahr neue Besucherrekorde auf und erreichte im Rekordjahr 2001 mit über 800.000 Besuchern seinen Höhepunkt.

Die Wende kündigte sich indes bereits mit dem Platzen der Dotcom-Blase im Frühjahr 2000 an, was in der Folge zu einem regelrechten Sterben von Internetunternehmen führte und die gesamte Branche in die Krise trieb. Die zuvor horrende gestiegenen Messekosten konnten und wollten die meisten Unternehmen nicht länger tragen, blieben daher der Messe fern und entsendeten auch entsprechend weniger Fachbesucher.

Verstärkt und überlagert wurde diese Entwicklung von dem Web 2.0 Zeitalter, welches Technologien hervorbrachte, die beliebige Informationen zu jeder Zeit, an jedem Ort und für jede Person verfügbar machte. Ein Messebesuch zur reinen Informationsbeschaffung war damit nicht nur überflüssig geworden, sondern konnte schneller, effizienter und vor allem kostensparender im Büro oder Homeoffice durchgeführt werden. Es hat durchaus ein wenig Ironie, dass das genau jene Werbeversprechen der ausstellenden IT-Unternehmen sind, die seitdem Nutzen und Kosten auch ihres eigenen Messeengagements stärker denn je hinterfragen.

Jedenfalls führten diese und vermutlich auch noch weitere Gründe zu einem erheblichen Aussteller und Besucherrückgang, der sich in den letzten Jahren bei etwas über 200.000 Fachbesuchern stabilisierte.

Ausrichtung auf Businesskunden

Um noch gezielter Geschäftskunden anzusprechen, die Messe zu reprofessionalisieren und Privatpersonen vom Besuch eher abzuhalten, erhöhte man im Laufe der Zeit die Eintrittspreise und richtete die CeBIT jüngst konsequent auf Businesskunden aus. Eine zwischenzeitlich eingeführte „CeBIT-Home", speziell für Privatkunden, musste mangels Beteiligung von Ausstellern indes schnell wieder aufgegeben werden.

Die CeBIT des Jahres 2016 vereinbart damit unter einem Dach Ausstellung, Konferenz, Networking-Formate und Community-Treffs, alles zugeschnitten auf den Geschäftskunden. Damit sind sicherlich die Möglichkeiten einer Attraktivitätssteigerung derartiger Events gut ausgeschöpft, aber wird dies ausreichen, um die Messe fit für die Zukunft zu machen - einer Art CeBIT 4.0?

Die digitale Revolution frisst ihre Kinder

Auf der Hannover Messe 2011 tauchte erstmals der Begriff „Industrie 4.0" auf. Er ist Synonym für die vierte industrielle Revolution, ausgelöst durch bahnbrechende Innovationen der IT-Industrie, wie beispielsweise das Internet der Dinge. Die digitale Revolution, die in ihren zarten Anfängen in den 80er Jahren die Hannover Messe in zwei eigenständige Veranstaltungen, zum einen die „CeBIT" und zum anderen die „Industrie-Messe", zerlegte, lässt diese nun wieder thematisch verschmelzen - die gesamte Wirtschaft wird digitalisiert. Viele Auguren spekulieren daher bereits über eine kommende Wiedervereinigung von CeBIT und Hannover Messe.

Ist eine reine Businessmesse noch zeitgemäß?

Mit dem Topthema der Messe, der digitalen Transformation, steht die aktive Gestaltung der Digitalisierung - und damit der Mensch als Gestalter und Treiber für das Business der Zukunft - im Mittelpunkt der CeBIT 2016. Soweit etwa die Formulierung aus der hauseigenen Pressemeldung vom 20. Januar 2016.

Es sind genau diese Worte, die aufhorchen lassen und nachdenklich stimmen, denn die Digitalisierung betrifft alle Menschen unserer Gesellschaft, nicht nur deren Wirtschaftsvertreter. Ist da eine reine Businessmesse tatsächlich zielführend und zukunftsfähig?

Will die Messe vermitteln, welche Chancen die Digitalisierung für die gesamte Gesellschaft bietet - dann sicher nicht. Nur wenn sämtliche Gesellschaftsteile in den Prozess der digitalen Transformation einbezogen werden, kann sowohl die dringend notwendige Akzeptanz, als auch eine allgemeine Begeisterung für die Möglichkeiten von Zukunftstechnik entstehen.

Genau dazu könnte die CeBIT sich neu erfinden und damit wiederum Geschichte schreiben.

CeBIT 4.0 - eine Messe für alle?

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