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IFA 2016 - Vom Röhrenradio zur künstlichen Intelligenz

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„Offizieller Partner der Zukunft, seit 1924", so klingt es selbstbewusst aus der Public Relation Abteilung der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin. Und tatsächlich, die IFA hat stets den Puls der Zeit aufgegriffen und einem breiten Publikum die neuesten Trends dargeboten. Der Name „Funkausstellung" ist dabei lediglich noch ein Relikt aus vergangener Zeit, eine Art Markenzeichen für eine Qualitätsmesse, bei der schon weltberühmte Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Politik - von Albert Einstein bis Willi Brand - ihre Duftmarken hinterlassen haben.

Heutzutage bezeichnen die Macher der Funkausstellung das Event als globale Messe für die digitale Welt und einer Art >Innovation Show<, mit deren Hilfe dem Besucher moderne Technik vermittelt wird. Natürlich gibt es auch noch „normale" Unterhaltungselektronik und Hausgeräte, jedoch das Schwerpunktthema der IFA verlagert sich in atemberaubender Geschwindigkeit zu intelligent vernetzten Welten, virtuellen Realitäten sowie künstlicher Intelligenz.

Die Erfolgsfaktoren der Ausstellung

Müssen andere große Fachmessen, wie die CeBIT in Hannover, um jeden Kunden kämpfen, eilt die IFA von einem Besucherrekord zum Nächsten. Mit der flächenstärksten Ausstellung ihrer Geschichte erschließt sie erstmals sogar ein zusätzliches Gelände außerhalb des Funkturmareals. Einerseits ist der attraktive Standort mitten in der pulsierenden Metropole Berlin, zusammen mit den umfangreichen Angeboten aus Information, speziellen Events und Konzerten, einer der Erfolgsfaktoren dieser Entwicklung. Andererseits wird die positive Besucherentwicklung durch ein ganz anderes Phänomen überlagert - ja sogar verstärkt:

Die Faszination der digitalen Revolution, mittlerweile in all seinen Auswirkungen für Jeden spürbar, ist endgültig als Megathema in der Bevölkerung angekommen. Die IFA als traditionelle Wissensdrehscheibe nicht nur für Fachpublikum, sondern insbesondere auch für Privatbesucher, kann genau hier seine Trümpfe exzellent ausspielen.

Digitalisierung ist vor allem ein menschliches Thema

Während Digitalisierung in Filmmedien publikumswirksam meist als etwas Bedrohliches - fast schon Bösartiges - dargestellt wird, werden in den Messehallen unter dem Funkturm zahlreiche, für den Menschen nützliche, Anwendungen gezeigt. Es ist der krasse Gegenentwurf zur imaginären Datenkrake „Spectre", die im gleichnamigen James Bond jüngst ihr Unwesen trieb, sowie zu der künstlichen Intelligenz Namens „HAL", die im kürzlich ausgestrahlten Tatort Menschen das Fürchten lehrte.

Technischer Fortschritt wird jedoch nur dann gesellschaftliche Akzeptanz finden, wenn es einer breiten Mehrheit nützt - statt Angst zu verbreiten. Genau das hat mittlerweile auch ein Großteil der Wirtschaftsvertreter verstanden. Wie sagte Siemens Chef Joe Kaeser anlässlich einer Veranstaltung zur Hannover Industriemesse 2016 doch so treffend: „Technologie ist sinnlos, wenn sie Menschen nicht erreicht ...", und die IFA ist ein brillanter Ort, um viele tausend Menschen zu erreichen.

Technik wächst zusammen - geschäftliche- und private Welten verschmelzen

Wie sehr Anwendungen für den privaten- und geschäftlichen Bereich zusammenwachsen und Menschen zum Nutzen gereichen können, zeigen die Showcases aus den Bereichen Virtual Reality, Digital Health und Mobility exemplarisch auf. Virtuelle Realität kann im privaten Gaming ebenso effektiv verwendet werden, wie in der produzierenden Industrie und der Touristikbranche. Digitale Gesundheitsanwendungen vernetzen Arztpraxen, Krankenhäuser und Patienten auch über große Entfernungen. Das Internet der Dinge wird zukünftige Verkehrsmittel miteinander kommunizieren lassen - zum Wohle aller. Weniger Staus, weniger Unfälle, weniger Energieverbrauch - und mehr Lebensqualität.

Wie weit die Zukunft in der Realität bereits umgesetzt ist, das zeigen mehr als 1800 Aussteller auf insgesamt 158.000 qm Fläche unter dem Funkturm. Besonders erfreulich auch, dass immer mehr Ideen darauf abzielen, komplexe Technik nutzerfreundlicher zu gestalten.

Zukunft ist das, was wir aus der Gegenwart machen

Die Funkausstellung avanciert wieder einmal zum Trendsetter für Zukunftstechnologie. Im Zusammenspiel mit vernetzten, intelligenten Robotern lässt sich bereits erahnen, welch gigantische Veränderungen uns Menschen bevorstehen. Wir sind mitten in einem epochalen Wandel, der nicht nur die Wirtschaft umkrempelt, sondern sämtliche Lebensbereiche in eine Art Gesellschaft 4.0 transformieren wird.

Aktueller denn je sind vor diesem Hintergrund die Worte, die Albert Einstein in seiner vielbeachteten Rede, anlässlich der Eröffnung der Funkausstellung des Jahres 1930 in Berlin, wählte: „Was speziell den Rundfunk anlangt, so hat er eine einzigartige Funktion zu erfüllen im Sinne der Völkerversöhnung ...".

Damals war es der Rundfunk, der als Massenmedium seinen Siegeszug um den Erdball antrat, und Einstein sprach in diesem Zusammenhang von wahrer Demokratie und einer Art Teilhabe aller Menschen. Auch wenn böse Geister den Rundfunk in der Folge immer wieder für das krasse Gegenteil missbraucht haben, so hat Einstein dennoch in Summe Recht behalten.

Heute ist es die Digitalisierung, die vor diesen Aufgaben steht - in einem den 30er Jahren teils erschreckend ähnlichen politischen Umfeld.

Insofern sind in Medien verbreitete Horrorszenarien bezüglich des Missbrauchs von Technik als Mahnung durchaus nützlich. Nur sollte es nicht den Blick für die riesigen Chancen verstellen, die Zukunftstechnik bereithält und die von der IFA präsentiert werden - „in lebendigster Form und in der Hauptsache von der liebenswürdigen Seite", wie Einstein es vielleicht auch heute geistreich beschreiben würde?

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