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Umdenken im digitalen Wandel: Mehr Freiraum für Arbeitnehmer

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Die Digitalisierung macht auch vor dem Büro nicht Halt: Steigende Pendlerzahlen und der Trend zum flexiblen Arbeiten verändern das Geschäftsleben. Das Großraumbüro ist auf dem absteigenden Ast. Arbeitnehmer und Arbeitgeber können davon gleichermaßen profitieren.

Wer kennt das nicht: Die endlose Blechlawine am Morgen, die sich den Weg zur Arbeit zieht. Dicht gefüllte Abteile im Zug oder in der U-Bahn. Verspätete öffentliche Verkehrsmittel aufgrund schlechter Wetterverhältnisse. So sehr manche Menschen die Minuten im Auto oder in der Bahn morgens als Start in den Tag genießen - Untersuchungen zeigen, dass Pendeln ab 50 Minuten pro Weg krank machen kann. Nicht nur deswegen überlegen sich immer mehr Unternehmen, wie sie ihren Arbeitnehmern entgegenkommen können. Angetrieben von globaler Konkurrenz, immer kürzeren Innovationszyklen und dem digitalen Wandel läuten immer mehr Unternehmen den Abschied für klassische Arbeitsmodelle und -muster ein.

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Deutschland ist Spitzenreiter beim Pendeln

Deutschland ist eine Nation von Pendlern: Wir befinden uns laut der aktuellen INRIX 2016 Traffic Scorecard weltweit auf Platz fünf der verkehrsreichsten entwickelten Länder und belegen auf europäischer Ebene den vierten Platz. Autofahrer verbringen hier zu Stoßzeiten pro Jahr durchschnittlich 30 Stunden im Stau. Die direkten und indirekten durch Stau verursachten Kosten belaufen sich für 2016 in Deutschland auf 69 Milliarden Euro.

Das hohe Verkehrsaufkommen hat nicht nur starke wirtschaftliche Auswirkungen: Ein langer Arbeitsweg kann sich auch negativ in sozialer und psychischer Sicht auswirken. Langstrecken-Pendler sind laut einer Studie des Ökonomen Bruno Frey mit ihren Lebensumständen unzufriedener als Angestellte mit einem kurzen Arbeitsweg. Sie haben weniger Zeit für Freunde oder Familie. Auch der Stress durch überfüllte Züge oder Staukolonnen auf der Autobahn kann gesundheitliche Schäden wie Bluthochdruck, Schlafstörungen und Kopf- und Rückenschmerzen verursachen. Abhilfe versprechen flexible und mobile Arbeitsmodelle.

Mehr zum Thema: Digital-CEO Jorga im Interview: So funktioniert Digitalisierung wirklich

Mehr Freiraum für mehr Produktivität und höhere Lebensqualität

Davon profitieren Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen. Das zeigt die aktuelle Studie von Polycom, Inc., für die rund 25.000 Erwachsene in zwölf Ländern befragt wurden. Den Wettbewerb um begehrte Talente entscheiden häufig diejenigen für sich, die ihren Mitarbeitern mehr Freiräume bieten, anstatt an alten Mustern festzuhalten.

Hierzu gehört auch das Großraumbüro: 98 Prozent der Studienteilnehmer geben an, dass sie produktiver sind, wenn sie sich aussuchen können, wo sie arbeiten - sei dies Home Office, das Café um die Ecke, oder der Park. Haben sie allerdings die Wahl, bevorzugen viele am liebsten das Einzelbüro - in Deutschland beispielsweise über 40 Prozent. Die Gründe dafür sind vielseitig: Manche befürchten, ungewollte Mehrarbeit durch die „Always-On-Mentalität" leisten zu müssen. 62 Prozent haben Angst, dass sie im Home Office als weniger fleißig wahrgenommen werden. Gleichzeitig sind sie jedoch überzeugt, dass sich diese Problematik durch klare Richtlinien seitens des Arbeitgebers leicht aus dem Weg räumen lässt.

Präsenz ist nicht gleich Produktivität

Die größte Herausforderung in Bezug auf flexible und neue Arbeitsmodelle sind allerdings nicht nur die Erarbeitung von Vorschriften, sondern die Veränderung in der Unternehmenskultur. Prozesse, Leitbilder und Führungskulturen in Unternehmen müssen entsprechend angepasst und flexibles Arbeiten in den Arbeitsalltag integriert werden. Es ist essenziell, dass Vorgesetzte hier mit gutem Beispiel voran gehen, und zeigen, dass die Formel „Präsenz ist gleich Produktivität" nicht mehr gilt: weg vom präsenzgeleiteten hin zum ergebnisorientierten Denken. Die Collaboration-Tools, die das ermöglichen, gibt es schon - sie müssen nur anwendet werden.

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