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Der Freund meines Sohnes war extrem anhänglich - dann erfuhr ich den traurigen Grund

Veröffentlicht: Aktualisiert:
FIVE YEAR OLD BOYS
Jonathan Kirn via Getty Images
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Vor kurzem begleitete ich meinen fünfjährigen Sohn auf einen Ausflug mit seiner Kindergartengruppe zu einem Aquarium, das ungefähr eine Stunde entfernt liegt. Da mein Sohn immer ein wenig Angst davor hat, etwas Neues auszuprobieren, wollte er GAR nicht gerne mitfahren.

Seiner Ansicht nach sollte man auch im Kindergarten BLEIBEN, wenn man erst einmal in den Kindergarten ging, und bei der Vorstellung, dass er in einen großen Bus steigen und den ganzen Tag außerhalb des Schulgebäudes verbringen sollte, flippte er komplett aus. Um ihm seine Ängste zu nehmen, stellte ich mich als freiwillige Begleitperson für die Gruppe zur Verfügung.

Nachdem mein Sohn bei der Abfahrt ein paar Tränen vergossen hatte, schlug er sich sehr gut. Und abgesehen von der Tatsache, dass eine riesige Gruppe von Vorschülern nicht so ganz mein Fall ist (Vorschullehrer sind die WIRKLICH WAHREN HELDEN), hatten wir einen fantastischen Tag.

Der Fünfjährige hatte mich schon nach 30 Minuten ins Herz geschlossen

Meinem Sohn und mir wurde ein weiterer Junge zugeteilt, der sein "Kumpel" für diesen Tag sein sollte. Ich nenne den Jungen jetzt einfach mal Jason. Wie die meisten Fünfjährigen strotzte auch Jason nur so vor Energie, doch er war sehr lieb und die meiste Zeit über schaffte er es auch sehr gut, bei meinem Sohn und mir zu bleiben.

Als wir ungefähr 30 Minuten lang da waren, schien Jason mich bereits richtig ins Herz geschlossen zu haben. Er lief eifrig auf mich zu und nahm meine Hand, sobald wir von einer Abteilung des Aquariums in eine andere wechselten.

Kurz darauf legte er meinen Arm um seinen Hals, weil er wollte, dass ich ihn näher an mich heranzog. Noch etwas später sah er mich mit seinen großen, braunen Augen an und sagte mit vollem Ernst zu mir: "Du bist meine beste Freundin."

"Ohhh, danke, Jason", sagte ich zu ihm. "Ich freue mich auch, dass wir heute Freunde sein dürfen."

Kurz darauf sagte er zu mir: "Ich liebe dich."

An diesem Punkt möchte ich kurz anmerken, dass ich eigentlich gar nicht so toll bin. Ich bin einfach nur eine stinknormale Mama, die ihre eigenen Kinder sehr viel lieber hat als fremde Kinder. Eigentlich bin ich auch gar nicht der Typ dafür, mich als freiwillige Begleitperson für einen Ausflug zur Verfügung zu stellen, weil, naja ... wie ich bereits sagte, ist das alles nicht so ganz mein Ding. Doch aus irgendeinem Grund mochte Jason mich sehr. Um ehrlich zu sein, war er den ganzen Tag über mir gegenüber sehr viel anhänglicher als mein eigener Sohn.

Kurz darauf sagte er zu mir: "Ich liebe dich."

"Ich liebe dich auch, Jason", antwortete ich. Und ich meinte es auch so. Er war so süß und liebenswürdig und es war mir ein Vergnügen, an diesem Tag auf ihn aufpassen zu dürfen.

Als der Ausflug zu Ende war, warteten wir darauf, dass unser großer, alter Bus am vereinbarten Treffpunkt auftauchen würde. Doch der Bus steckte im Verkehr fest und wir mussten noch ein paar Minuten in der Kälte warten. Wir standen Hand in Hand da und Jason kuschelte sich eng an mich, um sich zu wärmen.

Er wächst bei seinen Großeltern auf

Ich beugte mich zu einer anderen Mutter hinüber und sagte so leise, dass er es nicht hören konnte: "Jason ist so süß. Obwohl ich ihn heute zum ersten Mal sehe, umarmt er mich die ganze Zeit und sagt mir immer wieder, dass er mich liebt."

"Oh ja, er ist WIRKLICH sehr süß", sagte sie.

Dann hielt sie einen Moment inne, sah mich ernst an und sagte mit gedämpfter Stimme: "Er hat keine Mutter."

Ich war schockiert. "Hat er nicht?"

"Nein", fuhr sie fort. "Sie hat ihn als Baby weggegeben. Er wächst bei seinen Großeltern auf."

Ich gab ihr mit einem Blick zu verstehen, dass mein Herz gerade zerbrochen war, als die Schlange sich allmählich vorwärts bewegte. Wir mussten in den Bus einsteigen.

Ich dachte an seine Mutter

Mein Herz war zerbrochen, weil Jason alles verloren hatte. Ich kann mir nicht einmal ausmalen, wie es gewesen wäre, wenn ich ohne den liebevollen Einfluss und die Unterstützung meiner wunderbaren Mutter hätte aufwachsen müssen.

Mein Herz war zerbrochen, weil ich an Jasons Mutter dachte. Ich dachte an alles, was ihr entging. War ihr das überhaupt bewusst? War sie mit ihrer Entscheidung glücklich oder sehnte sie sich insgeheim nach den Kuscheleinheiten und den Umarmungen und den Liebesbekundungen, die ihr Sohn an diesem Tag MIR geschenkt hatte? Ganz egal, ob sie sich dessen bewusst ist oder nicht, ihr entgeht auf jeden Fall unglaublich viel.

Wir fuhren zurück zum Kindergarten und dann war es auch schon wieder an der Zeit, nach Hause zu fahren. Ich machte meinen Sohn fertig und wir gingen in Richtung Ausgang. Ich sah, wie Jason auf seinem kleinen Teppichfleckchen saß und brav auf seine Großmutter wartete. Als ich mich noch einmal zu ihm umdrehte, BLITZTEN seine Augen förmlich auf. Ich ging auf ihn zu und umarmte ihn.

"Danke, dass du heute ein so lieber Kumpel für mich warst", sagte ich.

Er lächelte.

Jason wird für immer einen Platz in meinem Herzen haben und ich habe ihn in meine Gebete eingeschlossen. Ich bin dankbar, dass er liebevolle Großeltern hat. Doch ich bete dafür, dass wir auch nach Ende des Schuljahres noch mit ihm Kontakt bleiben können, damit er bei uns zu Hause noch eine Extraportion Liebe und Familienzeit abbekommt.

Dieser Blog ist ursprünglich bei For Every Mom erschienen und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.