Huffpost Germany
Jenny G. Perry Headshot

Die hässliche Seite vom schönen Aussehen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Print Article

Vor zehn Jahren wog ich fast 30 kg mehr als heute.

Ich trug einen Kurzhaarschnitt mit ein paar Strähnchen und sah ziemlich hausbacken aus. Ich hatte damals zwei Kinder im Alter von sechs und zwei Jahren. In meinem Versuch, als gute Mutter ernstgenommen zu werden, hatte ich mich gehen lassen. Ich aß gigantische Mengen Zucker. Der Meinung anderer Frauen maß ich eine viel zu hohe Bedeutung bei. Ich schloss neue Freundschaften mit anderen Müttern, bei denen es hauptsächlich ums Thema Essen ging. Ich hasste mein Aussehen, aber ich passte ins Schema. Als ich die Bilder von einem Familienausflug nach Disneyland sah, fragte ich mich, wie ich es so weit hatte kommen lassen. Auch wenn ich nur Kleidergröße 40 trug, wirkte ich voluminöser, weil ich gerade mal 1,52 m groß bin. Ich hatte ein Doppelkinn und wusste, dass ich noch dicker werden würde, wenn ich diesen Teufelskreis nicht durchbrechen könnte.

Ich verlor innerhalb von sechs Monaten 25 kg. Ich änderte meine Essgewohnheiten und trieb wie eine Wahnsinnige Sport. Es war toll, und ich fühlte mich wirklich schön ... bis auf ein paar unschöne Begleiterscheinungen. Zum einen machten die anderen Mütter Witze darüber, dass niemand mehr etwas mit mir zu tun haben wollte, wenn ich noch mehr Gewicht verlieren würde. Das bekam ich bereits zu spüren. Ich wurde von den anderen kritisch beäugt und bin mir sicher, dass Neid dahinter steckte. Menschen mögen es nicht, wenn man sich verändert. Es irritiert sie. Denn sie müssen sich dadurch mit bestimmten Aspekten ihrer Persönlichkeit und ihres Körpers auseinandersetzen, die sie bisher für unabänderlich gehalten haben. Es passierte häufig, dass Frauen mir angesichts meines Gewichtsverlusts erzählten, sie sollten auch abnehmen oder mit Ausflüchten kamen, warum sie es bisher nicht geschafft hatten. Ich wusste dann nie, was ich sagen sollte. Ich bot ihnen Tipps an, aber am Ende schien es immer so, als würde sich das Gespräch gar nicht ums Gewicht drehen.

Der andere Nebeneffekt, für den ich nicht vorbereitet war, bestand darin, dass mich ekelhafte Kerle auf einmal unverhohlen anstarrten. Dieses Gefühl, mit Blicken ausgezogen zu werden, war mir furchtbar unangenehm. Ich wurde in den Augen anderer Menschen von einer übergewichtigen Frau zu einem hübschen jungen Ding. Zudem trug ich mittlerweile mein Haar länger und zog mich schicker an, sodass ich optisch eher meinem Alter entsprach. Es war schon komisch. Ich empfand diese Form von Aufmerksamkeit als ein zweischneidiges Schwert. Festzustellen, wie sich die jungen Kerle im Fitnessstudio die Köpfe nach mir verdrehten, war äußerst schmeichelhaft und motivierte mich beim Schwitzen auf dem Crosstrainer. Aber ich fand es schrecklich, vor dem Supermarkt aus dem Auto zu steigen und zu fühlen, wie mich ein Mann auf ekelhafte, unheimliche Weise begaffte. Ich wusste nicht, wie ich mich verhalten sollte. Ich konnte auf einmal verstehen, warum manche Frauen ihren Körper verstecken. Ich wollte nicht aus lauter Angst weite Kleidung tragen. Ich wollte nicht wegen anderen Leuten ändern, wer ich war. Schließlich hatte ich immer noch nicht genau herausgefunden, wer ich eigentlich war, und ging davon aus, dass dieses Prozess noch ein paar Jahre in Anspruch nehmen würde. Es bekam den Eindruck, dass mich Männer ernster nahmen, als ich noch übergewichtig war, und mich wie ein Dummchen behandelten, als ich schlanker wurde. Ich fand das ziemlich verwirrend.

Gott sei Dank bin ich Ü-30 und deswegen um einiges schlauer als noch in jüngeren Jahren. Ich habe eben ein hitziges Gemüt - basta. Liebe Frauen, es gibt keinen Grund, dass wir uns körperlich, beruflich, in unserer Rolle als Mutter oder anderweitig miteinander vergleichen. Arbeitet an euch selbst und stärkt die Beziehung zwischen Körper, Geist und Seele. Denn dies ändert alles. Glaubt bloß nicht, euch wegen der Reaktion eines Mannes oder einer Frau anders anziehen oder verhalten zu müssen. Denn wie andere Menschen reagieren, denken, sprechen und handeln, hat einzig und allein mit ihnen zu tun, und nicht mit einem selbst. Liebe Männer, degradiert eine Frau im Bikini nicht zum reinen Lustobjekt und verhaltet euch nicht respektlos, bloß weil euch ihr Aussehen gefällt. Eine Frau sollte niemals das Gefühl haben, sie müsse aus Angst vor Bemerkungen, gierigen Blicken oder bedrohlichem Verhalten ihren Körper verstecken. Liebe Männer, auf diese Weise werdet ihr niemals Erfolg bei den Frauen haben. Macht ihnen lieber Komplimente für ihre Intelligenz, Persönlichkeit, Integrität und Herzensgüte. Lobt sie für das, was sie sind, wenn ihr sie für euch gewinnen wollt. Sagt ihnen, wie toll ihre Augen sind - und nicht ihr Hintern -damit sie nicht Gefühl haben, wie ein Stück Fleisch behandelt zu werden.

Ich erwarte natürlich nicht, dass Frauen, die sich ihrer eigenen Schönheit nicht bewusst sind, Mitleid mit jemanden haben, der sich auf sein Aussehen reduziert fühlt. Ich kann Schönheit in allen Frauen sehen und bin nicht der Meinung, dass es irgendeinen Standard gibt, dem wir genügen müssten. Wahre Schönheit kommt von innen - von den Leidenschaften und Erfolgen einer Frau, von ihrer Kreativität, von der Essenz ihrer Persönlichkeit - und spiegelt sich in ihren Augen und in ihrem Lächeln wider. Wenn eine Frau sich selbst liebt, strahlt sie Selbstbewusstsein aus und zieht andere Menschen magisch an.

Meiner Meinung nach gibt es keine hässlichen Frauen. Frauen können sich hässlich verhalten, aber in jeder Frau steckt etwas Schönes. Lieben Frauen, dass müsst ihr euch einfach mal hinter die Ohren schreiben. Entschuldigt euch NIE WIEDER für eure Schönheit, eure Frechheit oder eure Intelligenz. Lasst es nicht dazu, dass euch jemand über euer Aussehen, ob Gesicht, Haare oder Gewicht, definiert. Definiert euch selbst. Lasst uns den jungen Mädels zeigen, wie man zu einer tollen Frau wird.

Übersetzt aus der Huffington Post USA. Hier geht's zum Original.

 
Sponsored Post