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Die Moscheen müssen transparenter werden

27/05/2017 16:58 CEST | Aktualisiert 29/05/2017 09:23 CEST
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Der Terroranschlag in Manchester setzt uns erneut in Angst und Schrecken. Fassungslos stehen wir nicht nur vor einer grauenvollen Tat, sondern auch vor vielen Fragen. "Was sind das für Menschen, die Unschuldige im Namen des Islam töten?" und "ist ein friedliches Zusammenleben mit Muslimen überhaupt möglich?" sind die häufigsten Fragen, die uns beschäftigen.

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Aufgrund der hohen Relevanz der Themen "Islam und Terror" gehen auch viele Talkshows diesen Fragen nach und versuchen mit ihren Gästen aus Politik und Gesellschaft Antworten zu finden.

Ein verfassungskonformer Islam

Bei Markus Lanz setzte sich der Grünen Politiker Cem Özdemir mit der Frage auseinander, wie es gelingen kann, einen "europäischen Islam" zu schaffen. Özdemir war der Meinung, Islamlehrer an deutschen Universitäten ausbilden zu lassen, damit diese missverstandene Religion von Menschen vermittelt wird, die in Deutschland aufgewachsen sind, sich zum Grundgesetz bekennen und den richtigen Islam vermitteln.

Die Frage ist, ob dieser Vorschlag zu einer Lösung des Problems führen und am Ende ein verfassungskonformer Islam zum Teil Deutschlands und Europas werden kann?

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Viele der jungen Menschen, selbst Muslime, haben ihre Religion im Elternhaus und in den Moscheen kennengelernt. Der Islam, der hier vermittelt wird ist häufig weniger weltoffen und lehnt Andersgläubige ab. Kritik am Glauben wird nicht geduldet. Werden die angehenden Lehrer sich von dieser Grundeinstellung befreien und ihren muslimischen Schülern eine tolerante Interpretation des Islam und die Gleichwertigkeit aller Religionen nahe bringen können?

Mehr Transparenz in den Moscheen

Ein weiteres Problem ist die Roller der Moscheen, die ohne Zweifel mehr Einfluss auf muslimische Migranten haben, als der Islamlehrer an der Schule. Für viele gläubige Muslime widersprechen die Unterrichtsinhalte ihrer religiösen Überzeugung, die ihnen die Moscheen vermittelt haben.

Muslimische Prediger stehen diesem Unterricht skeptisch gegenüber und sehen ihn als Konkurrenz zu ihrem Islamverständnis. Darüber hinaus sind die Moscheen besorgt, denn der Unterricht an einer Schule der "Ungläubigen" könnte der Bindung der Muslime zum Islam schaden.

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Deshalb sollte nicht zu viel Hoffnung in diese Lehrer gesteckt werden. Um die Quelle des Problems zu beseitigen, wäre es an der Zeit, die Moscheen unter die Lupe zu nehmen, damit die Religionsfreiheit nicht missbraucht wird, um Predigten zu halten die mit dem Grundgesetz nicht in Einklang stehen.

Die Moscheen müssen zur Transparenz aufgefordert werden und zu den Integrationsbemühungen beitragen. Dabei reichen nicht nur Lippenbekenntnisse sondern auch klare Handlungen, die glaubwürdig sind. Veranstaltungen wie "Tag der offenen Moschee" oder "Begegnungen zum interreligiösen Dialog" erscheinen oft nur inszeniert und geben nicht den Alltag in der Moschee wieder.

Erst wenn muslimische Gemeinden bereit sind mit den Schulen zu kooperieren und als Vermittler zwischen Elternhaus und Schule mitwirken und den Stellenwert des Islamunterrichts an Schulen anerkennen wird dieser langfristig positive Wirkung zeigen und sich in Deutschland und Europa integrieren.

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