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Liebe ist wie eine Goodie-Bag

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
GOODY BAG
Hiroyuki Okamoto via Getty Images
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┬╗Und?┬ź Evas Blick spricht B├Ąnde. Sie w├╝rde mir die Infos am liebsten aus der Nase ziehen.

┬╗Jein┬ź, sage ich und schlie├če meine T├╝r auf.

Unsere Wohnungseing├Ąnge liegen sich direkt gegen├╝ber, was f├╝r mich bedeutet, dass ich niemals unbemerkt hineinhuschen kann. Eva hat so gute Ohren wie eine Schleiereule, die angeblich ja sogar in 3D h├Âren kann.

┬╗Wie jein?┬ź Meine Freundin stemmt die H├Ąnde in die H├╝ften.

Seufzend lasse ich mich auf die Knie sinken, um zuerst Nuts zu begr├╝├čen. Meine H├Ąnde durchwuscheln das dunkelbraun gelockte Fell des K├Ânigspudels.

┬╗Zara, jetzt erz├Ąhl schon.┬ź Evas Stimme klingt genervt.

Ich stehe auf, klopfe mir die Hundehaare von der Hose und wende mich ihr zu. Ungeduldig tritt sie bereits von einem Bein aufs andere.

┬╗Also wenn ich die n├Ąchsten vier Wochen durchhalte, habe ich den Job┬ź, teile ich ihr mit und kann mir ein d├╝mmliches Grinsen dabei nicht verkneifen.

Eva jauchzt auf, rei├čt die Arme in die H├Âhe und vollf├╝hrt umgehend eine Art Regentanz im Hausflur. Nat├╝rlich hat sie meine monatelang andauernde Durststrecke mitsamt allen Depressionsphasen in vollen Z├╝gen genie├čen d├╝rfen. Also kein Wunder, dass sie sich ├╝ber diese Neuigkeit nun freut. Auf dem Absatz dreht sie sich um und rennt in ihre Wohnung. ├ťberrascht sehe ich ihr hinterher. Nur Sekunden sp├Ąter steht sie mit einem Zettel in der Hand wieder im T├╝rrahmen. ┬╗Das m├╝ssen wir geb├╝hrend feiern.┬ź

┬╗Mit billigem Lambrusco und fettiger Mafiatorte?┬ź Ich greife zu dem gr├╝nen Flyer, den meine Nachbarin mir hinh├Ąlt. An ihrer Pinnwand in der K├╝che h├Ąngen diverse Prospekte f├╝r Essensnotf├Ąlle. Eva kann n├Ąmlich nicht kochen.

Bei dem Gedanken an eine gro├če Quattro stagioni mit doppelt K├Ąse l├Ąuft mir das Wasser im Mund zusammen. Allerdings kommt mir mein Vorsatz wieder in den Sinn, mein Leben und mein Gewicht in den Griff bekommen zu wollen. Aber heute mache ich eine Ausnahme, quasi zur Feier des Tages.

┬╗Ole kommt auch gleich, also lass uns schon mal bestellen┬ź, ruft Eva. Sie l├Ąuft Richtung Telefon.

Ich pfeife nach Nuts, ziehe meine Wohnungst├╝r zu und betrete ihr heiliges Reich. W├Ąhrend ich meinen Pizzawunsch durchgebe, kommt ihr Mann herein.

Ole macht seinem Namen alle Ehre. Er ist nicht nur gro├č, blond und blau├Ąugig, sondern hat auch norwegische Wurzeln. ┬╗God aften┬ź, sagt er und strahlt uns an. Strahlen ist auch genau das richtige Wort. Seine Z├Ąhne sind derma├čen wei├č, dass selbst der Zahnarzt in der Sensodyne-Werbung neidisch werden w├╝rde. Ich finde ja, Ole sollte in dem Spot mitmachen, dann w├Ąre wenigstens mal ein echter Zahnarzt zu sehen.

Wir drei gehen ins Wohnzimmer. Gleich nachdem ich mich auf einem der Sessel platziert habe, h├╝pft mir mein Hund auf den Scho├č. Vor vier Jahren habe ich Nuts als Welpe in einer Kiste am Stra├čenrand gefunden und sofort beschlossen, ihn zu behalten. Mittlerweile hat er 25 stolze Kilos auf den Rippen, mit denen er es sich jetzt auf mir gem├╝tlich macht. Liebevoll t├Ątschle ich seinen Hintern und werde zum Dank mit einem Zungenkuss belohnt.

┬╗Stell dir vor, Zara hat den Job┬ź, jubelt Eva.

Ole rei├čt erstaunt die Augen auf. ┬╗Echt? Zeig mal den Vertrag.┬ź

Da Ole vor seinem Zahnmedizinstudium drei Semester Jura studiert, aber mangels Paragrafenbegeisterung abgebrochen hat, will er meist gleich alles auf Herz und Nieren pr├╝fen.

┬╗Ich habe erst mal nur eine vierw├Âchige Probezeit.┬ź

Skeptisch zieht er die Augenbrauen in die H├Âhe. ┬╗Na dann lass dich blo├č nicht ├╝ber den Tisch ziehen. Nachher ackerst du da f├╝r vier Wochen und bekommst zum Dank nen feuchten H├Ąndedruck.┬ź

┬╗Du und deine Schwarzseherei.┬ź Eva setzt sich neben ihren Mann auf die Couch. ┬╗Sei doch froh. Immerhin ist sie seit knapp einem Jahr ohne Job.┬ź

┬╗Bin ich doch auch, sie soll sich nur nicht verarschen lassen┬ź, gibt er zur├╝ck und legt den Arm um seine Frau.

┬╗Ich glaub jetzt nicht, dass du das sagst.┬ź Eva wirft ihm einen merkw├╝rdigen Blick zu.

┬╗Was soll das denn hei├čen?┬ź Ole rei├čt ├╝berrascht die Augen auf.

Eva sch├╝ttelt fassungslos den Kopf. ┬╗Wer hat ihr denn seinen besten Freund aufs Auge gedr├╝ckt, der sich dann als absoluter Vollpfosten entpuppt hat? Und du sagst ihr, sie soll sich nicht verarschen lassen?┬ź

┬╗Wieso Vollpfosten?┬ź, echauffiert sich Ole und zieht seinen Arm wieder weg.

┬╗Ich bitte dich┬ź, schie├čt Eva zur├╝ck. ┬╗Er hat sie sitzen lassen, und das zeugt nicht gerade von Charakter. Ein Wunder, dass er ├╝berhaupt aufrecht gehen kann bei so wenig R├╝ckgrat.┬ź

Ich verfolge stillschweigend den Wortwechsel der beiden. Die Beziehung zu Julian, Oles Freund, hat nur ein Jahr gehalten, und ehrlich gesagt war ich die meiste Zeit davon auch nicht wirklich eine ideale Partnerin. Erst starb meine Mutter, dann wurde ich gek├╝ndigt, und zum Schluss habe ich nur noch depressiv auf der Couch gelegen und mich mit Rotwein und Karamelleis getr├Âstet. Vor einem halben Jahr hat Julian sich schlie├člich von mir getrennt.

┬╗Aber da konnte doch Julian nichts f├╝r. Zara hingt total durch, damit kam er eben nicht klar.┬ź Ole r├╝ckt ein St├╝ck von Eva ab.

┬╗Er h├Ątte sich aber auch nicht einfach so verd├╝nnisieren d├╝rfen. Ein Kerl, der Eier in der Hose hat, steht seiner Frau bei. Es hei├čt nicht umsonst: in guten wie in schlechten Zeiten, oder?┬ź Eva verschr├Ąnkt die Arme vor der Brust.

┬╗Die beiden waren aber nicht verheiratet.┬ź

┬╗Gilt so ein Grundsatz etwa nur f├╝r Verheiratete? Ich finde, das sollte generell Motto einer jeden Beziehung sein.┬ź

┬╗Stopp┬ź, gehe ich dazwischen und hebe abwehrend die H├Ąnde. ┬╗Ich bin noch anwesend, und meine Ohren funktionieren einwandfrei, okay?┬ź

┬╗Tut mir leid, Zara┬ź, sagt Eva, steht auf und kommt zu mir her├╝ber. ┬╗Du hast vollkommen recht. Wir haben au├čerdem das Wesentliche vergessen.┬ź Sie setzt sich neben mich und nimmt mich in den Arm. ┬╗Was ist, sollen wir heute Abend deinen Erfolg mit Cocktails begie├čen gehen?┬ź

Ole sch├╝ttelt den Kopf. ┬╗Sorry, ohne mich. Ich muss gleich noch mal in die Praxis.┬ź

┬╗Warum?┬ź Eva sieht ├╝berrascht zu ihm r├╝ber.

┬╗Notfall. Herrn Breuer ist ein Frontzahn abgebrochen.┬ź

┬╗Kann der nicht einfach morgen kommen?┬ź
┬╗Evilein, ich brauch nicht lang. Ein bisschen zurechtfr├Ąsen, Abdruck machen, Provisorium anpassen, fertig. Vielleicht geht ihr einfach schon mal vor und ich komme nach.┬ź

Ich bemerke, wie meine Freundin sich versteift. Aber bevor es deswegen noch Streit gibt, schreite ich ein. ┬╗Um die Diskussion an dieser Stelle abzuk├╝rzen┬ź, sage ich, ┬╗morgen fr├╝h muss ich zur ersten Schicht antreten. K├Ânnen wir das Feiern vielleicht um vier Wochen verschieben, wenn ich den Vertrag bekomme? Schlie├člich soll man den Tag nicht vor dem Abend loben.┬ź

Ein Buchauszug aus der Kom├Âdie "Liebe ist wie eine Goodie-Bag"
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