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Wie ich als Gast den Übergriff eines Masseurs erlebte

15/01/2016 11:39 CET | Aktualisiert 15/01/2017 11:12 CET
Medioimages/Photodisc via Getty Images

Die sexuellen Übergriffe in Köln waren abscheulich und frauenverachtend. Und sie sind keine Ausnahme in Deutschland. Verbale und körperliche Belästigung sind trauriger Alltag für Frauen. Ob Samstags im Club, in der U-Bahn, auf den Straßen.

Jetzt melden sich Frauen zu Wort!

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Hier erzählen Frauen, die Opfer sexueller Übergriffe wurden, ihre Geschichten

Ihr Lieben, ich hab' lange überlegt, ob und wie ich das thematisieren soll. Allerdings habe ich zu diesem Post hier so viel Feedback von euch bekommen wie zu keinem anderen. Und zwar größtenteils trauriges Feedback. Ihr habt mir von sexuellen Übergriffigkeiten berichtet, die ihr selbst erlebt habt und diese ganze Scheiße macht mich nach wie vor zutiefst betroffen.

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Nun ist es mir vor einer Weile selbst passiert und ich kann sehr viel besser verstehen, was viele von euch meinten, als sie geschrieben haben, dass sie nicht imstande waren, zu reagieren. Dass sie sich wie gelähmt fühlten. Denn es ging mir ganz genauso und ich möchte auch dieses Erlebnis hier und heute mit euch teilen.

Ich solle meinen Bikini ablegen, denn es sei hier etwas freizügiger.

Es handelte sich um einen männlichen Behandler. Schon zu Beginn hatte ich ein komisches Bauchgefühl, als er das Wort „freizügig" benutzte. Ich solle meinen Bikini ablegen, denn es sei hier etwas freizügiger. „Da hat er sich jetzt aber ganz schön unglücklich ausgedrückt" dachte ich mir. Und zog meinen Bikini aus.

Dann begann das Treatment. Er forderte mich auf, die Augen zu schließen. Nicht so ungewöhnlich. Aber er berührte mich immer wieder auf eine Art am Kopf oder an der Schulter, die man vielleicht am ehesten mit dem Wort „zärtlich" beschreiben könnte. Maximal unpassend und mindestens genauso unangenehm.

Ich möchte gleich vorweg sagen, dass er zu keiner Zeit meinen Genitalbereich gestreift hat. Und auch meine Brustwarzen hat er nicht berührt. Aber trotzdem lag ich nackt da und sollte die Augen geschlossen halten, was ich als extrem schräg empfunden habe, vor allem in Kombination mit diesen zärtlichen Berührungen.

Er wies mich mehrfach darauf hin, dass es in Ordnung sei, wenn ich „Wohlfühlgeräusche" von mir gebe. Ich habe auf diesen Mist nichts erwidert und hoffte, dass er checkt, dass es für mich keinerlei Grund für Wohlfühlgeräusche gab.

Dann beschäftigte er sich unverhältnismäßig ausgiebig mit meinem Po. Weiter oben am Rücken spannte ich gegen, als er mir in den Nacken fasste. Auf sein Nachfragen erklärte ich ihm, dass ich Muskelkater habe von der Massage am Vortag.

Ich bin normalerweise wirklich ein tougher und straighter Mensch.

„Ich glaube, ich bin da unten sowieso besser aufgehoben" - ich dachte erst, mich verhört zu haben. Aber er widmete sich daraufhin wieder meinem Po. Er fragte, ob es mir gefällt. Ich antwortete nicht. Ich war nicht in der Lage. Fragt mich bitte nicht, warum. Ich bin normalerweise wirklich ein tougher und straighter Mensch, aber wenn man vollkommen unbekleidet vor jemandem daniederliegt, der die Grenze bereits überschritten hat, ist das mit der Souveränität so eine Sache. 

Er fragte erneut, ob es mir gefällt. Ich antwortete wieder nicht. „Weitermachen und nie mehr aufhören?" Ich traute meinen Ohren nicht. War aber auch nicht in der Lage, etwas zu erwidern.

Er erklärte mir, dass es bei Muskelverspannungen helfen würde, wenn ich laut atme.

Ich reagierte auch darauf nicht. In der Hoffnung, dass er endlich aufhört. Jetzt, wo ich das alles so aufschreibe, fallen mir mindestens zehn adäquate Reaktionen auf sein Verhalten ein. Aber ich war wie gelähmt. Es klingt total abgedroschen, aber ich kann es nicht besser beschreiben.

„Du bist eine stille Genießerin, oder?" Mir war nach Heulen zumute.

„Du bist eine stille Genießerin, oder?" Mir war nach Heulen zumute. Nach der Behandlung fragte er mich nach meinem Alter. Ich fragte ihn, warum er das wissen will. Er antwortete, weil er das nicht so recht einschätzen könne.

„Du siehst gut aus." Leider kein Witz. Er sagte allen Ernstes „Du siehst gut aus." Und dann wurde mir last but not least noch die Frage gestellt, ob ich Probleme hätte, loszulassen. Was ich verneinte. Woraufhin er die Frage nochmal wiederholte. Auch hier fallen mir rückwirkend zahlreiche adäquate Antworten ein, aber in der Situation sagte ich nur „Nein, habe ich nicht."

Im Anschluss an's Treatment fühlte ich mich benommen. Dann fing ich an, mir Vorwürfe zu machen, die Behandlung nicht abgebrochen zu haben. Und dann suchte ich das Gespräch mit dem Management. Mein Day Spa war an dieser Stelle beendet. Ich wollte nicht länger nackt sein. Sauna? No way. Ich wollte nachhause. Mich einrollen und zudecken. Schöne Scheiße.

Warum ich diesen ganzen Mist aufschreibe? Weil es augenscheinlich hinter verschlossenen Treatmentraum-Türen viel zu oft passiert. Weil ich keine Ahnung hatte, was zu tun war. Und weil viele von euch im Anschluss vermutlich genauso hart mit sich ins Gericht gehen, wie ich es getan habe.

Ich werde versuchen, mal jemanden von der Berliner Polizei aufzuspüren, den ich zu dieser Thematik interviewen kann und ich habe beschlossen, dieser unschönen Schattenseite der Branche hier mehr Raum zu geben. Für ein bisschen mehr Sensibilität. Und ein bisschen weniger Ohnmacht.

Dieser Blog erschien zuerst auf ilovespa.de.

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