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7 Dinge, die wir von dänischen Eltern lernen können

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Als junge Eltern haben wir oft das Gefühl, dass wir immer im Moment leben. Wir versuchen herauszufinden, wie wir die langen Nächten mit ihrem Neugeborenen am besten durchstehen, wir perfektionieren unsere Wickeltechnik, um unser quengeliges Baby zu beruhigen und stillen sogar, während wir unterwegs sind.

Doch diese Zeit vergeht schnell, und schon wird aus einem Neugeborenen ein Kleinkind (wenn man sich das überhaupt vorstellen kann!).

Dänemark wird immer wieder zu den glücklichsten Ländern der Welt gewählt. Wenn ihr euch also jetzt fragt, was das Geheimnis der Dänen ist, sollten wir uns mal genauer anschauen, wie dänische Eltern ihre Kinder erziehen.

Jessica Joelle Alexander, eine amerikanische Mutter, die mit einem Dänen verheiratet ist, und Iben Dissing Sandahl, eine dänische Psychotherapeutin, wollen mit ihrem Buch "The Danish Way of Parenting" anderen Eltern zeigen, welche erfolgreichen Erziehungsmethoden sie sich von den Dänen abschauen können.

Hier sind 7 Erziehungstipps, die sie mit mir geteilt haben.

1. Lass dein Kind spielen.

Dänische Eltern legen großen Wert darauf, ihre Kinder frei spielen zu lassen. Kinder sollten nicht ständig nur etwas mit ihren Eltern unternehmen, sondern auch genug Zeit bekommen, um allein spielen zu können.

Mehr zum Thema: Ein Hirnforscher erklärt, was Kinder mehr als alles andere von ihren Eltern brauchen

"Motiviere deine Kinder dazu, hinaus in die Natur zu gehen und sie zusammen mit Kindern verschiedener Altersstufen zu erkunden. Wenn Kinder miteinander spielen, entwickeln sie Selbstbewusstsein, und außerdem lernen sie unglaublich viel von den anderen Kindern", sagt Jessica. Ibens Tipp lautet: "Fahr mit deinen Kindern an den Strand und lass sie die Gegend erkunden. Und dann sieh dir an, was ihnen von allein einfällt."

2. Sei ehrlich zu deinem Kind.

Erwachsene neigen manchmal dazu, ihre Kinder in Watte packen zu wollen. "Ehrlich zu seinen Kindern zu sein bedeutet, dass man ihnen sagt, was man wirklich denkt - ganz egal, ob das nun etwas Gutes oder Schlechtes ist", sagt Jessica.

Wenn dein Kind dir zum Beispiel ein selbstgemaltes Bild zeigt, solltest du die Zeichnung nicht sofort in den Himmel loben und deinem Kind sagen, dass es ein großartiger Künstler ist. Stattdessen solltest du lieber versuchen, das Gespräch mit deinem Kind zu vertiefen, indem du es beispielsweise fragst, warum es die jeweiligen Farben ausgewählt hat.

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Iben weist darauf hin, wie oft wir Probleme damit haben, mit unseren Kindern zurechtzukommen, wenn sie wütend, aggressiv oder ängstlich sind. Deshalb kann es extrem hilfreich sein, ihnen mehr über diese Emotionen beizubringen. "Lest euren Kindern gute Kinderbücher vor. Durch gute Bücher und ehrliche Gespräche eignen Kinder sich einen größeren Wortschatz an und können somit besser über sich selbst sprechen", sagt Iben.

3. Achte auf gemeinsame Unternehmungen.

Bei den Dänen spielt das sogenannte "Hygge" eine große Rolle - eine Zeit der Gemütlichkeit mit Freunden und Familie. Hygge gehört in Dänemark zum täglichen Leben.

Für Eltern bedeutet das, dass sie Zeit mit ihren Kindern verbringen und dabei den Familienzusammenhalt fördern, zum Beispiel, indem sie eine Schnitzeljagd oder einen Wettkampf veranstalten. Es kann jedoch auch etwas ganz Simples sein, wie einfach nur ein Spiel zusammen zu spielen. Wenn du gerne mit deinen Kindern etwas basteln möchtest, findest du hier ein paar Ideen zum Selbermachen.

4. Lenke den Fokus deines Kindes zurück auf das Positive.

Dass man in jeder Situation etwas Positives finden kann, ist eine unbezahlbare Eigenschaft, die du deinen Kindern unbedingt beibringen solltest. Wenn dein Kind ein Problem hat, solltest du mit ihm darüber sprechen.

"Das bedeutet nicht, dass man die Welt durch die rosarote Brille sehen sollte", sagt Jessica. "Es geht darum, dass du in der Geschichte deines Kindes nach dem Positiven suchst und dass du ihm dabei hilfst, sich auf diese Aspekte zu konzentrieren."

Mehr zum Thema: Kindern ist der Wille zum Erfolg angeboren - doch dann machen viele Eltern einen Fehler

Wenn dein Kind jammert, dass es nicht gern zur Schule geht, erinnere es an den Kunstunterricht, den es so liebt. Oder wenn dein Kind glaubt, dass es schlecht im Fußball ist, dann erwähne eine Woche, in der es den Eindruck hatte, gut Fußball zu spielen.

"Hilf deinem Kind, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die es gut kann, statt auf das, was es nicht kann", sagt Jessica.

5. Stell keine Ultimaten.

Eltern, die keine Ultimaten stellen, scheinen ihren Kindern keine Grenzen zu setzen. Doch sowohl Jessica als auch Iben erklären, dass es bei diesem Erziehungstipp vielmehr darum geht, seinen Kindern auf respektvolle Weise klare Regeln beizubringen.

Statt sein Kind autoritär zu erziehen ("Mach das jetzt sofort!"), umgeht man mit der dänischen Erziehungsmethode Machtkämpfe und bewahrt den Respekt voreinander. "Dänische Eltern erklären die Regeln und schenken ihren Kindern viel Vertrauen", sagt Jessica.

Eltern sollten sich eine kurze Pause gönnen, wenn sie das Gefühl haben, die Kontrolle über eine bestimmte Situation zu verlieren, rät sie.

"Wenn du ruhig bleibst, bleiben auch deine Kinder ruhig", sagt Iben. "Weil du der Erwachsene bist, musst du deinem Kind bei einem Wutanfall zur Seite stehen, ohne selbst auszurasten." Wenn dein Kind gerade ausflippt, solltest du zu ihm sagen: "Ich weiß, dass du gerade sehr wütend bist. Wenn du dich wieder beruhigst, können wir besser darüber sprechen. Komm zu mir, wenn du soweit bist."

Dadurch erlaubst du ihm, seine Gefühle komplett auszuleben, doch du hilfst ihm auch, sich wieder zu beruhigen und zu dir zu kommen, wenn es sich wieder beruhigt hat.

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6. Bring deinem Kind Empathie bei.

Wir alle wollen Kinder großziehen, die Mitgefühl für sich selbst und für andere haben. Dänische Eltern legen großen Wert darauf, ihren Kindern beizubringen, andere Menschen zu respektieren und stets zu versuchen, sie zu verstehen.

"Man kann seinem Kind Empathie zum Beispiel näher bringen, indem man mit ihm über unterschiedliche Gesichtsausdrücke spricht. Zeige deinem Kind verschiedene Bilder von Menschen die traurig, wütend, glücklich, nervös oder schüchtern sind und frage es, warum die Person auf dem Bild sich wohl gerade so fühlt", sagt Iben.

7. Lass dein Kind einfach mal machen.

Eltern neigen oft dazu, dazwischen zu gehen, wenn ihr Kind auf dem Spielplatz mit einem anderen Kind spielt, das es eigentlich nicht mag. Jessica empfiehlt jedoch, Kindern zu erlauben , ihre Angelegenheiten selbst zu regeln.

"Wenn du gerade mal wieder eingreifen willst, atme tief durch und trete einen Schritt zurück. So kann dein Kind Verhandlungsgeschick und einen besseren Umgang mit anderen erlernen", sagt Jessica.

von Jennifer Chen, freie Journalistin

Dieser Text erschien ursprünglich bei Brit & Co. und "The Danish Way of Parenting" und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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(lk)