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Diese Sache möchte ich ein für alle Mal klarstellen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
JENNIFER ANISTON
Mark Blinch / Reuters
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Zunächst einmal möchte ich darauf hinweisen, dass ich Klatsch und Tratsch bisher noch nie zum Thema gemacht habe. Eigentlich will ich meine Energien auch gar nicht in das Geschäft mit den Lügen stecken.

Doch ich möchte mich an der Debatte zu diesem Thema beteiligen, die bereits begonnen hat und die unbedingt fortgesetzt werden muss. Da ich nicht in den Sozialen Medien vertreten bin, habe ich beschlossen, meine Gedanken zu diesem Thema hier schriftlich festzuhalten.

Um diese Sache ein für alle Mal klarzustellen: Ich bin nicht schwanger. Aber es reicht mir wirklich! Ich habe die Nase voll davon, dass unter dem Deckmantel von Begriffen wie "Journalismus", "Grundrecht auf Information" und "Promi-News" Tag für Tag das Privatleben anderer Menschen genauestens unter die Lupe genommen wird und dass man öffentlich über die Figuren der betroffenen Personen diskutiert, als handle es sich dabei um eine Sportart.

Mein Mann und ich werden jeden Tag von dutzenden aggressiven Fotografen belästigt, die vor unserem Haus auf der Lauer liegen und die erschreckend weit gehen würden, um einfach nur irgendein Foto von uns beiden zu schießen.

Dabei nehmen sie es sogar in Kauf, uns oder die Pechvögel, die gerade zufällig an unserem Haus vorbeigehen, in Gefahr zu bringen. Doch vom Thema öffentliche Sicherheit einmal abgesehen, möchte ich eigentlich näher darauf eingehen, was diese Wahnsinnsaktionen der Klatschreporter in Wirklichkeit für jeden einzelnen von uns bedeuten.

Wir machen Frauen zu Objekten - das ist beunruhigend

Wenn ich überhaupt eine Galionsfigur für irgendetwas bin, dann bin ich definitiv ein Aushängeschild für das Objektiv, durch das wir als Gesellschaft unsere Mütter, Töchter, Schwestern, Frauen, Freundinnen und Kolleginnen betrachten.

Dass wir Frauen zu Objekten machen und sie unter ständige Beobachtung stellen, ist absurd und beunruhigend.

Wie ich in den Medien dargestellt werde, spiegelt einfach nur die Art und Weise wieder, wie Frauen im Allgemeinen gesehen und dargestellt werden: Es wird überprüft, ob sie irgendeinem verzerrten Schönheitsideal entsprechen. Manchmal muss man kulturelle Normen aus einer anderen Perspektive betrachten, um verstehen zu können, was sie eigentlich darstellen: einen gesellschaftlichen Konsens. Eine unterbewusste Zustimmung.

Wir tragen die Verantwortung für die Dinge, denen wir zustimmen. Überall auf der Welt verinnerlichen bereits kleine Mädchen unsere Zustimmung zu diesem gesellschaftlichen Konsens, ganz egal, ob sie dies nun bewusst oder unbewusst tun. Und das beginnt schon sehr früh.

Wir nehmen es bereitwillig in Kauf, dass Mädchen die Botschaft übermittelt wird, dass sie nicht hübsch sind, wenn sie nicht unfassbar dünn sind. Oder dass sie unsere Aufmerksamkeit nicht verdienen, wenn sie nicht wie die Supermodels oder Schauspielerinnen auf den Titelseiten der Zeitschriften aussehen. Und mit dieser Konditionierung werden die Mädchen dann zu Frauen.

Ist sie schwanger? Isst sie zu viel?

Die "Promi-News" betrachten Frauen nicht als Menschen, denn es geht ihnen einzig und allein um ihr Aussehen. Und die Klatschpresse hat einen Sport daraus gemacht, Spekulationen über diese Frauen anzustellen. Ist sie schwanger? Isst sie zu viel? Oder lässt sie sich einfach nur gehen? Hat sie vielleicht eine Ehekrise, weil eine Kamera irgendeinen körperlichen "Makel" entdeckt hat?

"Dass wir Frauen zu Objekten machen und sie unter ständige Beobachtung stellen, ist absurd und beunruhigend."

Früher habe ich mir eingeredet, dass Klatschmagazine wie Comic-Hefte sind. Dass man sie nicht ernst nehmen sollte. Dass sie wie eine Art Seifenoper sind, die man sich zwischendrin zum Zeitvertreib ansieht.

Doch ich kann mir nicht mehr vormachen, dass dem wirklich so ist, weil ich am eigenen Leib erfahren musste, dass die Realität anders aussieht und dass wir Frauen gejagt und zu Objekten gemacht werden. Das geht nun schon seit Jahrzehnten so und es spiegelt die verzerrte Art wieder, auf die wir den Wert einer Frau bemessen.

Kinderlose Frauen sind nicht unglücklich

Gerade im letzten Monat ist mir wieder einmal deutlich bewusst geworden, wie sehr wir den Wert einer Frau darüber definieren, ob sie verheiratet ist oder ob sie Kinder hat.

Allein der unglaubliche Aufwand, der von der Presse betrieben wird, um herauszufinden, ob ich denn nun schwanger bin oder nicht (unzählige Male ... ich habe aufgehört zu zählen) zeigt: Wir sind noch immer der Auffassung, dass Frauen irgendwie unvollkommen, erfolglos oder unglücklich sind, wenn sie nicht verheiratet sind und keine Kinder haben.

Während uns die Medien immer und immer wieder nur mit meinem Privatleben langweilen, gehen Massenschießereien und Großbrände, wichtige Entscheidungen des Supreme Court, die bevorstehende Wahl und viele weitere berichtenswerte Themen an uns vorüber, mit denen diese "Journalisten" sich eigentlich sehr viel dringender befassen sollten.

Warum ich mich zu diesem Thema äußere? Weil wir vollkommen sind, und zwar völlig unabhängig davon, ob wir einen Partner haben oder nicht, oder ob wir Kinder haben oder nicht. Und im Bezug auf unseren Körper entscheiden auch nur wir selbst darüber, was wir schön finden. Diese Entscheidung liegt einzig und allein bei uns.

Lasst uns diese Entscheidung für uns selbst treffen und für all die jungen Frauen auf der ganzen Welt, die sich uns zum Vorbild nehmen. Lasst uns diese Entscheidung bewusst treffen, ganz egal, was die Klatschreporter davon halten. Wir müssen nicht verheiratet sein oder Kinder bekommen, um vollkommen zu sein. Nur wir allein bestimmen, wie unser ganz persönliches Happy End für uns aussehen soll.

"Wir sind vollkommen, und zwar völlig unabhängig davon, ob wir einen Partner haben oder nicht, oder ob wir Kinder haben oder nicht. Und im Bezug auf unseren Körper entscheiden auch nur wir selbst darüber, was wir schön finden."

Ich habe keine Lust mehr auf diese Spielchen

Ja, vielleicht werde ich eines Tages Mutter werden. Und da ich sowieso gerade alles auspacke, werde ich es euch sofort wissen lassen, wenn es soweit ist. Ich will jedoch nicht um jeden Preis Mutter werden, weil ich mich andernfalls auf irgendeine Art unvollkommen fühlen würde, wie die Klatschpresse so gerne behauptet.

Ich sehe es nicht ein, dass ich mich "minderwertig" fühlen soll, weil mein Körper sich verändert und/oder weil ich zum Mittagessen einen Burger hatte und aus einem ungünstigen Winkel fotografiert wurde, was nur einen der beiden Schlüsse zulässt: Ich bin entweder "schwanger" oder "fett".

Ich will gar nicht davon anfangen, wie unangenehm und peinlich es ist, wenn Freunde, Mitarbeiter oder sogar Fremde mir zu meiner nicht vorhandenen Schwangerschaft gratulieren (was an einem einzigen Tag zigmal vorkommt).

Aus meiner jahrelangen Erfahrung habe ich gelernt, dass die Klatschreporter ihr Vorgehen, so gefährlich es auch sein mag, nicht aufgeben werden. Zumindest nicht in absehbarer Zeit. Doch wir können unser Bewusstsein verändern und anders auf die schädlichen Botschaften reagieren, die hinter allen diesen nach außen harmlos wirkenden Geschichten stecken.

Diese Botschaften, die uns als die Wahrheit verkauft werden und die unsere Vorstellung von uns selbst beeinflussen. Wir selbst entscheiden, wie viel Glauben wie dem schenken, was uns alles so aufgetischt wird. Und vielleicht sieht die Klatschpresse sich dann ja auch irgendwann gezwungen, die Welt durch eine menschlichere Linse zu betrachten, weil die Leser ihnen ihren Mist einfach nicht mehr abkaufen.

Dieser Blog ist ursprünglich bei der Huffington Post USA erschienen und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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