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Ich wollte nie Parteimitglied werden: Warum ich jetzt trotzdem für die CDU kandidiere

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CDU PARTEITAG
Jenna Behrends kandidiert für die CDU - und erklärt, warum | dpa
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Wenn Politiker erzählen, wie sie in die Politik gekommen sind, dann scheinen Bolzplätze eine große Rolle zu spielen. Der CDU-Generalsekretär Peter Tauber jedenfalls sagt, er habe sich als Jugendlicher darüber geärgert, dass es in seinem Heimatort keinen Fußballplatz gab.

Deshalb habe er dort die Junge Union (JU) gegründet. Und als Benedict Pöttering um den Bundesvorsitz der JU kandidierte, wurde er nicht müde immer wieder zu erzählen, wie er um einen Skateplatz gekämpft habe.

Die Geschichte des coolen Heranwachsenden kann beliebig variiert werden durch Stichworte wie Jugendraum (Sigmar Gabriel), eine neue Nachtbuslinie für die Heimfahrt nach der Party (Michelle Müntefering) oder Sammeltaxis für denselben Zweck (Paul Ziemiak).

Ich habe schon überlegt, ob ich meiner Tochter nicht dringend einen Fußball oder ein Skateboard kaufen muss, um sie zu einem politischen Menschen zu erziehen. Oder ob alle von derselben PR-Agentur beraten werden.

Einer Partei beizutreten kam für mich nicht in Frage

Ich hingegen konnte mir lange nicht vorstellen, in irgendeiner Partei Mitglied zu werden. Ich war weder in der Schüler Union noch hatte ich einen Platz in einem Studentenparlament. Politisch gedacht habe ich schon immer, aber Parteipolitik fand ich ziemlich unattraktiv. Ich habe diskutiert und manchmal auch demonstriert.

Mit Freunden saß ich anschließend auf dem Balkon und habe über den Sinn und Unsinn von Demonstrationen nachgedacht. Darüber, was außer den in Social Media veröffentlichten Fotos bleibt.

Ich habe Online-Petitionen unterschrieben und Likes verteilt. Doch einer Partei beizutreten kam für mich nicht in Frage.

Dann bin ich mit 23 Jahren Mutter geworden. Auch mit Tochter habe ich mein Leben zunächst weitergelebt wie zuvor. Warum sollte ich plötzlich in Eltern-Kind-Cafés gehen und mich über den Windelinhalt unserer Babys austauschen, anstatt weiter über Netzneutralität und die Bankenkrise zu diskutieren?

Doch dann nahte langsam auch für die anderen aus der Krabbelgruppe das Ende der Elternzeit und ich begriff, wie politisch Kinder sind. Ich hatte trotz Jurastudium, paralleler Journalistenausbildung und Nebenjob im Bundestag den Luxus keine klassische 40-Stunden-Woche mit meiner Tochter vereinbaren zu müssen und meine Zeit flexibler einteilen zu können.

In unseren Krabbelgruppen werden wir keine Lösungen finden

Aber ich fand es spannend, wie unterschiedlich andere Eltern das für sich gelöst haben. Niemand schien mit seinem Konzept ganz zufrieden - nur wenige konnten sich ein zweites oder drittes Kind überhaupt nur vorstellen. Überrascht hat mich vor allem eins: Jeder hatte das Gefühl, es sei sein individuelles Problem. Aber das ist es nicht.

Es ist unser Problem als Gesellschaft. Langsam reifte in mir der Gedanke: Ich will da mitreden und mitdenken. Ich will Parteimitglied werden, denn in unserer Krabbelgruppe werden wir keine Lösung finden.

Mein Freundeskreis hat meinen Parteibeitritt bestenfalls irritiert zur Kenntnis genommen. Gerade meinen Freundinnen war es unbegreiflich, wie ich mir neben Studium, Job und Kind noch mindestens zwei bis drei Abende in der Woche mit Politikterminen zustopfen konnte.

Selbst Fremde begannen mich auf Partys zu fragen: „Was treibt dich an? Welche Themen sind dir so wichtig, dass du dir das antust?" Was die Bolzplätze sind für die ich kämpfen will, werde ich in nächster Zeit unter anderem hier beantworten.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei mitte-maedchen.de

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