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"Er wollte einen Moment der totalen Kontrolle"

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Bea rief nach Yannick, als sie in die gemeinsame Wohnung kam, doch er war offenbar noch nicht wieder da. Für seine Arbeit als Eventmanager musste er zeitlich mindestens genauso flexibel sein wie Bea während einer Mordermittlung, daher war an eine gemeinsame Planung selten zu denken.

Bea setzte sich an ihren Schreibtisch, ordnete ihre Notizen, tippte sie ab und machte sich einige Anmerkungen. Anders als viele Kollegen hasste sie es, die Arbeit an den laufenden Berichten aufzuschieben, bis sie sich irgendwann als schwer zu bewältigender Berg auftürmte. Außerdem hatte sie nebenbei noch ihr eigenes System entwickelt, das ihr schon manche Querverbindung aufgezeigt hatte, die ihr sonst entgangen wäre. Dessen Pflege nahm allerdings einige Zeit in Anspruch.

Schließlich speicherte sie ab, streckte sich und merkte, wie verspannt sie von dem langen Sitzen im Auto heute war. Sie machte Musik an, wechselte die Alltags- mit der Sportkleidung und begann mit ausgiebigen Dehnübungen. Langsam fühlte sie sich wieder wohler.

Nach den üblichen Trainingseinheiten mit den kleinen Hanteln ging sie zu den Gymnastikübungen über. Gerade balancierte sie auf einem Knie und einer Hand, das andere Bein und den anderen Arm weit ausgestreckt, als kräftige Hände nach ihren Hüften griffen. Ihr Herz setzte kurz aus.

„Bleib genau so, wie du bist", sagte eine raue Stimme hinter ihr.

Sie hatte ihn nicht kommen hören. Jetzt spürte sie, wie er sich hinter sie kniete und seinen Unterleib an ihren Po presste. Eine seiner Hände wanderte nach vorne, schob sich unter ihr Shirt und umfasste ihre Brust in dem einfachen Sport-BH.

Die andere verschwand in ihrer engen Gymnastikhose und fand zielsicher den Punkt, der jede andere Reaktion als Aufgeben für sie unmöglich machte. Schon nach einigen kreisenden, erfahrenen Liebkosungen spürte sie ihren Puls nur noch im Unterleib und drängte sich unwillkürlich enger an seine Lenden.

Er ließ ein leises Lachen hören, als er erst einen, dann zwei Finger in sie stieß. „Du bist ja ganz nass. Hast du etwa an mich gedacht?"

Und ob sie das hatte. Unterschwellig verbrachte sie ziemlich viel Zeit damit, an ihn zu denken. Und sie wollte ihn jetzt sofort. Yannicks Pläne sahen aber anders aus. Obwohl sie seine Erregung nur zu genau durch seine Hose spürte, nahm er sich Zeit. Seine Fingerspitzen fanden tief in ihr die Stellen, an denen er ihren Verstand ausschalten konnte.

Mit genau abgemessenen Bewegungen übte er Druck aus, langsam erst, aber dann immer schneller. Den anderen Arm hatte er längst um ihre Taille geschlungen, um sie festzuhalten. Sonst würde sie sich umdrehen, sich ihm entziehen und ihn ebenfalls verwöhnen. Bea wusste, dass sie erst allein kommen sollte, auch wenn sie sich dabei in seinen Armen wand.

Er wollte einen Moment der totalen Kontrolle.

Und so sehr ihr das widerstrebte, so wenig konnte sie dagegen tun. Er kannte alle ihre Reaktionen ganz genau. Nie wäre es ihr gelungen, ihm etwas vorzuspielen. Das war auch nicht nötig: Schon ballten sich ihre Muskeln um seine Finger zusammen wie eine Faust, dann schrie sie auf und warf den Kopf in den Nacken.

Sie spürte, wie er langsam die nasse Hand zurückzog, als sie keuchend Gesicht und Schultern zu Boden sinken ließ. Jetzt erst schob er ihre Gymnastikhose samt Höschen hinab bis zu ihren Knien, ließ seine eigenen Hosen so weit herab wie gerade nötig und stieß hart von hinten in sie hinein.

Sie stöhnte auf und wollte sich wieder aufrichten, aber er drückte eine Hand zwischen ihre Schulterblätter und hielt sie unten, während er mit der anderen ihre Hüfte fest umklammerte. Seine Knie rutschten noch ein Stück auseinander, bis er den Winkel so verändert hatte, dass sie leise aufschrie. Sie hatte ihm einmal gesagt, dass er so besonders tief in ihr war, und er hatte das offenbar nie vergessen.

Sie fühlte seine steigende Gier, während sich für sie der Nachklang des Orgasmus mit der neu aufsteigenden Lust verband. Sie griff nach hinten, versuchte ihn zu unterbrechen, um nicht sofort wieder völlig willenlos zu sein. Er hielt sie einfach noch fester und rammte sich unerbittlich weiter in sie hinein.

Schließlich ließ sie die Hand wieder sinken, presste sie gegen den Boden und gab ihren Widerstand auf. Er wusste, dass er gewonnen hatte. Bea spürte, wie der Druck von ihrem Rücken schwand und er mit beiden Händen ihre Hüften umklammerte. Der doppelte Halt erlaubte ihm eine härtere Gangart, und seine Bewegungen wurden schneller. Keuchend fragte er: „Willst du, dass ich aufhöre?"

„Nein! Nein, mach weiter..."

Das reichte. Er ließ alle Hemmungen fallen und stieß sie heftig ein weiteres Mal auf den Gipfel der Lust, ehe er selbst kam. Bea spürte, wie er in sie hineinpumpte, ehe er halb über ihr zusammenbrach. Ein paar Minuten brauchten sie, um wieder Atem zu holen, dann zog er sich aus ihr zurück. Sie drehte sich um und lächelte ihn an.

„Hi. Wie war dein Tag?"

„Erfolgreich. Ich hab Hunger. Du warst nicht zufällig einkaufen, Babe?"

„Sag nicht Babe zu mir. Nein, ich war nicht einkaufen, wir haben einen neuen Fall, der uns ziemlich auf Trab gehalten hat." „Manchmal fänd ich's cool, eine Freundin zu haben, die sich um den Haushalt kümmert."„Und ich hätte gern ein Pony. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert."

Yannick zog schweigend die Brauen hoch, stand auf und ging ins Bad. Bea seufzte und angelte nach einem Päckchen Taschentücher, das auf der Fensterbank lag.Es kam immer häufiger vor, dass sie sich gegenseitig schmerzhafte Spitzen versetzten, wenn sie nicht gerade fantastischen Sex hatten. Sie konnte nicht sagen, woran das lag, aber sie wusste, dass es die Beziehung stark beeinträchtigte.

War er nicht da, fragte sie sich manchmal sogar, ob ihr Zusammensein überhaupt noch Sinn machte: Er interessierte sich nicht für ihren Alltag, schien mit ihrem Beruf sogar ein Problem zu haben. Gleichzeitig reagierte sie immer allergischer, wenn er sie „Babe" oder seine „kleine blonde Freundin" nannte.

Wenn er eine Barbie wollte, sollte er sich doch eine suchen! Wenn sie ihn allerdings sah, roch und fühlte, wurden diese Gedanken rigoros von ihrem Verlangen verdrängt. Sie traute es sich kaum einzugestehen, aber der unterschwellige Groll stachelte sie im Bett nur umso mehr an. Oder auf dem Boden. Oder auf dem Esstisch oder unter der Dusche oder vornübergebeugt auf der Arbeitsplatte in der Küche...

„Bestellst du uns mal was? Ich muss noch was tun", rief Yannick aus dem Flur und verschwand im Arbeitszimmer. So viel zu einem Abend in trauter Zweisamkeit, dachte Bea. Aber wahrscheinlich hätten wir uns eh nur gestritten.

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Hier die Autorin Jelka Dieckens über Erotik

Dieser Beitrag ist ein Ausschnitt aus Elbsirenen: Morinos erster Fall
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