Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform f├╝r kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Jelka Dieckens Headshot

Elbsirenen: Morinos erster Fall

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

W├Ąhrenddessen sa├čen Bea und Lena in einer Tapas-Bar und genossen die verhei├čungsvollen D├╝fte aus der K├╝che. Das Lokal war warm, voll und lebendig, und die beiden jungen Frauen hat- ten rasch festgestellt, dass sie sich sofort wieder gut verstanden.

ÔÇ×Sch├Ân, dass du so schnell Zeit hattest", sagte Bea, als der Kellner die bestellte Rotweinkaraffe brachte und ihnen ein- schenkte.

Lena rollte mit den Augen. ÔÇ×Ehrlich gesagt kam dein Anruf wie eine Antwort auf ein Gebet. Ich h├Ątte sonst keine Ausrede f├╝r Michael gehabt, und ich hatte absolut keine Lust, ihn zu sehen." ÔÇ×F├╝r mich sah es aus, als w├Ąrt ihr vielleicht ein bisschen mehr als Manager und S├Ąngerin...?"

Lena seufzte. ÔÇ×Jein. Ist schwierig zu erkl├Ąren. Er ist schon eine unglaublich wichtige Bezugsperson f├╝r mich, baut meine Karriere auf und k├╝mmert sich um mich. Aber eigentlich bin ich in alles andere mit ihm mehr so reingerutscht. Er ist der Mensch, den ich am h├Ąufigsten sehe, und er rei├čt sich ein Bein daf├╝r aus, dass ich Erfolg habe. Dass er sich in mich verliebt hatte, war nicht zu ├╝bersehen - naja, und irgendwann wurde dann mehr draus. Aber es ist kompliziert. Ich glaube, da ist von seiner Seite aus mehr als von meiner, schon immer, und das kann auf die Dauer nur schlecht sein."

ÔÇ×Oha. Das kannst du ihm aber wahrscheinlich nicht gut sagen bei eurer gesch├Ąftlichen Beziehung, oder?"

ÔÇ×Nein, das macht es eben so schwierig. Er ist auch in letzter Zeit ziemlich unausgeglichen, weil ich immer ├Âfter allein zu Hause sein will, statt bei ihm zu ├╝bernachten. Eigentlich habe ich das schon ein paar Wochen lang nicht mehr gemacht. Aber ausgesprochen ist da nichts - ich wei├č ja gar nicht, wie ich das machen sollte. Und er fragt nicht, weil er die Antwort nicht h├Âren will."

Bea nippte an ihrem Wein. ÔÇ×Das klingt extrem kompliziert. Aber sonst? Ich meine - du lebst schon irgendwie deinen Traum, oder? Leandra, die Schlagers├Ąngerin. Hammer!"

Lena lie├č ein L├Ącheln aufblitzen. ÔÇ×Ja, das ist schon ziemlich unglaublich. Und es gibt auch nichts Sch├Âneres f├╝r mich, als auf der B├╝hne zu stehen und die Leute toben und tanzen zu sehen. Das macht vieles wett, worauf man daf├╝r verzichten muss."

Den letzten Satz setzte sie leise hinzu. Ehe Bea nachhaken konnte, brachte der Kellner ihnen Kabeljaub├Ąllchen, Kartoffelw├╝rfel in scharfer So├če, Oliven, Chorizo, gebratene Garnelen, Datteln im Speckmantel, frittierte Babytintenfische und Wei├čbrot.

Als sie sich ausgiebig bedient hatten, fragte Lena: ÔÇ×Und du? Geht da was mit deinem hei├čen Kollegen?"

Bea lachte. ÔÇ×Das wird ihn aber freuen, dass du ihn hei├č findest. Nein, Francesco und ich arbeiten nur zusammen. Ich hab seit viereinhalb Jahren einen Freund, Yannick."

Lena betrachtete sie aufmerksam. ÔÇ×Hey, du wirst rot. L├Ąuft also gut, ja?"

Bea dachte an die Nachricht, mit der sie Yannick geschrieben hatte, dass sie heute Abend ausgehen w├╝rde. Zwei kleine blaue Haken zeigten, dass er sie gesehen hatte, doch eine Antwort hatte sie nicht bekommen. Er mochte es nicht besonders, wenn sie mit anderen Leuten ausging. Allerdings gingen sie auch nur selten gemeinsam weg, da sie unterschiedliche Lokale bevorzugten: W├Ąhrend es f├╝r Bea gern gem├╝tlich, urig oder sogar etwas sch├Ąbig-charmant sein durfte, mochte Yannick es gehoben, edel, modern und teuer. Sie seufzte. ÔÇ×L├Ąuft es jemals einfach nur gut?", gab sie zur├╝ck.

Lenas s├╝├čes Gesicht verschloss sich ein wenig. ÔÇ×Manchmal denke ich, dass ich eigentlich tats├Ąchlich mal eine ziemlich gut laufende Beziehung hatte - bevor ich als S├Ąngerin erfolgreicher geworden bin."

ÔÇ×Was ist passiert?"

ÔÇ×Unterschiedliche Lebensentw├╝rfe. Er wollte kein Rampen- licht, lieber ein ruhiges Leben und eine Familie. Ich wollte mir die Chance aber nicht entgehen lassen und war noch nicht bereit f├╝r Familie. Und so haben wir uns getrennt. Manchmal bedaure ich das."

ÔÇ×Verdammt. Aber ist es denn sonst so, wie du es dir ertr├Ąumt hast?" ÔÇ×Teils, teils. Das Singen selbst und die Reaktionen der Fans - das ist noch viel besser. Viele andere K├╝nstler in der Branche sind auch wirklich nett und total bewundernswert. Was manche von denen f├╝r eine Disziplin an den Tag legen, kannst du dir nicht vorstellen! So viele Shows oder Touren und komplizierte Choreografien! Es geht ja schon lange nicht mehr nur ums Singen.

Da muss man wirklich auf sich achten, sich fit halten und viel trainieren. Und dann der ganze Social Media-Kram, das ist nochmal ein Kapitel f├╝r sich. Aber man kann es schaffen und gro├č rauskommen. Ich nehme mir an einigen wirklich tollen Kollegen ein Beispiel, nicht nur f├╝r die Disziplin, sondern auch f├╝rs Benehmen. Harry war wirklich ein Arschloch.

Das gibt es immer mal wieder, aber die meisten in der Branche sind zum Gl├╝ck anders. Wenn die erst einmal entschieden haben, dass sie dich als Newcomer unterst├╝tzen, dann tun sie das auch, nehmen dich zum Beispiel ins Vorprogramm oder so. Und das gibt dir unglaublichen Auftrieb. Ideal ist es, wenn du mit jemandem von den Gro├čen in einer Show ein Duett singen kannst. Aber es hilft auch schon enorm, wenn dich jemand lobend erw├Ąhnt. Ich hoffe, dass ich mich daran erinnere, falls ich selbst sp├Ąter mal zu den Gro├čen geh├Âren sollte."

ÔÇ×Das schaffst du bestimmt", kommentierte Bea. Sie hatte sich nach der Arbeit noch rasch ein paar Songs von Leandra angeh├Ârt und war angetan gewesen. ÔÇ×Du bringst ja das Gesamtpaket mit. Du hast nicht nur eine tolle, ausgebildete Stimme, sondern bist nebenher auch noch der absolute Hingucker. Die perfekte Mischung."

Lena dankte ihr mit einem L├Ącheln. ÔÇ×Ich denke tats├Ąchlich, dass das viel hilft. Meist bekommt man ja gar nicht mit, dass man wegen seines Aussehens einen leichteren Stand hat. Das merkt man dann erst, wenn irgendwelchen Leuten das total egal ist. Wie bei Harry. Der konnte mich nicht ausstehen und hat mich richtig gemein behandelt.

Aber das hat er bei allen gemacht, die im Schlager Fu├č fassen wollten. Ich wei├č noch, dass ich v├Âllig fassungslos war, als er mich das erste Mal aus heiterem Himmel beleidigt hat. Da hat Zoe Schreiber mich total lieb getr├Âstet und mir erz├Ąhlt, dass er bei ihr genau dasselbe gemacht hat."

Bea erinnerte sich: Zoe Schreiber hatte zwei Jahre zuvor mit ihrem Deb├╝talbum f├╝r Furore gesorgt.

ÔÇ×Sie hat mir gesagt, dass ich einfach nicht auf ihn achten darf", fuhr Lena fort. ÔÇ×Sie hat mir erz├Ąhlt, dass sie den Fehler gemacht hat, ihn zu konfrontieren. Sie hatte gedacht, dass er ja schlie├člich ein Erwachsener ist und sie sicher vern├╝nftig miteinander reden k├Ânnen, wenn sie keine Angst zeigt. Dar- aufhin hat er ihr nicht nur erz├Ąhlt, dass sie absolut kein Talent hat und allerh├Âchstens f├╝rs Bett taugt, sondern ihr auch gleich angeboten, ihr die Flausen aus dem Kopf zu v├Âgeln.

Sie ist entsetzt abgehauen, aber seitdem hatte er sie auf dem Kieker. Bei vielen Leuten in der Branche hat er Andeutungen dar├╝ber fallen gelassen, dass sie sich an ihn rangemacht und ihm Sex angeboten h├Ątte, wenn er ihre Karriere f├Ârdern w├╝rde. Alles aber so vorsichtig und immer um zwei Ecken, dass man ihm nichts anhaben konnte. Er war echt ein Schwein."

ÔÇ×Allerdings! Was f├╝r ein Arschloch!"

Zoe Schreiber w├╝rden sie wohl also auch einen Besuch abstatten m├╝ssen. ÔÇ×Ist Zoe eigentlich ein K├╝nstlername?"

ÔÇ×Nein, sie hei├čt tats├Ąchlich so. Das ist auch exotisch genug, nicht so wie Lena Raatjens. Ich glaube, ich kann mit Leandra f├╝r die B├╝hne ganz gut leben. Da werd ich jedenfalls nicht verwechselt."

ÔÇ×Ganz sicher nicht. Sag mal, was mir da aufgefallen ist heute im B├╝ro bei deinem Michael - kann das sein, dass er dich mit Leandra anredet?"Schlagartig erlosch Lenas L├Ącheln. ÔÇ×Ja, das macht er. Ich hab ihm schon oft gesagt, dass ich das nicht mag. Fr├╝her hat er sich dran gehalten, aber inzwischen nennt er mich fast immer so. Ich glaube, dass Leandra f├╝r ihn jemand anders ist als Lena - jemand, den er selbst mit geformt hat, der zu ihm geh├Ârt."

Bea hatte mit der Gabel auf dem halben Weg zum Mund innegehalten. Jetzt sagte sie ernst: ÔÇ×Du, das klingt aber ziemlich alarmierend."

Lena zuckte hilflos die Achseln. ÔÇ×Ich wei├č. Aber ich hab keine Ahnung, was ich machen soll." Sie f├╝llte die Gl├Ąser von Neuem. ÔÇ×Komm, Themenwechsel. Wenn bei dir und deinem hei├čen Kollegen nichts geht, ist er dann anderweitig liiert?"

Bea lachte. ÔÇ×Ich glaube nicht, aber eigentlich unterhalten wir uns ├╝ber so was nur selten. Ich meine mal mitgekriegt zu haben, dass er eher zu... kurzen Bekanntschaften neigt."

ÔÇ×Oh, eine kurze Bekanntschaft mit ihm stelle ich mir ziemlich spannend vor. Wie hei├čt er noch gleich?"

ÔÇ×Francesco Morino."

ÔÇ×Was f├╝r ein Name!" Lena seufzte theatralisch. ÔÇ×Eigentlich m├╝sste man den singen. Francesco Moriiiiii-nooo... Er klingt nach Cocktails im Sommer am Strand."

Bea kicherte, und dann malten sie sich noch eine Weile aus, was alles im klangvollen Namen ihres Kollegen mitschwang. Einmal wurden sie unterbrochen, als eine Frau mittleren Alters an ihren Tisch trat und mit hochrotem Kopf fragte: ÔÇ×Entschuldi- gen Sie, sind Sie nicht Leandra?" Auf Lenas Nicken hin erkl├Ąrte sie, ein gro├čer Fan zu sein, und winkte ihren Gatten heran, der im Hintergrund gewartet hatte.

ÔÇ×Besonders sch├Ân find ich ja 'Bis zum Mond', das ist das Lieblingslied von mir und meinem Mann." Als die Frau aufgeregt ihre Handtasche nach einem St├╝ck Papier durchsuchte, bat Lena einen der Kellner um einen Zettel und einen Stift. Sie l├Ąchelte zu der Frau auf. ÔÇ×Wie hei├čen Sie denn?" ÔÇ×Monika, und mein Mann ist der Ulli."

Mit schwungvollen Buchstaben schrieb Lena eine Widmung f├╝r die beiden, setzte ihren B├╝hnennamen darunter und verzierte den Zettel mit einem Herzchen. Unter Dankesbezeugungen und mit der Versicherung, diesen Abend niemals zu vergessen, lie├čen die beiden Fans schlie├člich Lena und Bea wieder allein. Lena strahlte ihnen nach. ÔÇ×Siehst du, solche Momente sind einfach unbezahlbar. Sie zeigen mir, dass ich die Menschen wirklich ber├╝hre, ist das nicht sch├Ân?"

Bea stimmte ihr zu. Sie war sich ziemlich sicher, dass es sie selbst st├Âren w├╝rde, wenn die Leute sie erkannten, aber Lena schien die Situation wirklich genossen zu haben.

Als sie schlie├člich den Wein ausgetrunken und alle Lecke- reien bis auf den letzten Kr├╝mel vertilgt hatten, machten sie sich fr├Âhlich und leicht beschwipst auf den Heimweg.

Hier die Autorin Jelka Dieckens ├╝ber Freundschaften

Dieser Beitrag ist ein Ausschnitt aus Elbsirenen: Morinos erster Fall
2016-05-31-1464687144-8430329-418cNrV7V9L._SX311_BO1204203200_.jpg

Hier k├Ânnt ihr das Buch kaufen.

Der Sommer kommt und wir haben mit "Elbsirenen: Morinos erster Fall" von Jelka Dieckens nicht nur den richtigen Wochenends- und Urlaubsschm├Âker f├╝r euch, sondern verlosen an alle Leser des Buchs, die ihre Rezension bis zum 21.06. abgeben, einen Kindle E-Reader.