Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Jelka Dieckens Headshot

Buchauszug: Der Kriminalroman "Elbsirenen"

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Siegfried Menke war nicht sonderlich erfreut, sie zu sehen. Er runzelte die Stirn, als sie sein Büro am Ende des Flurs im Obergeschoss der Firma betraten, nachdem die elegante junge Empfangsdame sie telefonisch angekündigt hatte. Der Raum war groß und edel eingerichtet - offenbar lief die Firma gut, und Menke war einer der Partner.

„Ist das nötig, dass Sie mich auf der Arbeit überfallen?", fragte er statt einer Begrüßung.

„Allerdings", sagte Francesco und setzte sich unaufgefordert. „Wir hätten gern den Namen des Unternehmens und den Ihres Gesprächspartners in den USA bei dem Telefonat am Montagabend."

„Warum das denn?"

„Um Ihre Angaben zu überprüfen", schaltete sich Bea sanft ein. „Das werden Sie sicher verstehen."

„Ich werde Ihnen gar nichts geben. Das sind hochsensible Informationen, und der Deal ist noch lange nicht in trockenen Tüchern. Jetzt meinen Gesprächspartner preiszugeben, wäre unternehmerischer Selbstmord."

„Ein gutes Stichwort - Mord. Darum geht es hier nämlich. Und ich nehme an, dass Sie den Ernst der Lage erheblich unterschätzen. Geben Sie uns die Daten freiwillig oder müssen wir einen Durchsuchungsbeschluss beantragen?"

Siegfried Menkes Augen huschten hin und her. Dass die freundliche Beamtin so deutlich werden würde, hatte er offenbar nicht erwartet.„Ich... habe nicht von hier aus telefoniert."„Sondern?"„Das geht Sie gar nichts an."„Wir können auch Ihre Partner zu Ihren potenziellen Geschäftsbeziehungen in den USA befragen, wenn Ihnen das lieber ist."

Feine Schweißtröpfchen erschienen auf Menkes Stirn. „Hören Sie auf damit! Es hat kein Gespräch gegeben."

„Wo waren Sie also Montagabend?"„Ich war bei... einer Frau. Einer Freundin."„Namen und Adresse, bitte."„Auf keinen Fall! Sie ist verheiratet, ebenso wie ich."Jetzt übernahm Francesco wieder. „Ihnen scheint Ihre Lage noch immer nicht ganz klar zu sein, Herr Menke. Sie haben etwas, das man als sehr komplexes Motiv für den Tod Ihres Bruders bezeichnen könnte, und Sie weigern sich, uns ein Alibi zu geben, das wir nachprüfen können!"

„Warum sollte ich ein Motiv haben? Ich habe Ihnen doch schon erklärt, dass ich durch seinen Tod eher verliere, da meine Position in einem Rechtsstreit jetzt wesentlich schwächer ist!"

„Ja, aber hier handelt es sich nicht um eine vorbedachte Tötung, sondern um eine Handlung im Affekt - um einen Streit mit bösem Ausgang. Und für einen Streit waren Sie ganz sicher in der richtigen Stimmung, nachdem Ihr Bruder Ihnen die Feier zur Rosenhochzeit so verdorben hat, dass Sie noch drei Tage später und nach der Nachricht seines Todes nur bitter von ihm sprechen konnten. Nicht zu vergessen sein vermessenes Verhalten, als er Ihrer Frau zu nahe getreten ist!"

„Ich habe Ihnen gerade gebeichtet, dass ich eine Affäre habe. Meinen Sie, dass ich trotzdem wie ein liebeskranker Teenager auf meinen Bruder einschlagen würde, weil er meine Frau anfasst?" „Es geht hier nicht um Ihre Frau als Person, sondern um die Tatsache, dass sie eben IHRE Frau ist und dass Ihr Bruder sich Freiheiten bei ihr herausgenommen hat. Er war damit nicht nur respektlos ihr, sondern auch Ihnen gegenüber. Das hat Sie so wütend gemacht, dass Sie es sogar uns noch erzählen mussten, obwohl eigentlich keine Veranlassung dafür bestand. Es ist nicht schwer vorstellbar, wie Sie in dieser Stimmung auf ihn losgehen."

„Was unterstellen Sie mir da?"„Wo sind Sie gewesen?"„Ich sage gar nichts mehr!"Einige Momente lang war es ganz still im Büro, während die beiden Männer sich wütend musterten. Dann stand Bea auf. „Wir möchten Sie bitten, die Stadt in der nächsten Zeit nicht zu verlassen. Wir werden wahrscheinlich mit weiteren Fragen auf Sie zukommen."

„Rufen Sie das nächste Mal an! Es sieht nicht sonderlich gut aus, wenn die Polizei mich auf der Arbeit besucht."

„Wir werden Sie dann und dort aufsuchen, wann und wo wir es für erforderlich halten", gab Bea zurück.

Francesco folgte seiner Kollegin nach draußen. Bei einem letzten Blick zurück stellte er fest, dass eine Ader an der Schläfe Siegfried Menkes bedrohlich angeschwollen war.

Auf dem Weg zum Auto ebbte Francescos Wut ab, und er lachte. „Du hättest im Leben keinen Durchsuchungsbeschluss bekommen!"

Bea grinste breit. „Das weiß aber der Menke nicht. Mittagessen?"

Hier die Autorin Jelka Dieckens über Polizeiarbeit im Roman

Dieser Beitrag ist ein Ausschnitt aus Elbsirenen: Morinos erster Fall
2016-05-31-1464687144-8430329-418cNrV7V9L._SX311_BO1204203200_.jpg

Der Sommer kommt und wir haben mit "Elbsirenen: Morinos erster Fall" von Jelka Dieckens nicht nur den richtigen Wochenends- und Urlaubsschmöker für euch, sondern verlosen an alle Leser des Buchs, die ihre Rezension bis zum 21.06. abgeben, einen Kindle E-Reader.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Wir werden euch verblüffen: In diesem Video lesen wir eure Gedanken - egal welche Karte ihr wählt!

Die Auflösung: So konnte Sabrina Nickel eure "Gedanken lesen"

Lesenswert: